Wehrpflicht oder Freiwilligkeit? Pistorius plant doppelte Strategie für die Bundeswehr
Die Diskussion um die zukünftige Ausgestaltung des Wehrdienstes in Deutschland erhält neuen Auftrieb durch Verteidigungsminister Boris Pistorius. In einem geplanten Gesetzentwurf, der für mehr Attraktivität des Wehrdienstes sorgen soll, integriert der Minister auch Vorkehrungen für eine mögliche Reaktivierung der Wehrpflicht.
Zwar setzt Pistorius vornehmlich auf die Freiwilligkeit, zeigt sich jedoch offen für eine gesetzliche Hintertür, sollte es an Freiwilligen fehlen. Pistorius erläuterte jüngst, dass die Bundeswehr auf zusätzliche 60.000 aktive Soldaten und Soldatinnen angewiesen sei. Um dies zu realisieren, plant er, den Dienst attraktiver zu gestalten – sowohl durch bessere Entlohnung als auch durch verbesserte Unterbringungsmöglichkeiten.
Langfristig strebt der Verteidigungsminister einen Reservistenpool von 200.000 Personen an, was die Überlegung einer Wiedereinführung der Wehrpflicht nicht ausschließt, wenn das angestrebte Freiwilligenkontingent nicht erreicht werden kann. Dabei gerät Pistorius in Gegensatz zu SPD-Fraktionschef Matthias Miersch, der die Wehrpflicht im aktuellen Koalitionsvertrag ausgeschlossen sieht.
Dennoch zeigt SPD-Vorsitzender und Vizekanzler Lars Klingbeil ebenfalls Unterstützung für mögliche Vorbereitungen zur Wiederaufnahme der Wehrpflicht. Damit bleibt die Debatte innerhalb der SPD und der Koalition lebendig und sorgt für Kontroversen.

