WestJet rudert zurück: Keine starren Economy-Sitze mehr nach Passagier-Protesten
Empörung über enge Sitzreihen
Videos von eingeklemmten Knien und frustrierten Reisenden machten in den vergangenen Wochen auf TikTok, X und Instagram die Runde. Der Auslöser: WestJets neue Economy-Bestuhlung auf ausgewählten Boeing-737-Maschinen, bei der sich die Rückenlehnen nicht mehr zurücklehnen ließen und der Sitzabstand auf nur noch 28 Zoll schrumpfte.
Die Maßnahme war Teil einer Umrüstung, mit der der Airline-Betreiber mehr Platz für Premiumsitze schaffen und zusätzliche Reihen in der Economy unterbringen wollte. Für verstellbare Sitze mussten Passagiere Aufpreis zahlen.
Airline gibt Fehler zu
Am Freitag erklärte WestJet, man werde zur bisherigen Standardkonfiguration zurückkehren. Nach Auswertung betrieblicher Daten und des Kundenfeedbacks habe sich gezeigt, dass die neue Lösung „nicht den Bedürfnissen unserer Gäste entspricht“, sagte CEO Alexis von Hoensbroech.
„Wir wollten mit international üblichen Sitzabständen günstige Ticketpreise ermöglichen“, so der Manager. „Aber genauso wichtig ist es, schnell zu reagieren, wenn ein Konzept nicht akzeptiert wird.“
Bereits im Dezember hatte WestJet die weitere Einführung der neuen Sitze gestoppt. Der öffentliche Druck nahm jedoch erst im Januar mit der viralen Verbreitung der Videos massiv zu.
Sicherheitsbedenken von Crews
Neben Passagieren meldeten auch Piloten und Flugbegleiter Bedenken an. Die Gewerkschaft der Kabinenbeschäftigten warnte vor Sicherheitsrisiken, etwa bei einer Evakuierung in engen Sitzreihen. Zudem habe die Situation an Bord zu aggressiven Diskussionen geführt.
„Wir wurden mit Beschwerden überhäuft und mussten teilweise große Passagiere umsetzen“, sagte Gewerkschaftsvertreterin Alia Hussain. „Das hat ein feindseliges Arbeitsumfeld geschaffen.“
Symbol für Grenzen der Sparlogik
Die Episode gilt in der Branche als Lehrstück dafür, wie weit Airlines bei der Verdichtung der Kabine gehen können, ohne Akzeptanz zu verlieren. Während Zusatzgebühren und Premiumzonen weiter zunehmen, scheint die Toleranzschwelle bei Komfort und Bewegungsfreiheit erreicht.
Mit der Rücknahme der Maßnahme sendet WestJet nun ein Signal: Der Versuch, maximale Sitzdichte mit Minimal-Komfort zu kombinieren, ist am Widerstand der Kunden gescheitert.


