Wie viel darf ein guter Wein kosten?

Wenn es um Geld geht, gehen die Meinungen auch bei Weinfreunden auseinander
Weinkenner jeglichen Alters sowie Geschlechts und Geschmacks gelten grundsätzlich und erfahrungsgemäß in der Regel als diskutierfreudig, mitteilsam und mitunter auch durchaus streitbar in Hinsicht auf die von ihnen jeweils individuell bevorzugten edlen Tropfen. Auch wenn sich alle Freunde und Freundinnen des Rebensafts durch ihre Liebe zum Wein zwar generell und theoretisch miteinander verbunden fühlen, sind emotional und erregt geführte Streitgespräche über vermeintlich beste Jahre und Lagen sowie Methoden und Winzer in den bekannten Foren und Fachkreisen keine Seltenheit. Ganz besonders häufig und ggf. auch heftig wird dabei außer über Böden, Beeren und Bouquets sowie Terroir, Trauben und Temperaturen über Weinpreise sowie deren Berechtigung, Angemessenheit und Sinnhaftigkeit geschrieben, gemutmaßt und „gefachsimpelt“. Wie in der Überschrift dieses Artikels bereits kurz und knapp sowie passend zusammengefasst, stehen hierbei zumeist finanzielle Fragen nach eher günstigen und preiswerten oder auch hochpreisigen und überteuerten Weinangeboten für bestimmte Produkte im Vordergrund.
Die tatsächlichen Kosten der Weinproduktion sind eigentlich recht überschaubar
Mit am einfachsten zu beantworten ist bei dieser recht kontroversen und facettenreichen Thematik die Frage nach dem Anteil der betrieblichen Entstehungskosten am Weinpreis. Diese setzen sich relativ unabhängig vom jeweiligen Weingut und dessen Renommee aus den im Normalfall weitgehend überschaubaren und nicht allzu stark schwankenden Posten Erzeugung, Abfüllung, Marketing, Vertrieb, Abschreibung, Versand und Handel zusammen. Natürlich ist auch bei noch so viel Begeisterung für den Beruf bzw. zur Berufung kein/e professionelle/r Winzer/in weltweit aus Nächstenliebe, Samaritertum und Selbstlosigkeit tätig. Schließlich wollen Winzer ja genau wie Bäcker, Fischer und Fleischer von ihrer Arbeit und dem Verkauf ihrer Waren leben und verschenken diese deshalb auch nicht kostenlos an die Kunden. Weinhersteller müssen also immer auch einen gewissen Gewinn erzielen, alleine schon, um den Bestand ihres Betriebes in der Zukunft zu sichern und die speziell im Weinbau regelmäßig notwendigen und nicht ganz geringen Investitionen vornehmen zu können.
In Zukunft könnte der Klimawandel auch auf die Weinpreise einigen Einfluss haben
Die tatsächliche Komplexität bei der Preisgestaltung von Weinangeboten erschließt sich jedoch erst bei der detaillierten Betrachtung der oben bereits erwähnten Einzelposten und der genauen Berücksichtigung ihrer Relation zueinander. So variieren die Aufwendungen und Kosten für Rohstoff und Energie, Arbeitslohn und Betriebskosten sowie Marketing, Logistik und Steuern zusätzlich nach den Parametern Betriebsgröße, den nach Land oder Region unterschiedliche Rechtsvorschriften und Lohnstrukturen sowie nicht zuletzt nach der Witterung, die bei einem landwirtschaftlichen Produkt wie Wein maßgeblichen Einfluss auf die Erträge hat. Gerade in den aktuell sich abzeichnenden Zeiten des Klimawandels ist es zukünftig gut möglich, dass etwa aufgrund anhaltend starker Trockenheit in klassischen Weinbaunationen wie zum Beispiel Italien, Frankreich und Spanien absehbar sinkende Rohstoffmengen an Trauben folgerichtig zu höheren Rohstoffpreisen und somit steigenden Weinpreisen führen werden. Ob und inwiefern potenziell neue Anbaugebiete in wenig als Weinländern bekannten Regionen wie Nord- und Osteuropa diese Verluste wettmachen werden können, kann aus heutiger Sicht noch nicht beurteilt werden.
Auch schwierigste Arbeitsbedingungen rechtfertigen hohe Fantasiepreise nicht
Ein wesentlicher Kostenfaktor im Bereich Erzeugung setzt sich häufig auch aus den zum Einsatz kommenden Anbau- und Erntemethoden zusammen. So ist es auch für wenig mit Weinbau vertrauten Laien und Konsumenten leicht verständlich und nachvollziehbar, dass insbesondere Ausmaß und Umfang der je nach örtlicher Gegebenheit notwendigen teuren Handarbeit deutlichen Einfluss auf den Preis des Endprodukts haben. Logischerweise ist eine mühsame Pflege der Rebstöcke sowie Handlese der Beeren in schwer zugänglichen Steillagen wie an der Ahr, Mosel und am Mittelrhein, der Donau in Österreich, der Rhône in Frankreich oder am Douro in Portugal weitaus aufwendiger und damit kostenintensiver als eine industriell mit Maschinen mögliche Ernte auf großen Anbauflächen in Ebenen wie zum Beispiel in Rheinhessen, im französischen Medoc rund um Bordeaux oder im Gebiet Mariza im Süden von Bulgarien. Darüber hinaus verursachen selbstverständlich auch eine Erntemengenreduzierung zum Zweck der Qualitätssteigerung sowie manuelle Auslese am Sortiertisch schnell vergleichsweise höhere Arbeitskosten, die sich zwangsläufig im Preis des Produkts niederschlagen.
Der Markt funktioniert selten rational und wird häufig von Eigennutz bestimmt
Während diese unterschiedlichen Kostenfaktoren in den Bereichen Anbau und Erzeugung sowie Verarbeitung rein betriebswirtschaftlich in Hinsicht auf ihren jeweiligen Einfluss bei der Preisgestaltung von Wein noch relativ einfach zu verstehen sind, wird es bei Handel, Vertrieb und Marketing schon tendenziell abstrakter, schwieriger und undurchsichtiger, den gängigen Marktmechanismen folgen zu können. Eine Betrachtung speziell des Marketings ist jedoch zum Verständnis der Preisgestaltung von Weinangeboten besonders interessant und aufschlussreich, verbergen sich doch gerade hier die wichtigsten Erklärungsmuster für die teils exorbitanten Preisspannen bei Weinen aller Art. Wie viele Experten ausdrücklich betonen, lassen sich auch bei gewissenhafter und sorgfältigster Verkostung grundlegende und tatsächliche Geschmacksunterschiede nicht feststellen, die stolze Preise von 60, 100 oder gar 1.000 Euro pro Flasche rechtfertigen. Bedenkt man darüber hinaus, dass auch die berühmtesten Weingüter der Welt selten über zehn- bis maximal zwölftausend Euro Herstellungskosten pro Hektar investieren und der Kostenaufwand pro Flasche damit bei höchstens 20 Euro liegt, wird schnell klar, dass die hohen Preise für bestimmte Produkte anders zustande kommen.
Die Branche wird oft stark von Spekulation und falschen Versprechen bestimmt
Wein ist eben nicht nur schlichtes Getränk und Genussmittel, sondern auch ein Kulturgut, welches speziell heutzutage vergleichbar mit Aktiendepots und Kunstwerken auch immer häufiger zur Kapitalanlage genutzt wird und somit gewissen Effekten der Wertsteigerung unterliegt. Namhafte Tropfen aus erstklassigen Lagen vor allem in Frankreich („Gran Cru“) wie zum Beispiel in den Gebieten Bordeaux und Burgund sowie Medoc und Champagne werden bei Versteigerungen in international tätigen Auktionshäusern zu Höchstpreisen von Sammlern gekauft und gesammelt, aber nicht zwangsläufig auch getrunken. Diese Praxis öffnet natürlich der sprunghaften Spekulation Tür und Tor. Besonders eher wenig bekannte Produzenten versuchen deshalb mit möglichst hohem Marketing- und Kostenaufwand in die Sphären vorzudringen, in denen manche Flaschen so viel kosten können wie ein Klein- oder Mittelklassewagen. Hinzu kommt, dass berühmte Weingüter mittlerweile für Millionen bis Milliarden sowie relativ häufig die Besitzer wechseln. Diese immensen Preise müssen sich amortisieren, weshalb Konsumenten bei bestimmten Weinen nicht nur das eigentliche Produkt, sondern immer auch den Namen bzw. die Marke mitbezahlen.
Besser dem eigenen Geschmack vertrauen, als den Verlautbarungen der Weingurus
Zusätzlich kommen bei sehr teuren Spitzenweinen weitere Regeln bei der Preisgestaltung zum Tragen. Angebot und Nachfrage sowie Preise sind überaus stark von der Bewertung durch die einschlägigen „Gurus“ und der Einstufung in die zahlreichen, jedoch weder für Laien noch Fachleute immer auch nachvollziehbaren Punktesysteme für Weine abhängig. Bei entsprechend hoher Punktzahl entsteht auf diese Weise oftmals schnell ein „Hype“ um manche Weinsorten, deren atmosphärisch und emotional extrem aufgeladenes Image sich für die Winzer in bare Münze verwandelt und bei diesen für Glück und Zufriedenheit sorgt. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen bei hochpreisigen Weinangeboten ist der Druck, den bekannte Weingüter auf den Handel in Form von subtilen Drohungen ausüben können, in Zukunft gar nicht mehr oder nicht mehr in ausreichenden Mengen zu liefern. In Verbindung mit der gleichermaßen leider immer häufig beobachtbaren künstlichen Verknappung, bei der nur sehr geringe Mengen auf den Markt gebracht werden, um somit die Illusion von Seltenheit zu erzeugen, beeinflussen auch solche fragwürdigen Praktiken die Preise.
Wer weiß, was er will und was ihm schmeckt, hat schnell das Richtige entdeckt
Angesichts dieser schönen neuen Weinwelt, in welcher der Schein oftmals wichtiger ist als das Sein, können sich Kunden aber im Grunde genommen entspannen, stark übertriebene Werbeversprechen erkennen und ignorieren sowie ihre Aufmerksamkeit auf Weine lenken, die größtmöglichen Genuss zu vernünftigen Konditionen bieten. Gerade durch die heute online zur Verfügung stehenden Vergleiche bei Weinangeboten wie zum Beispiel auf dem Portal Weinjoker mit Tausenden von Weinen von Dutzenden von Weinhändlern sind gute und günstige Angebote mit wenigen Klicks leicht zu identifizieren. Als einfache Faustregel für angemessene Weinpreise kann eine Spanne zwischen etwa 6 bis 12 Euro pro Flasche zurate gezogen werden. Häufig lassen sich bei Weinjoker auch stark reduzierte Weine finden, die teilweise für lediglich die Hälfte des ursprünglichen Preises angeboten werden. Insbesondere Weinfreunde mit bestimmten regionalen oder lokalen Vorlieben können mit ein wenig Zeit bei der Suche schöne Schnäppchen bei ihren Lieblingsweinen machen.

