Investmentweek

Wie Trump die Weltwährung zur Waffe macht

06. April 2025, 18:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Donald Trump will Amerikas Handelsdefizit durch Zölle und eine gezielte Schwächung des Dollars bekämpfen – und riskiert damit eine tektonische Verschiebung in der globalen Wirtschaftsordnung. Ein Plan zwischen ökonomischer Rebellion und finanzpolitischer Selbstzerstörung.

Ökonomischer Kriegspfad statt globaler Ordnung

Donald Trump hat sich entschieden. Für eine Politik der Härte, der Konfrontation – und gegen den wirtschaftspolitischen Konsens der letzten Jahrzehnte. Mit einer Mischung aus Strafzöllen, Dollar-Dumping und der offenen Attacke auf die US-Notenbank verfolgt der US-Präsident eine Strategie, die kaum weniger will als die Neuschreibung der globalen Finanzarchitektur.

Unter dem Schlagwort „Mar-a-Lago-Akkord“ kursiert in Washington ein Plan, der selbst gestandenen Ökonomen den Atem stocken lässt.

Handelsbilanz wie Firmenbuchhaltung

Trump betrachtet die US-Handelsbilanz wie ein Immobilienprojekt: Defizit gleich Verlust, gleich Betrug am Volk. Dass internationale Arbeitsteilung Wohlstand schafft, ist für ihn ideologisch verdächtig.

In seiner Logik bedeutet jedes importierte Produkt einen Raubzug auf Kosten Amerikas. Und der Schuldige ist immer der andere – ob China, Mexiko oder Europa.

Der Dollar als nächste Frontlinie

Während frühere US-Regierungen die globale Leitwährung Dollar wie ein öffentliches Gut behandelten, sieht Trump darin ein Hindernis. Der Dollar ist zu stark, lautet die Diagnose.

Er mache US-Produkte zu teuer und schade den Exporten. Trumps Lösung: gezielte Schwächung durch Zwang und Erpressung – unter dem Deckmantel ökonomischer Eigeninteressen.

Mar-a-Lago-Akkord: der neue Plaza-Plan – ohne Partner

1985 gelang es den G7-Staaten, durch einen koordinierten Plaza-Akkord den Dollar kontrolliert abzuwerten. Heute will Trump denselben Effekt – aber im Alleingang. Ausländische Zentralbanken sollen Dollar-Reserven auflösen und in endlos laufende Anleihen umtauschen.

Seit Trumps Wahlsieg im November 2024 hat der US-Dollar gegenüber anderen Leitwährungen rund 7 % an Wert verloren – eine ungewöhnliche Entwicklung angesichts wachsender Inflation und geopolitischer Unsicherheit.

Wer nicht mitzieht, riskiert Handelsstrafen oder den Entzug militärischer Schutzgarantien. Eine Partnerschaft auf Basis von Drohungen.

Der Mann hinter dem Plan

Stephen Miran, Ökonom, Hedgefonds-Veteran und neuer Chefberater Trumps für Wirtschaftsfragen, hat ein 40-seitiges Handbuch verfasst, das als ideologische Blaupause für den Mar-a-Lago-Akkord dient.

In seiner Argumentation ist der Dollar überbewertet, weil er als sicherer Hafen missbraucht werde. Der globale Finanzmarkt sei ein Spielplatz für Investoren, Amerikas Exporteure seien die Verlierer. Die Lösung? Eine kontrollierte Entwertung – koste es, was es wolle.

Risiken, die kaum kalkulierbar sind

Ökonomen wie Markus Brunnermeier und Barry Eichengreen warnen: Eine solche Politik könnte die Vertrauensbasis unterminieren, auf der das internationale Finanzsystem ruht.

Die Federal Reserve wäre nicht mehr die neutrale Instanz, sondern ein Spielball politischer Launen. Anleger weltweit würden beginnen, ihre Dollarpositionen neu zu bewerten – mit potenziell dramatischen Folgen für Zinssätze, Liquidität und Schuldenmärkte.

Reaktion der Märkte: Misstrauen statt Aufbruch

Der Kurs des Dollar gerät unter Druck, Investoren schichten in den Euro um. Die Volatilität an den Anleihemärkten steigt. Und die Bonitätswächter beobachten die Entwicklung genau: Die Ratingagentur Moody’s hat bereits eine mögliche Herabstufung des US-Kreditratings in Aussicht gestellt – nach Fitch und S&P wäre das der letzte Schlag gegen das AAA-Nimbus der Vereinigten Staaten.

Zinspolitik unter Beschuss

Auch die Fed gerät unter Druck. Trump fordert Zinssenkungen – obwohl seine eigenen Maßnahmen die Inflation anheizen. Fed-Chef Jerome Powell verweigert bislang die Gefolgschaft, doch sein Rückhalt bröckelt.

Spekulationen über eine Absetzung machen die Runde. Die Unabhängigkeit der US-Notenbank, einst eine unantastbare Säule der Finanzstabilität, wankt.

Weltordnung unter Spannung

EZB-Chefin Christine Lagarde spricht in Brüssel mit Bedacht, wenn es um den Mar-a-Lago-Akkord geht. Doch in den Hinterzimmern wird längst an Notfallszenarien gearbeitet.

Sollte sich Amerika vom multilateralen Finanzsystem abwenden, fehlt dem Euro-Raum ein zentraler Rettungsanker: der Dollar als Reservewährung und Krisenwährung zugleich.

Ein Kontinent rüstet sich – leise

Berichte deuten darauf hin, dass europäische Zentralbanken vorsorglich Dollar-Bestände reduzieren oder Alternativen prüfen. Auch Kanada und asiatische Staaten erhöhen ihre Liquiditätsreserven – nicht aus Panik, sondern aus Vorsicht.

Das Vertrauen in Amerikas fiskalische Berechenbarkeit hat gelitten. Was folgt, ist finanzpolitischer Selbstschutz.

Verlierer überall – außer im Weißen Haus

Trumps Politik zielt auf kurzfristige Erfolge im Inland: weniger Importe, mehr Produktion, Wachstum auf Pump. Doch der Preis ist hoch. Höhere Verbraucherpreise, steigende Kreditkosten, schwindendes Vertrauen internationaler Gläubiger. Amerika riskiert, was einst sein größter Vorteil war: ökonomische Glaubwürdigkeit.

Das Ende der Leitwährung?

Noch immer dominiert der Dollar rund 90 % der Devisentransaktionen weltweit. Doch sein Anteil an den globalen Währungsreserven ist seit Jahren rückläufig – von 66 % im Jahr 2004 auf zuletzt 57 %. Der Euro, der chinesische Yuan, sogar Gold werden als Alternativen wieder ernst genommen. Was einst als unerschütterlich galt, wird plötzlich fragil.

Ein Präsident auf Rachefeldzug – auch ökonomisch

Trump spricht offen von Vergeltung – gegen die EU, gegen China, gegen politische Gegner im eigenen Land. Diese Haltung prägt inzwischen auch seine Wirtschaftspolitik. Der „Tariff-Man“ wird zum „Currency Warrior“. Seine Waffen: Strafzölle, monetäre Repression, institutionelle Erpressung.

Finanzen / Global
[InvestmentWeek] · 06.04.2025 · 18:00 Uhr
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