Investmentweek

Wer 23andMe kauft, bekommt Zugriff auf das intimste Gut der Menschheit

16. April 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Nach der Insolvenz des DNA-Testpioniers 23andMe wird sein Datenschatz zum Spekulationsobjekt: 15 Millionen genetische Profile, medizinische Angaben und Familienmuster – ein Filetstück für Pharma, Versicherungen und Tech.

Milliardenpleite mit Milliardenwert

Ein paar Milliliter Speichel, ein Barcode, eine E-Mail-Adresse – viel mehr brauchte es nicht, um bei 23andMe einen genetischen Fingerabdruck zu hinterlassen. Über 15 Millionen Menschen weltweit haben das getan.

Und jetzt, nach der Insolvenz des Unternehmens, wird genau diese Datensammlung zur heißesten Ware auf dem Markt für Biotechnologie.

Was einst als Empowerment der Verbraucher begann – DNA-Analyse für jedermann – droht nun zur größten genetischen Verwertungskette der Geschichte zu werden.

Denn mit der Insolvenz steht nicht nur ein Unternehmen zum Verkauf, sondern ein kompletter Datenschatz: genetische Marker, Krankheitshistorien, Familienverhältnisse, ethnische Wurzeln – und all das verknüpft mit persönlichen Angaben.

Wie aus DNA ein Geschäftsmodell wurde

23andMe startete 2006 mit dem Anspruch, die Medizin zu demokratisieren. Für unter 100 Dollar erhielten Kunden Einblick in ihre Herkunft, genetische Prädispositionen und später sogar Gesundheitsrisiken. Doch das Geschäftsmodell war nie profitabel – und verlor ab 2019 deutlich an Schwung.

Die Attacke kam 2023: Ein Datenleck legte private Informationen von Millionen Nutzern offen. Die Glaubwürdigkeit erlitt einen Tiefschlag – doch der eigentliche Wert des Unternehmens blieb: die Datenbank. Oder wie Datenschützer sagen: das globale Gen-Archiv.

Datenschutz à la carte: Die Lücken im System

Offiziell gilt: Wer 23andMe kauft, verpflichtet sich zur Einhaltung der Datenschutzrichtlinien – zumindest am Tag des Kaufes. Doch juristisch ist das kaum belastbar.

Datenschützer wie Ron Zayas oder Benjamin Farrow warnen: Ein Käufer könne die Geschäftsbedingungen jederzeit ändern, die Einwilligungen neu interpretieren – oder einfach ignorieren.

„Es ist wie beim Gebrauchtwagenkauf“, sagt Anwalt Farrow. „Was der Vorbesitzer versprochen hat, ist nach dem Verkauf bedeutungslos.“

Für Millionen von Nutzern heißt das: Sie verlieren nicht nur die Kontrolle über ihre Daten – sie wissen nicht einmal, wer künftig Zugriff darauf hat.

Ein Leak mit Folgen: Die Datenpanne von 2023 traf Millionen Nutzer und kostete 23andMe 30 Millionen Dollar – das Vertrauen erholte sich nie vollständig.

Von der DNA zur Ware: Wer mitbieten will

Mehrere Akteure sind bereits im Rennen – darunter Start-ups, Biotech-Unternehmen, sogar eine Krypto-Stiftung. Besonders auffällig: Anne Wojcicki, Mitgründerin von 23andMe, will das Unternehmen selbst zurückkaufen – als private Bieterin.

Daneben stehen Namen wie Nucleus Genomics, das Start-up des 25-jährigen Genom-Talents Kian Sadeghi, das auf vollständige Genanalysen spezialisiert ist, sowie die Sei Foundation, die von einem „digitalen Landraub“ spricht – und mit Blockchain-Technologie die Rückgabe genetischer Eigentumsrechte verspricht.

Der Datenschatz ist begehrt – und gefährlich. Nicht nur wegen seiner wissenschaftlichen Relevanz, sondern auch wegen seines Missbrauchspotenzials.

Die Risiken: Diskriminierung, Überwachung, Manipulation

Genetische Daten lassen sich nicht einfach „de-anonymisieren“. Sie sind einmalig – und sie betreffen nicht nur die Person selbst, sondern auch deren Familie. „Wenn ich meine DNA teile, teile ich auch die meiner Kinder, Eltern, Geschwister“, warnt Datenschutzprofessorin Jessica Vitak.

Versicherer könnten Risiken neu berechnen, Arbeitgeber könnten Auswahlverfahren subtil verschieben, Staaten könnten genetische Informationen mit KI und Überwachungsdaten verknüpfen.

Und das ist nur das Naheliegende. Einige Sicherheitsexperten warnen: DNA-Daten könnten langfristig zur Entwicklung biologischer Waffen missbraucht werden – etwa zur gezielten Manipulation genetisch definierter Gruppen.

Gesetzliche Grauzone: In den USA kaum Schutz

Zwar existieren in den USA einzelne Schutzgesetze – etwa gegen genetische Diskriminierung durch Arbeitgeber oder Versicherungen. Doch auf Bundesebene fehlt ein umfassender Rahmen wie die europäische Datenschutz-Grundverordnung.

Staaten wie Kalifornien und Montana haben spezifische Regeln für DNA-Dienste eingeführt – doch sie greifen nicht automatisch, wenn ein Unternehmen verkauft wird. Und sie greifen schon gar nicht, wenn ein Käufer seinen Sitz im Ausland hat.

Die Zukunft der DNA – eine Frage des Eigentums

Inmitten dieser Debatte stellt sich eine entscheidende Frage: Wem gehören eigentlich unsere Gene? Derzeit: dem Unternehmen, das sie gespeichert hat. Doch mit dem Verkauf von 23andMe wird diese Eigentumsfrage neu verhandelt – nicht juristisch, sondern faktisch.

Denn wer zahlt, bestimmt künftig, wer forschen darf, wer ausgeschlossen wird – und was mit den Daten passiert. Ob zur Heilung oder zur Ausbeutung, ob zur Forschung oder zur Kontrolle – das entscheidet nicht mehr der Kunde. Sondern der Käufer.

Finanzen / Startups & VC
[InvestmentWeek] · 16.04.2025 · 14:00 Uhr
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