Digitalisierung

Was bringt der «Soft-Start» für die E-Patientenakte?

29. April 2025, 14:10 Uhr · Quelle: dpa
Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen hinkt Deutschland hinterher. Für eine zentrale Anwendung für Millionen Versicherte beginnt nun aber die Ausdehnung auf die ganze Republik - schrittweise.

Berlin (dpa) - Untersuchungsbefunde, Medikamente, Röntgenbilder: Für wichtige Gesundheitsdaten gibt es inzwischen elektronische Patientenakten (ePA), die Anfang des Jahres in den Masseneinsatz gingen. Der neue digitale Speicher kann Patientinnen und Patienten ein Leben lang bei allen Ärztinnen und Ärzten begleiten. Doch die meisten haben davon wohl noch gar nicht viel bemerkt. Das soll sich jetzt ändern. Gestartet ist nun ein «Hochlauf», damit die E-Akte nach und nach bald überall in Deutschland zum Standard wird.

Was genau ändert sich jetzt? 

Seit 15. Januar haben 70 Millionen der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten eine ePA von ihrer Krankenkasse angelegt bekommen, was man für sich auch ablehnen kann. Der konkrete Einsatz in Gesundheitseinrichtungen, die Daten in die E-Akte geben und die Technik im Alltag nutzen, wurde aber vorerst nur in drei Regionen getestet. In Hamburg und Umland, Franken und Teilen Nordrhein-Westfalens beteiligten sich rund 300 Praxen, Apotheken und Kliniken. Nach dem Abschluss der Probephase soll jetzt die bundesweite Ausdehnung folgen.

Wie läuft die Ausweitung? 

Der Übergang auf die gesamte Republik kommt nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) spricht von einem «Soft-Start»: Einige Praxen könnten die ePA sofort benutzen, andere müssten noch ein Modul installieren. Gebraucht werden auch Software-Updates. Dieser Prozess dürfte mehrere Wochen dauern, wie die mehrheitlich bundeseigene Digitalagentur Gematik erläutert. Befüllen können die Einrichtungen die ePA vorerst auf freiwilliger Basis. Eine gesetzliche Pflicht greift dann ab 1. Oktober. 

Warum kommen überhaupt E-Akten?

Für den scheidenden Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der die Großoperation noch umsetzte, bringt die ePA eine «Zeitenwende» in der Digitalisierung. «Patienten bekommen endlich einen Überblick über ihre Daten und Befunde. Ärztinnen und Ärzte können bessere Entscheidungen treffen.» Bisher kommen Patienten oft mit Ausdrucken in die Praxen oder haben gar keine Unterlagen parat. Ziel ist daher, verstreute oder fehlende Daten zu bündeln und bessere Behandlungen zu ermöglichen. Mehrfachuntersuchungen und Medikamenten-Wechselwirkungen sollen so ebenfalls vermieden werden.

Was kann man mit der ePA machen?

Patientinnen und Patienten können in ihre ePA schauen, müssen es aber nicht. Einsehen kann man sie über eine App der Kasse etwa auf dem Smartphone. Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, rät Versicherten, die ePA auch aktiv zu nutzen. «So können sie sehen, welche Daten in ihrer Akte hinterlegt sind und sind viel besser über die eigene Gesundheit informiert.» Was Ärzte einstellen und wer worauf zugreifen darf, kann jeweils festgelegt werden. Bei einem Kassenwechsel kann man seine gespeicherten Daten auch mitnehmen. 

Wie funktioniert es mit der ePA in den Praxen?

Wenn man die Versichertenkarte am Anmeldetresen der Praxis einsteckt, bekommen Ärzte ein Zugriffsrecht zum Lesen und Befüllen der ePA für standardmäßig 90 Tage. Die Spanne kann man per App verkürzen und verlängern. Wer die Smartphone-Anwendung nicht selbst bedienen will, kann etwa Angehörige damit betrauen. Auch Kinder bekommen eine ePA, wenn die Eltern nicht widersprechen, ab 15 können sie selbst entscheiden. Zum Schutz von Kindern können bestimmte sensible Angaben nicht eingetragen werden.

Was kommt in die E-Akte hinein?

Von Anfang an soll eine Liste der Medikamente enthalten sein, die automatisch aus den inzwischen üblichen E-Rezepten erstellt wird. Schrittweise sollen weitere Inhalte dazukommen - als nächstes ein Medikationsplan mit Angaben etwa zu Arznei-Dosierungen. Generell sollen Ärztinnen und Ärzte wichtige Behandlungsdaten in die E-Akte einstellen. Die KBV weist zugleich darauf hin, dass die ePA als «versichertengeführte» Akte die Dokumentation jeweils in den eigenen Praxissystemen nicht ersetzt. Auch eine direkte Kommunikation zwischen Praxen bleibe wichtig, zumal Versicherte Daten löschen können.

Wie kann man steuern, was die E-Akte zeigt?

Generell ist die E-Akte für Patienten eine freiwillige Sache. Wenn man etwas nicht möchte, muss man dafür aber aktiv werden. So können Patienten in der Sprechstunde bestimmen, wenn ein Befund nicht in die Akte soll. Bei sensiblen Daten müssen sie ausdrücklich auf das Recht dazu hingewiesen werden. In der App kann man Einstellungen festlegen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz beklagte fehlende Möglichkeiten, einzelne Dokumente nur bestimmten Ärzten zu zeigen. So könne ein Orthopäde sehen, wenn man in psychotherapeutischer Behandlung ist. Es bleibe nur, ihm den Zugriff auf die ePA komplett zu sperren. 

Was ist mit der Datensicherheit?

Lauterbach unterstreicht: «Sicherheit geht immer vor.» Während der Testphase wurden dafür noch zusätzliche Vorkehrungen umgesetzt. So sei es gelungen, Sicherheitsprobleme für einen Massenzugriff auf ePAs zu lösen, die der Chaos Computer Club herausgearbeitet hatte. Gespeichert werden die Daten laut Ministerium auf Servern im Inland. Jeder Zugriff auf die ePA wird mit Datum und Uhrzeit protokolliert. Bei der ersten Anmeldung in der App brauchen Versicherte einen elektronischen Personalausweis mit Geheimnummer (Pin) - oder die E-Gesundheitskarte mit Pin, die man auf Antrag von der Kasse bekommt. 

Kommt jetzt ein Durchbruch?

Aktuell gibt es laut Gematik bis zu 60.000 Zugriffe auf ePAs pro Tag. Künftig sollen es mit der bundesweiten Ausdehnung viel mehr werden. Dabei waren E-Akten als Angebot, um das man sich aktiv kümmern muss, nach jahrelangen Verzögerungen schon 2021 eingeführt worden. Sie wurden aber kaum genutzt. Ein Gesetz der Ampel-Koalition kehrte das Prinzip um: Nun bekommen alle eine ePA, außer man lehnt es aktiv bei seiner Kasse ab. Die Widerspruchsquote lag im Schnitt bei fünf Prozent. Aus Sicht der Verbraucherzentralen zeigt das nicht eindeutig eine breite Zustimmung, es könnte auch mangelnde Information und Aufklärung sein. Auch private Krankenversicherungen können ePAs anbieten.

Was ist bei Daten für die Forschung geplant?

Vorgesehen ist in einer nächsten Ausbaustufe wohl 2026, dass Daten aus der ePA zu Forschungszwecken an eine zentrale Stelle weitergeleitet werden. Sie werden dafür pseudonymisiert verwendet, wie das Ministerium erläutert - also ohne direkt personenbeziehbare Angaben wie Name und Adresse. Versicherte können auch dieser Datennutzung in der App oder bei einer Ombudsstelle der Krankenkasse widersprechen. Lauterbach sieht enorme Chancen für die Forschung mit großen Datenbeständen und künstlicher Intelligenz.

Gesundheit / Internet / Verbraucher / Deutschland / Bayern / Hamburg / Nordrhein-Westfalen / Fragen und Antworten
29.04.2025 · 14:10 Uhr
[0 Kommentare]
Kinder in der digitalen Welt
Paris (dpa) - Auch Frankreichs Senat stimmt für ein Verbot zahlreicher sozialer Medien für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Die Senatoren fordern, dass alle Plattformen, deren Inhalte oder Algorithmen der Selbstentfaltung der Kinder schaden könnten, tabu sind. Eine entsprechende Liste soll vom Ministerium angefertigt werden, heißt es in dem am Abend beschlossenen […] (00)
vor 1 Stunde
Weißes Haus (Archiv)
Washington - Bundesrichter haben am Dienstag zwei Vorhaben von US-Präsident Donald Trump gestoppt. Ein Bundesrichter des District of Columbia hat das Dekret Trumps, mit dem die Bundesmittel für das öffentlich-rechtliche Rundfunknetzwerk NPR und den öffentlich-rechtlichen Sender PBS gestrichen wurden, für "rechtswidrig und nicht durchsetzbar" erklärt. Er […] (01)
vor 38 Minuten
Ye alias Kanye West wird an allen drei Tagen des Wireless Festivals 2026 als Headliner auftreten.
(BANG) - Ye alias Kanye West wird an allen drei Tagen des Wireless Festivals 2026 als Headliner auftreten. Das von Pepsi MAX gesponserte Event findet vom 10. bis 12. Juli im Finsbury Park in London statt und markiert den ersten Auftritt des Rappers im Vereinigten Königreich seit mehr als einem Jahrzehnt sowie seinen ersten Headliner-Auftritt in London […] (00)
vor 5 Stunden
Ehemaliger Angestellter: Nintendo erzürnt über Zelda- und Star Fox-Leaks!
Der gewaltige Leak bei Nintendo, welcher die ganze Videospielwelt aufhorchen lies, sorgt gerade überall für Schlagzeilen. Nintendo selber soll äußerst verärgert über diese Enthüllungen sein, denn es könnten damit große Teile der künftigen Releases damit viel zu früh an die Öffentlichkeit gelangt sein. Was die Folgen sein werden, sollten sich die Leaks […] (00)
vor 1 Stunde
Krys Marshall spielt in 'Toy Story 5' mit
(BANG) - Krys Marshall hat sich mit einer "überambitionierten" E-Mail eine Rolle in 'Toy Story 5' gesichert. Die 'Paradise'-Darstellerin stößt zum Cast des neuen Films von Disney und Pixar dazu und wird erneut mit Franchise-Veteran Andrew Stanton zusammenarbeiten, nachdem sie bereits bei 'For All Mankind' zusammengearbeitet hatten. Die Rolle bekam sie […] (00)
vor 5 Stunden
Kosovo - Türkei
Pristina (dpa) - Der deutsche Trainer Franco Foda und Starstürmer Robert Lewandowski werden die Fußball-WM in diesem Sommer verpassen. Foda und Außenseiter Kosovo verlor am Abend mit 0: 1 (0: 0) gegen die Türkei und schrammte damit knapp an der sensationellen ersten Teilnahme vorbei. Ebenfalls nicht in Amerika vertreten ist Lewandowski, dessen Polen mit […] (00)
vor 51 Minuten
kostenloses stock foto zu altcoin, bitcoin, bitcoin-handel
Aktuelle Daten des On-Chain-Analysten Crypto Dan zeigen, dass Bitcoin-Langzeithalter derzeit mit Verlust verkaufen. Dies könnte darauf hindeuten, dass der Markt sich einer Phase nähert, in der der Verkaufsdruck nachlässt und ein bedeutender Zyklustiefpunkt erreicht werden könnte. Analyse der Daten Crypto Dan berichtete in einem Marktupdate, dass der […] (00)
vor 1 Stunde
Forscher untersuchen Eignung als CO2-Speicher
Schlieren, 31.03.2026 (lifePR) - Eignen sich Weinberge als Speicher für Kohlendioxid? Dieser Frage gehen Forscher mit einem Projekt in einem Öko-Weingut in Rheinhessen nach. Ihre Hoffnung: Weinberge könnten dabei helfen, das bundesweite Ziel der CO 2 -Neutralität bis 2050 zu erreichen.  Forscher im Weinberg Das Weingut Sander in Mettenheim in […] (00)
vor 6 Stunden
 
Tefal Freezi – Einfüllen, Programm wählen, eiskalt genießen
Die Sonne scheint, die Kinder lachen unter dem Rasensprenger, Freunde trudeln zur […] (01)
Beurer ME 95 – Einfache Anwendung, verlässliche Kontrolle
Ein kurzer Moment der Unsicherheit: Das Herz schlägt schneller – und sofort stellt […] (00)
Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige in Australien
Canberra (dpa) - Mit einem weltweit beachteten Gesetz hatte Australien Im vergangenen […] (00)
Eine Boje im Meer (Archiv)
Schwerin - Der vor der Ostseeküste gesichtete Buckelwal steckt erneut in einer Bucht […] (03)
Harry Kane
London (dpa) - Ohne den kurzfristig ausgefallenen Stürmerstar Harry Kane hat Englands […] (00)
Jon Hamm
(BANG) - Jon Hamm hat begonnen, 'Mad Men' gemeinsam mit seiner Frau erneut anzusehen. […] (00)
Das Dilemma des negativen Eigenkapitals Ein besorgniserregender Trend zeigt sich […] (00)
Death Stranding 2: On the Beach überschreitet nach PC-Launch die 2 Millionen Marke
Death Stranding 2: On the Beach gehörte zu den meistdiskutierten Spielen – und […] (01)
 
 
Suchbegriff