Investmentweek

Wie Stablecoins das globale Finanzsystem erschüttern könnten

21. Juli 2025, 13:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Stablecoins verändern die Geldtransferlandschaft grundlegend, doch ihr rasantes Wachstum birgt auch Risiken. Ein Blick auf die Chancen und Herausforderungen dieses neuen Finanzinstruments.

Der neue Dollar?

Die Revolution kam nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit einem bürokratischen Gesetzespaket. Am Donnerstag hat der US-Kongress das sogenannte „Genius Act“ verabschiedet – ein umfassendes Gesetz zur Regulierung von Stablecoins.

Diese neuen digitalen Dollar sollen alles schneller, billiger und effizienter machen: Zahlungen in Sekunden, globale Überweisungen ohne Banken, und das mit der Stabilität klassischer Währungen. Klingt nach Fortschritt.

Doch was auf den ersten Blick wie die technologische Vollendung des Geldes wirkt, ist bei näherem Hinsehen ein gefährlicher Cocktail aus Macht, Intransparenz und ökonomischer Sprengkraft.

Ein Billionenmarkt im Entstehen

Stablecoins wie USDT oder USDC verhalten sich in der Kryptowelt wie ein Fels in der Brandung: 1 Coin = 1 Dollar – jederzeit. Noch machen sie nur sieben Prozent des Kryptomarktes aus.

Doch die Kurve zeigt steil nach oben: Allein 100 Milliarden Dollar flossen vergangenes Jahr in Stablecoins. US-Finanzminister Scott Bessent glaubt, dass der Markt bis 2030 auf 3,7 Billionen Dollar anwachsen könnte – so viel wie Nvidia heute wert ist.

Amazon, Walmart, JP Morgan und auch deutsche DAX-Konzerne wollen eigene Stablecoins lancieren oder zumindest nutzen. In Frankfurt steht mit AllUnity ein Euro-Stablecoin kurz vor dem Start – unterstützt von der Deutschen-Bank-Tochter DWS.

Stablecoins gelten als „sichere“ Kryptowährungen – doch der Crash von Terra Luna zeigte 2022, wie schnell ein Dollar-Versprechen zur Farce werden kann. 90 % Verlust in wenigen Tagen.

Alexander Höptner, CEO von AllUnity, spricht vom „direkten Nutzen für die Realwirtschaft“. Internationale Überweisungen könnten von Tagen auf Sekunden schrumpfen. Die Zukunft scheint glänzend.

Wer profitiert – und warum die USA plötzlich interessiert sind

Die größten Profiteure dieser Entwicklung sitzen allerdings nicht in Europa. Es sind die Vereinigten Staaten – genauer: das US-Finanzministerium und die Federal Reserve.

Denn Stablecoins müssen mit liquiden US-Vermögenswerten gedeckt sein – idealerweise mit kurzfristigen Staatsanleihen. Allein 2024 kauften Stablecoin-Emittenten wie Tether und Circle T-Bills im Wert von 40 Milliarden Dollar. Damit waren sie nach BlackRock und China der drittgrößte Käufer kurzlaufender US-Staatsschuldtitel weltweit.

Und es geht noch weiter: Donald Trump will Stablecoins gesetzlich dazu verpflichten, zu 100 Prozent mit Bargeld, US-Staatsanleihen oder Geldmarktfonds gedeckt zu sein.

Das treibt nicht nur die Nachfrage nach US-Schulden an, sondern macht Stablecoins zu einem politischen Hebel amerikanischer Finanzpolitik. Während Europa noch an der digitalen Zentralbankwährung tüftelt, hebeln die USA durch die Hintertür das System.

Goldman Sachs? Kindergeburtstag gegen Tether

Wie profitabel dieses Spiel ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Tether erzielte 2024 mit rund 100 Mitarbeitern einen Gewinn von 13 Milliarden Dollar – genauso viel wie Goldman Sachs, das über 45.000 Angestellte zählt.

Das Geschäftsmodell: Stablecoins ausgeben, Kundengeld in Staatsanleihen stecken, Zinsen kassieren. Die Risiken? Werden ausgelagert.

Erinnerung an den Albtraum: Terra Luna und der „Bankrun 2.0“

Wer nun denkt, das sei alles zu schön, um wahr zu sein – der hat recht. 2022 hat der Zusammenbruch von Terra Luna gezeigt, wie instabil das System sein kann.

Binnen Tagen verlor der algorithmische Stablecoin 90 Prozent seines Werts – weil seine „Deckung“ auf einem eigenen, ebenso abstürzenden Token beruhte. Zwar sind solche Konstrukte heute verboten, doch die grundsätzliche Systemgefahr bleibt.

Ökonomen warnen vor einem digitalen „Lehman-Moment“. Wenn Stablecoins groß genug sind und Halter massenhaft in Dollar oder Euro zurücktauschen wollen, könnten die Emittenten gezwungen sein, in Panik US-Anleihen zu verkaufen – mit direkten Folgen für den gesamten Anleihemarkt.

Zinsschocks, Liquiditätsengpässe, Vertrauensverlust: Der digitale Dominoeffekt wäre kaum aufzuhalten.

Anlegen im Ökosystem – und die nächsten Blasen

Trotz der Risiken lockt der Boom auch Investoren. Nicht direkt in Stablecoins – sie schwanken ja nicht – sondern in deren Ökosystem. Prominentes Beispiel: Circle, Herausgeber des USDC, ging im Juni an die Börse.

Seitdem schoss der Aktienkurs um über 800 % in die Höhe. Das KGV? 366 – selbst für Krypto irrwitzig. Fondsmanager Ha Duong zeigt sich skeptisch: „Sinkende Zinsen treffen das Geschäftsmodell.“

Alternativ bietet sich Coinbase an, die mit Circle kooperieren und schon 13,8 Prozent ihrer Umsätze mit Stablecoin-Diensten erzielen. Oder – für Fortgeschrittene – Lending-Plattformen wie Aave, bei denen Stablecoins verliehen werden können. Versprochen werden vier Prozent Rendite im Jahr. Geboten wird aber: keine Einlagensicherung und hohes Risiko bei Totalausfällen.

Ein Werkzeug, das größer wird als seine Erfinder

Stablecoins galten lange als bloßes Nischenprodukt für Kryptotrader. Doch jetzt sind sie auf dem besten Weg, das gesamte Geldsystem zu verändern – in einer Geschwindigkeit, für die weder Aufsichtsbehörden noch Zentralbanken gerüstet sind.

Das Problem: Was als Infrastruktur beginnt, wird zur eigenständigen Macht. Und mit jeder Milliarde, die in Stablecoins fließt, verlieren Banken, Staaten und Notenbanken ein Stück Kontrolle.

Stablecoins sind dabei, die Regeln des globalen Geldes umzuschreiben – unreguliert, intransparent, aber mit rasant wachsender Macht. Wer das nicht kritisch hinterfragt, riskiert, beim nächsten Finanzschock auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Vielleicht sogar – wie 2008 – alle auf einmal.

Finanzen / Krypto / Stablecoins / Geldsystem / Regulierung
[InvestmentWeek] · 21.07.2025 · 13:00 Uhr
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