Wirtschaft trifft auf Freizeit: Streikkurs für mehr Wachstum?

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft schlägt eine aufsehenerregende Maßnahme zur Ankurbelung der Wirtschaft vor: Ein Verzicht auf Urlaubstage. Nachdem der Vorschlag, einen gesetzlichen Feiertag zu streichen, im vergangenen Jahr auf taube Ohren stieß, präsentiert Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung, nun alternative Strategien in der 'Augsburger Allgemeinen'. Konkret regt er an, einen Urlaubstag zu streichen oder die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit zu verlängern, ähnlich dem Vorstoß von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der eine zusätzliche Arbeitsstunde pro Woche als förderlich für das Wirtschaftswachstum erachtet.
Brossardt prognostiziert für das laufende Jahr ein zusätzliches Wachstum von 0,2 Prozent, allein durch den Umstand, dass drei Feiertage auf ein Wochenende fallen. Einen gesetzlichen Feiertag zu streichen, wäre weitaus weniger komplex, als an Urlaubstagen oder Arbeitszeiten zu rütteln, die meist durch Tarifverträge geregelt sind. Eine solche Anpassung bedarf detaillierter Aushandlungen, wie Brossardt im Interview einräumt.
Ob die Gewerkschaften dieser Idee aufgeschlossen gegenüberstehen, bleibt fraglich. Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Bayern hatte erst kürzlich gefordert, dass auf Wochenenden fallende Feiertage nachgeholt werden sollen — ein Ansatz, der dem Vorschlag Brossardts diametral entgegensteht.
Im Kontext der aktuellen Teilzeitdebatte äußert sich Brossardt mit differenziertem Blick. Er erkennt die Notwendigkeit von Teilzeit für die Kindererziehung und Pflege von Angehörigen an, und hält es für unangemessen, Unternehmen zu verpflichten, dieser Arbeitsform vorbehaltlos nachzukommen. Es sei vielmehr eine Angelegenheit von individueller Absprache zwischen Arbeitgebern und -nehmern.

