Warum wir alle etwas bewirken können
Klimaexperte Prof. Mojib Latif erklärt bei der Heilbronner Bürger-Uni, wie die globale Katastrophe verhindert werden kann.
Heilbronn, 04.07.2025 (PresseBox) - Wie drängend das Thema des Abends ist, zeigt ein aktuelles Beispiel: Ausgerechnet am Tag derBürger-UnivonTUM Campus Heilbronn,Heilbronner StimmeundDieter Schwarz StiftungzumThema „Lässt sich die Klimakatastrophe noch verhindern?“, wird in Heilbronn eine Hitzewarnungausgerufen. Und doch verbreitet GastrednerProf. Mojib Latif, den GastgeberinLuise Pufahl,Professorin für Information Systems am TUM Campus Heilbronn, als „einer der renommiertestenKlimaforscher aus Deutschland“ ankündigt – Optimismus: „Ich könnte es kurz machen, ,ja‘ sagen undwieder gehen“, nimmt der studierte Meteorologe und habilitierte Ozeanograph die Antwort auf dieübergeordnete Frage des Abends vorweg. Nur um bei der Veranstaltung auf demBildungscampusHeilbronngleich einzuschränken: „Man kann mit Physik nicht verhandeln und Kompromisseschließen. Die Physik – wie auch das Klima und die Natur insgesamt – folgt ihren eigenen Gesetzen.“
Tatsächlich ist die globale Erwärmung alarmierend, wie der Präsident der Akademie derWissenschaften in Hamburg mit einem Film zeigt, der die Entwicklung der Welttemperatur seit 1880visuell darstellt: In den letzten Jahrzehnten nehmen immer mehr Regionen die Signalfarben Gelb,Orange und Rot an. Die Durchschnittstemperatur steigt dort also immer weiter an. Das gilt vor allemfür Europa, dem Kontinent, der sich weltweit am stärksten erwärmt.
Dramatische Auswirkungen
Der globale Klimawandel ist in vollem Gange und seine Auswirkungen sind auch in Deutschlandspürbar: Dürre verursacht Ernteausfälle, Waldschäden und Waldbrände, die verkohlte Landschaftenwie in einigen Regionen Ostdeutschlands hinterlassen. Starkregen führt zu Flutkatastrophen wie imAhrtal, gleichzeitig steigt der Meeresspiegel in Nord- und Ostsee an. Nicht zuletzt haben dieextremen Temperaturen auch dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit: Allein in Deutschlandgibt es jedes Jahr Tausende Hitzetode zu beklagen.
Trotz dieser nicht zu übersehenden Entwicklungen hat das Leugnen des Klimawandels eine langeGeschichte: Früher waren es Buchautoren wie Michael Crichton oder FritzVahrenholt, dieöffentlichkeitswirksam die eindeutigen Erkenntnisse der Klimaforschenden in Frage stellten. Heutebestreiten auch manche Politiker, dass sich die Erde erwärmt oder dass der Mensch den Klimawandelverursacht.
Günstige Voraussetzungen
Überhaupt die Politik, an der arbeitet sich Latif an dem Abend ab. Die Bundesregierung verfolge inder Klimapolitik einen Zickzack-Kurs statt der Industrie Planungssicherheit zu verschaffen. Und auchPolitiker in anderen Ländern würden nicht zugeben, dass das Ziel längst gescheitert sei, dieErderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.
Aus welchen Gründen aber bleibt Latif trotz allem optimistisch? Er ist überzeugt, dass es gelingenkann, die Erderwärmung zumindest auf 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Die Voraussetzungen seien vorhanden: Erneuerbare Energiequellen im Überfluss sowieTechnologie, Know-how und finanzielle Mittel, um diese Quellen zu nutzen.
„Warum sollten wir etwas tun und warum haben wir der Welt auch schon einen großen Diensterwiesen?“, fragt er das Publikum und gibt selbst die Antwort: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz derBundesregierung von 2000 habe die Entwicklung und Anwendung nachhaltiger Energien weltweit inGang gesetzt. Heute kommt allein in Deutschland mehr als die Hälfte des Stroms in Deutschland ausnachhaltigen Energiequellen. „Hätten wir damals nicht angefangen, würden die erneuerbarenEnergien heute nicht weltweit boomen. Das zeigt: Auch ein kleines Land wie Deutschland kann einenImpact haben“, ist sich Latif sicher.
Mehr Mut und Entschlossenheit
Seine Wünsche an Politik und Bevölkerung schildert Latif anschließend im Talk mit Moderator undHeilbronner-Stimme-Redakteur Tobias Wieland: Die Politik solle sich endlich von ihrem Schlingerkursverabschieden und stattdessen einen Konsens in Klimafragen treffen und langfristig durchhalten. Esbrauche mehr Mut: „Man muss immer erstmal anfangen. Bei 80 Millionen Menschen ist so vielIntelligenz vorhanden, da kriegt man alles gebacken.“ Und nicht zuletzt: „Wir sollten kein Volk vonBedenkenträgern werden und jede Veränderung ablehnen. Wenn wir uns nicht verändern, werdenwir verändert – und zwar zu unserem Nachteil.“
Zur Aufzeichnung der Veranstaltung geht eshier. Die Bürger-Uni geht am 19. November 2025weiter. Dann sprichtProf. Katharina Zweigüber das Thema "Sind Maschinen die besserenEntscheider?"

