Investmentweek

Warum SoftBank trotz KI-Euphorie alle Nvidia-Aktien verkauft

17. Dezember 2025, 07:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Warum SoftBank trotz KI-Euphorie alle Nvidia-Aktien verkauft
Foto: InvestmentWeek
SoftBank trennt sich trotz KI-Boom von allen Nvidia-Aktien. Masayoshi Son erklärt, warum OpenAI für ihn wichtiger ist als der Chip-Gigant.
SoftBank entschied sich, alle Nvidia-Aktien zu verkaufen, um in KI-Investitionen zu fließen. Masayoshi Son sieht hier den Weg zur Kontrolle über zukünftige Technologien.

Masayoshi Son wusste, was er tat – und genau das machte die Entscheidung so schmerzhaft. Als SoftBank im Oktober seine komplette Nvidia-Beteiligung veräußerte, floss kein Misstrauen in den Chipkonzern in den Beschluss ein, sondern ein Mangel an Alternativen. „Ich habe geweint“, sagte Son später. Der Satz wirkt pathetisch, beschreibt aber ziemlich präzise, wie ernst es dem SoftBank-Gründer mit seiner KI-Wette ist.

Denn wer Nvidia verkauft, um stärker auf Künstliche Intelligenz zu setzen, muss erklären, warum er ausgerechnet das Unternehmen aufgibt, das als Fundament der KI-Revolution gilt.

Kapitalbedarf schlägt Überzeugung

SoftBank verkaufte 32,1 Millionen Nvidia-Aktien für rund 5,83 Milliarden Dollar. Der Verkauf wurde im Oktober abgewickelt und im November mit den Quartalszahlen offengelegt. Für Son war der Schritt nach eigenen Worten alternativlos. Er habe „keine einzige Aktie“ verkauft, weil er an Nvidia zweifle, sondern weil SoftBank dringend Kapital benötigte.

Das Geld wird für eine aggressive Neuaufstellung verwendet. Rechenzentren, KI-Infrastruktur, Beteiligungen an Basistechnologien – all das verschlingt Milliarden. Nvidia war liquide, hoch bewertet und jederzeit veräußerbar. In Sons Welt ist das kein Kernasset mehr, sondern ein Finanzierungsinstrument.

OpenAI steht über allem

Der zentrale Grund für den Verkauf heißt OpenAI. SoftBank investiert nach eigenen Angaben 22,5 Milliarden Dollar in das Unternehmen hinter ChatGPT und erhöht seine Beteiligung von vier auf elf Prozent. Son spricht offen von einer „All-in“-Wette. OpenAI könne eines Tages das wertvollste Unternehmen der Welt werden, sagt er – größer als Apple, Microsoft oder Nvidia.

Diese Erwartungshaltung erklärt die Radikalität. SoftBank will nicht an der KI verdienen, sondern an ihrer Steuerung. Nvidia liefert die Rechenleistung, OpenAI kontrolliert die Intelligenz. In Sons Denken ist Letzteres die überlegene Position.

Der Verkauf der Nvidia-Aktien ist damit kein Rückzug aus KI, sondern eine Umschichtung von Infrastruktur zu Plattform.

Stargate frisst Milliarden

Neben OpenAI treibt SoftBank den Aufbau eigener KI-Infrastruktur voran. Unter dem Projektnamen „Stargate“ investiert der Konzern in Rechenzentren und Compute-Kapazitäten. Diese Projekte sind kapitalintensiv, langfristig und kaum fremdfinanzierbar. Eigenkapital ist der Engpass.

Hin encourage kommt: Son will unabhängig bleiben. Statt Nvidia-Chips zu halten, investiert SoftBank in eigene Alternativen. Die Übernahme des US-Chipdesigners Ampere Computing für 6,5 Milliarden Dollar im März 2025 passt exakt in dieses Bild. Ampere entwickelt ARM-basierte Serverprozessoren – ein strategischer Baustein für eigene Rechenzentren.

Im Oktober folgte die Vereinbarung zum Kauf der Robotiksparte von ABB für 5,375 Milliarden Dollar. Auch hier geht es um vertikale Integration: Hardware, Software, Automatisierung – alles unter einem strategischen Dach.

Nvidia bleibt Sieger, SoftBank wechselt die Ebene

Der Verkauf bedeutet keine Abkehr von Nvidia als Technologie. Son betonte ausdrücklich, dass er Nvidia weiterhin für zentral halte. Doch als Investor sucht er nicht den besten Lieferanten, sondern den größten Hebel.

Nvidia profitiert von jedem KI-Projekt – auch von denen, an denen SoftBank beteiligt ist. Für Son ist das genau das Problem. Nvidia verdient immer mit, ohne kontrolliert zu werden. OpenAI hingegen ist gestaltbar, formbar, beeinflussbar. In einer Welt, in der KI zum Produktionsfaktor wird, zählt Kontrolle mehr als Marge.

Ein alter Fehler spoke aus der Vergangenheit

Die Geschichte verleiht dem Schritt zusätzliche Brisanz. Bereits 2019 hatte SoftBank eine komplette Nvidia-Position verkauft. Damals ging es um rund vier Milliarden Dollar. Heute wäre dieses Paket mehr als 150 Milliarden Dollar wert. In Investorenkreisen gilt das als einer der teuersten Fehltritte der jüngeren Börsengeschichte.

Son kennt diese Zahl. Umso bemerkenswerter ist, dass er den Schritt erneut geht. Der Unterschied zu 2019: Diesmal verkauft SoftBank nicht aus taktischer Vorsicht, sondern aus strategischer Überzeugung. Es ist kein Timing-Fehler, sondern ein bewusstes Opfer.

Quartalsgewinn verschafft Rückendeckung

Finanziell steht SoftBank derzeit stabiler da als lange Zeit. Im November meldete der Konzern einen Quartalsgewinn von 2,5 Billionen Yen – umgerechnet rund 16,6 Milliarden Dollar. Ein wesentlicher Treiber waren Bewertungsgewinne aus der OpenAI-Beteiligung.

Das stärkt Sons Position. Er kann argumentieren, dass die Umschichtung bereits funktioniert. Nvidia wird verkauft, OpenAI steigt im Wert – zumindest auf dem Papier. Für SoftBank ist das der Beweis, dass die neue KI-Architektur trägt.

Son erklärt die Blase für erledigt

Kritik an einer möglichen KI-Blase weist Son scharf zurück. Wer davon spreche, sei „nicht klug genug“. Seine Prognose ist ambitioniert: Super-KI und KI-gestützte Roboter sollen langfristig mindestens zehn Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt beitragen.

Das ist mehr als eine Marktmeinung. Es ist die Rechtfertigung für Investitionen in Billionenhöhe. Wenn KI tatsächlich eine derart produktive Kraft entfaltet, dann sind heutige Bewertungen nur der Anfang – und Infrastruktur nur ein Mittel zum Zweck.

Verkauf als Bekenntnis

Der Nvidia-Verkauf wirkt paradox, ist aber konsequent. SoftBank verlässt die Rolle des Mitverdieners und strebt nach der des Architekten. Son tauscht einen sicheren Gewinner gegen maximale optionality. Er wettet nicht darauf, dass KI kommt – sondern darauf, dass er sie mitgestaltet.

Ob diese Rechnung aufgeht, ist offen. Nvidia bleibt hochprofitabel, OpenAI hoch bewertet, aber kaum monetarisiert. Der Unterschied liegt im Machtanspruch. Nvidia liefert Chips. Son will Zukunft bauen.

Dass er dabei weint, passt ins Bild. Wer alles auf eine Karte setzt, weiß, was er aufgibt.

Finanzen / Märkte / SoftBank / Nvidia / KI
[InvestmentWeek] · 17.12.2025 · 07:00 Uhr
[0 Kommentare]
bitcoin, crypto, finance, coins, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums hat Sanktionen gegen Personen und Organisationen verhängt, die mit einem mexikanischen Kartell in Verbindung stehen, das illegale Drogen handelt und die Erlöse über Kryptowährungsnetzwerke wäscht. Laut einer Pressemitteilung des Finanzministeriums leiten diese Personen und […] (00)
vor 6 Stunden
US-Präsident Trump
Washington/Teheran (dpa) - Die USA stehen nach Angaben von Präsident Donald Trump in den Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs kurz vor einem Rahmenabkommen mit Teheran und der Wiederöffnung der Straße von Hormus. Es sei «weitgehend» ausgehandelt, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. «Die letzten Aspekte und Details des Abkommens werden […] (02)
vor 7 Minuten
Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden.
(BANG) - Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden. Das frühere Glamour-Model feierte seinen 48. Geburtstag am Freitag (22. Mai) allein und veröffentlichte in den sozialen Medien ein bewegendes Video mit Fotos von sich und Lee, der seit vergangener Woche nicht mehr gesehen wurde, als er […] (00)
vor 18 Stunden
SMS umd Chats
Bonn (dpa) - Der Niedergang der Kurznachricht SMS hat sich beschleunigt. Wie die Bundesnetzagentur auf Anfrage mitteilte, wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 2,9 Milliarden SMS verschickt. Damit hat sich die Anzahl binnen eines Jahres fast halbiert, 2024 waren es den Angaben zufolge 5,2 Milliarden gewesen. Pro aktiver SIM-Karte waren es monatlich […] (00)
vor 38 Minuten
Crazy Taxi kehrt zurück? SEGA macht Fans mit Mini-Teaser nervös
SEGA hat die Crazy Taxi -Fans mit nur fünf Sekunden komplett elektrisiert. Auf den offiziellen Social-Media-Kanälen der Reihe erschien ein kurzes Video, das ein blinkendes Taxi-Schild zeigt. Mehr nicht. Kein Datum, kein Gameplay, kein Logo-Reveal. Und trotzdem reicht dieser Clip, um die Spekulationen um die Rückkehr des Arcade-Klassikers neu […] (00)
vor 8 Stunden
Lifetime setzt neuen True-Crime-Thriller mit Tia Mowry an
Mit «Single Black Tenant» kehrt Tia Mowry Ende Juni für eine weitere Produktion zum US-Sender Lifetime zurück. Der amerikanische Fernsehsender Lifetime baut seine Reihe „Ripped from the Headlines“ weiter aus und setzt dabei erneut auf Tia Mowry. Die Schauspielerin übernimmt in dem neuen Thriller Single Black Tenant nicht nur die Hauptrolle, sondern fungiert auch als ausführende Produzentin. […] (00)
vor 17 Stunden
FC Bayern München - VfB Stuttgart
Berlin (dpa) - Vincent Kompany kam als Letzter mit dem DFB-Pokal aus der Bayern-Kabine. Und der Trainer reichte die goldene Trophäe an Torjäger Harry Kane weiter, der in den Katakomben des Berliner Olympiastadions noch ein allerletztes Interview gab. Es war eine demonstrative Geste für den Mann des Abends, der mit seinem Hattrick nach der Pause quasi im […] (00)
vor 8 Minuten
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 21 Stunden
 
Berufsunfähigkeitsversicherung: Welche Police bietet optimalen Schutz?
Das unterschätzte Risiko der Berufsunfähigkeit Die meisten Menschen konzentrieren […] (00)
bitcoin, money, finance, cryptocurrency, coin, currency, blockchain, bank, banking, business
XRP erlebt derzeit eine schwierige Phase, ähnlich wie der gesamte Kryptomarkt. Doch […] (00)
Fondspolice: So sichern sich Riestersparer ihr Guthaben ohne Förderungsverlust
Die Herausforderung: Auszahlung statt Verrentung Ein Leser wandte sich an unsere […] (00)
Ukraine-Krieg - Kiew
Kiew (dpa) - Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew massiv mit Drohnen und […] (00)
Erbe in Gefahr: Wenn die Bank die finale Kontoauszug verweigert
Die rechtliche Situation von Begünstigten bei Erbschaften Wenn ein Familienmitglied […] (00)
ZAYN hat eine Deluxe-Ausgabe von 'KONNAKOL' veröffentlicht, die drei brandneue Tracks enthält, während er sich auf eine Welttournee vorbereitet.
(BANG) - ZAYN hat seinen Fans eine überraschende Erweiterung seines fünften Albums […] (00)
FC Bayern München - VfB Stuttgart
Berlin (dpa) - Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat Stürmerstar Harry Kane nach […] (01)
«South Park» kehrt im September mit Staffel 29 zurück
Comedy Central und Paramount+ haben den Starttermin der neuen Folgen der Kultserie […] (00)
 
 
Suchbegriff