Eskalation in Nahost

Wie Dubais Influencer den Krieg zeigen

03. März 2026, 14:00 Uhr · Quelle: dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Foto: Altaf Qadri/AP/dpa
Dubai gerät ähnlich wie andere Metropolen am Golf seit Tagen unter Beschuss. (Archivbild)
Panik geht um in Dubai - auch unter Influencern. Einige verfolgen schockiert die Angriffe, andere sprechen vom «Vertrauen ins System». Im Land drohen harten Strafen für Kritik an der Regierung.

Dubai (dpa) - Als Model und Influencer Hofit Golan die iranischen Geschosse am Nachthimmel von Dubai sieht, bricht sie in Panik aus. «Oh mein Gott», ruft sie immer wieder in einem Video, das sie in sozialen Medien teilte und in dem Raketenfeuer über der Metropole zu sehen ist. Für Golan und andere Influencer gerät mit Irans Angriffen das Image eines sicheren und luxuriösen Alltags in Dubai so stark ins Wanken wie noch nie.

Seit den amerikanisch-israelischen Militärschlägen auf den Iran reagiert das Land unter anderem mit Angriffen in den Golfstaaten. Dubai und Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber auch Städte in Katar, Bahrain und Kuwait sind unter Beschuss. Es gab Dutzende Verletzte und vereinzelt Tote, es kommt zu Bränden und Schäden. Auch Hotels, Wohnhäuser und Flughäfen werden zu Zielen. Die Emirate meldeten bisher Hunderte Angriffe mit Raketen und Drohnen, von denen der größte Teil abgefangen worden sei. 

«Türen vibrierten» von Explosionen der Abwehrmanöver

Viele stehen unter Schock. Die deutsche Schauspielerin und Influencerin Fiona Erdmann, die seit neun Jahren mit ihrer Familie in Dubai lebt, berichtet von Alarm mitten in der Nacht. So erzählt von «Abwehrmanövern, die so laut waren, dass unsere Türen vibrierten und wir uns alle in der Abstellkammer verbarrikadierten». In einem Instagram-Clip sagt sie: «Ich weiß auch nicht mehr, wo wir hin sollen». Schließlich reiste die Familie in den benachbarten Oman, um dort auszuharren.

«Das war verdammt nah», sagt der sichtlich schockierte Fitness-Influencer Will Bailey während einer der Explosionen. Der stark durchtrainierte Brite zeigt sich in sozialen Medien wahlweise mit oder ohne T-Shirt dabei, wie über ihm die Luftabwehr iranische Raketen abfängt. «Die habe ich in meinem Herzen gespürt», sagt er bei einem erneuten Knall und flüchtet sich ins Haus.

Teils gibt es auch Häme und die spöttische Botschaft, dass nun gewissermaßen die Blase der verwöhnten Luxuskinder von Dubai geplatzt sei. Ein Meme macht die Runde, in dem eine Passagierin beim Untergang der Titanic fragt: «Werden die Plätze in den Rettungsbooten vergeben nach Zahl der Follower?» 

«Extrem lauter knall» nahe Kreuzfahrtschiff «Mein Schiff 4» 

Wie bedrohlich die Lage in der Region tatsächlich werden kann, schildern deutsche Kreuzfahrt-Urlauber im Programm von RTL. Mindestens zwei Drohnen seien in der Nähe des Kreuzfahrtschiffs «Mein Schiff 4» im Hafen von Abu Dhabi niedergegangen, berichten die Urlauber. Nach einem «extrem lauten Knall» hätten die Passagiere sich sofort ins Innere des Schiffs begeben müssen.

Viele Influencer scheinen ein Image von Normalität bewahren zu wollen. «Ich vertraue dem Land hier, zu 100 Prozent», sagt die aus Hamburg stammende Influencerin Kim Gloss, die durch Casting- und Reality-Shows berühmt wurde. «Wir fühlen uns wirklich sicher und es ist alles ok.» Die Regierung schicke Warnungen, Rettungskräfte und Polizei arbeiteten auf Hochtouren. Sie und ihre Familie folgten den Anweisungen - darunter auch, am besten mit Matratze in der Mitte eines Raumes zu schlafen und sich fernzuhalten von Fenstern.

Influencer sprechen immer wieder vom Vertrauen in die Regierung

Das «Vertrauen ins System» wird so oft erwähnt, dass fast der Eindruck entsteht, die Regierung habe die Formulierung für Posts in sozialen Medien vorgeschrieben oder andere Inhalte unterdrückt. Kritik an der Regierung, den Behörden und ihrer Arbeit stehen in den Emiraten unter Strafe. Wer «den Ruf, das Ansehen oder die Würde» der Emirate beschädige, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von umgerechnet bis zu 117.000 Euro. 

Entsprechend gefährlich kann es werden für diejenigen, die Fotos oder Videos der angegriffenen Orte in sozialen Netzwerken teilen. Die Behörden sprechen dabei von «Gerüchten» und «Informationen von unbekannten Quellen» und drohen mit strafrechtlicher Verfolgung. Viele der Internet-Persönlichkeiten sagen inzwischen das Mantra auf, das Behörden immer wieder verbreiten: keine Angst, das Land ist sicher, geht normal eurem Alltag nach.

Genau dieses Gefühl will auch Präsident Mohammed bin Sajid vermitteln, der durch eines der größten Einkaufszentren von Dubai spazierte und sich mit Schaulustigen fotografieren ließ. Taim al-Falasi, mit 4,6 Millionen Followern bei Instagram eine der bekanntesten Reise- und Lifestyle-Influencerinnen in Dubai, postete ein Foto des Staatschefs in der Mall mit einem weißen Herzchen.

«Ich kann mir keine kraftvollere Botschaft vorstellen», sagt auch Entertainer und Influencer Chalid al-Ameri, der bei Instagram auf 3,2 Millionen Follower kommt. Die Nachrichtenmedien wollten mit ihren Berichten über die Angriffe nur Angst verbreiten und den Eindruck erwecken, es herrsche Chaos im Land. «Hunderte Schlagzeilen. Null Panik auf der Straße», schreibt auch Influencer Nail Abu Altin.

Blogger loben Dubai eigentlich als «sicherste Stadt der Welt»

Nicht zuletzt hilft das Image einer sicheren Stadt auch all denjenigen, die mit Posts vom schönen und schicken Leben teils viel Geld verdienen. Dubai sei die «sicherste Stadt der Welt», argumentieren Influencer und Blogger. Zum Beweis lassen sie in normalen Zeiten - live vor der Kamera - gern mal eine 18.000 US-Dollar teure Edeluhr oder ihren Reisepass und Kamera an öffentlichen Plätzen liegen und verschwinden ein paar Stunden, um zu zeigen, dass selbst solche Wertsachen nicht gestohlen werden.

Seit zwei Tagen werde es ruhiger in Dubai, sagt eine Anwohnerin der Deutschen Presse-Agentur. «Die Menschen fangen an, wieder ihr Leben zu leben.» Für einige Influencer geht der Alltag zwischen modernen Wolkenkratzern und türkisblauem Strand vermutlich weiter. Der aus Malaysia stammende Internet-Kommentator Ian Miles Cheong postet ein Video von sich in einem Club, während neben ihm Champagner-Flaschen mit Wunderkerzen geschwenkt werden. Die Stimmung im Club sei fantastisch, schreibt er. «Diese Stadt ist unschlagbar.»

Krieg / Konflikte / Internet / Tourismus / Vereinigte Arabische Emirate / Iran
03.03.2026 · 14:00 Uhr
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