Weidewirtschaft in der Klimakrise: Experten warnen vor dramatischem Rückgang der Flächen
Weidewirtschaft, eine jahrhundertealte landwirtschaftliche Praxis, steht vor einer unsicheren Zukunft. Laut einer wegweisenden Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung könnten bis zum Ende des Jahrhunderts bis zu 50 Prozent der derzeit als geeignet eingestuften Weideflächen aufgrund des Klimawandels unbrauchbar werden. Diese beunruhigende Entwicklung betrifft weltweit etwa 110 bis 140 Millionen Menschen und bedroht das Wohl von bis zu 1,6 Milliarden Weidetieren.
Maximilian Kotz, ein Mitautor der Studie, betont die Abhängigkeit der Weidehaltung von Umweltfaktoren wie Temperatur und Wasserverfügbarkeit. Der Klimawandel reduziert die geeigneten Flächen für diese Wirtschaftsweise erheblich, was besonders Regionen trifft, die bereits mit Ernährungsunsicherheit und anderen sozialen Herausforderungen kämpfen. Erstautorin Chaohui Li hebt hervor, dass Afrika besonders stark betroffen sein könnte. Je nach Entwicklung des Klimaausstoßes könnten die Graslandflächen dort um bis zu 65 Prozent schrumpfen.
In Ostafrika ist die Situation bereits prekär, da dort Dürren häufiger und intensiver auftreten als früher. Viehzüchter und Landwirte, wie die Massai und Samburu in Kenia, sehen sich zunehmend erschwerten Bedingungen gegenüber. Die bevorstehende Regenzeit wird mit Besorgnis erwartet, da auch diesmal ein Wassermangel droht. Bereits im vergangenen Jahr hatte Somalia angesichts der schweren Dürre den Notstand ausgerufen. Laut der Weltgesundheitsorganisation leiden in Kenia aufgrund schlechter Erntebedingungen etwa zwei Millionen Menschen unter Nahrungsunsicherheit.

