Was kostet eigentlich die CNC-Bearbeitung eines Teils?

Wer ein CNC-gefertigtes Bauteil anfragt, bekommt häufig sehr unterschiedliche Angebote. Für Einkäufer ist das nicht immer auf den ersten Blick nachvollziehbar. Tatsächlich folgt die Preisbildung in der CNC-Bearbeitung jedoch einer klaren Struktur. Entscheidend sind vor allem vier Faktoren: Material, Rüst- und Maschinenzeit, Toleranzen beziehungsweise Komplexität sowie die bestellte Stückzahl. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann Angebote besser einordnen und Kostentreiber gezielt erkennen – wie es beispielsweise auch RLCNC aus der täglichen Fertigungspraxis beschreibt.
Material und Zeit als zentrale Preisfaktoren
Der erste Kostenblock ist das Material. Dabei zählt nicht nur der reine Kilopreis. Aluminium ist vergleichsweise günstig und gut zu bearbeiten. Die Werkzeuge halten länger, höhere Schnittgeschwindigkeiten sind möglich, die Maschinenlaufzeiten bleiben überschaubar. Bei einfachen Baustählen verhält es sich ähnlich. Anders sieht es bei hochlegierten Edelstählen, Titan oder hitzebeständigen Speziallegierungen aus. Diese Werkstoffe sind teurer im Einkauf und deutlich anspruchsvoller in der Zerspanung. Sie erhöhen den Werkzeugverschleiß, erfordern geringere Vorschübe und verlängern die Bearbeitungszeit. Das Material beeinflusst somit gleich zwei Bereiche der Kalkulation: die Rohmaterialkosten und die Fertigungszeit.
Neben dem Werkstoff spielt die Zeit die größte Rolle. In der Praxis wird zwischen Rüstzeit und Maschinenlaufzeit unterschieden. Die Rüstzeit umfasst das Einrichten der Maschine, das Einspannen des Werkstücks, das Bestücken mit Werkzeugen sowie das Einfahren und Prüfen des Programms. Auch die Erstellung oder Anpassung des CAM-Programms gehört dazu. Diese Kosten fallen unabhängig von der späteren Stückzahl an. Bei kleinen Serien oder Einzelteilen verteilt sich die Rüstzeit auf wenige Werkstücke – entsprechend hoch ist der Stückpreis.
Die Maschinenlaufzeit beschreibt die tatsächliche Bearbeitungsdauer. Sie hängt von der Geometrie, der Anzahl der Bearbeitungsschritte und den Schnittdaten ab. Ein einfaches Teil mit klaren Konturen und wenigen Bohrungen ist schnell gefertigt. Ein komplexes Frästeil mit mehreren Aufspannungen, Taschen oder Freiformflächen benötigt deutlich mehr Zeit. Da CNC-Maschinen über Stundensätze kalkuliert werden, wirkt sich jede zusätzliche Minute direkt auf die Kosten aus.
Toleranzen, Komplexität und Stückzahl
Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor sind die geforderten Toleranzen und Oberflächenqualitäten. Enge Maßvorgaben bedeuten in der Regel geringere Vorschübe, zusätzliche Schlichtgänge oder sogar Nacharbeiten. Hinzu kommen erhöhte Prüfanforderungen. Präzise Messungen mit geeigneten Messmitteln kosten Zeit und erfordern qualifiziertes Personal. Auch hohe Anforderungen an die Oberflächenrauheit erhöhen den Aufwand. Was auf der Zeichnung wie eine kleine Zusatzangabe wirkt, kann in der Fertigung erhebliche Mehrarbeit bedeuten.
Die Komplexität eines Bauteils verstärkt diesen Effekt häufig. Mehrseitige Bearbeitung, schwer zugängliche Konturen oder Hinterschneidungen machen zusätzliche Aufspannungen oder den Einsatz moderner 5-Achs-Maschinen notwendig. Das steigert Programmieraufwand, Bearbeitungszeit und Prüfaufwand. Je komplexer das Bauteil konstruiert ist, desto höher fällt in der Regel der Fertigungsaufwand aus.
Eine besonders große Rolle spielt die Stückzahl. Bei Einzelteilen dominieren die Rüstkosten den Gesamtpreis. Steigt die Bestellmenge, verteilen sich diese einmaligen Einrichtungskosten auf mehr Teile. Der Stückpreis sinkt entsprechend. Ab bestimmten Losgrößen lohnt es sich zudem, Prozesse weiter zu optimieren oder spezielle Spannvorrichtungen einzusetzen. Solche Maßnahmen rechnen sich nur bei ausreichender Menge, führen dann aber zu spürbaren Kostenvorteilen.
Zusätzlich können Prüfanforderungen, Dokumentationspflichten, besondere Verpackungsvorgaben oder kurze Lieferzeiten den Preis beeinflussen. Auch der Werkzeugverschleiß bei anspruchsvollen Materialien fließt in die Kalkulation ein.
Unterm Strich gibt es keinen pauschalen Preis für ein CNC-gefertigtes Teil. Zwei Bauteile mit ähnlicher Größe können aufgrund unterschiedlicher Materialien, Toleranzen oder Stückzahlen deutlich variieren. Wer die grundlegenden Kostentreiber kennt, kann Angebote sachlicher bewerten und bereits in der Planungsphase wirtschaftliche Entscheidungen treffen.

