Warnung vor Bibelmüdigkeit und christlichem Nationalismus
Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Steffen Kern, beklagt einen deutlichen Rückgang des Bibellesens und der Bibelkenntnis. Er ermutigt dazu, wieder neu auf die Bibel zu hören.

24. Februar 2026, 12:21 Uhr · Quelle: LifePR
Warnung vor Bibelmüdigkeit und christlichem Nationalismus
Foto: LifePR
Steffen Kern, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes.
Steffen Kern fordert stärkeren Bibelbezug in der Kirche und warnt vor Missbrauch des Glaubens durch politische Ideologien.

Puschendorf, 24.02.2026 (lifePR) - Das sagte er laut der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA in seinem Präsesbericht auf der Mitgliederversammlung des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, die vom 19. bis 21. Februar in Puschendorf/Mittelfranken tagte. Dort wurde Steffen Kern, der seit 2021 als Präses amtiert, wiedergewählt.

Kern führte weiter aus: „Ich sehe mit Sorge, wie in Predigten und Andachten der explizite Bezug zur Bibel, die textbezogene Auslegung zurückgehen.“ Klassische Formate wie die der Bibelarbeit, der Bibeltage oder der Bibelwochen verlören an Bedeutung. Er nehme eine „seltsame Bibelmüdigkeit“ wahr. An die Stelle der Bibel seien themenorientierte Gottesdienste und Veranstaltungen getreten, „oft nach Gusto des Pastors oder der Pastorin“. Bibeltexte würden nur zur Garnierung des Gesagten herangezogen, seltener als dessen Grundlage. Bibelkunde, Bibeltiefe und Bibelkenntnis blieben auf der Strecke und würden der Gemeinde immer weniger vermittelt. Es schwinde der Sinn für Kontexte. Kern: „Damit aber wird die Bibel zu einem Selbstbedienungsladen für alle möglichen Meinungen und Haltungen.“ Damit werde die Gemeinde anfällig für Instrumentalisierungen der Bibel für jeweils eigene Zwecke, wie sie von Vertretern verschiedenster Ideologien massiv betrieben würden, nicht zuletzt in den Sozialen Medien, so Kern laut IDEA.

Warnung vor religiösem Machtmissbrauch

In der Bibelmüdigkeit erkenne Kern ein Symptom für etwas tiefer Liegendes: „Wir erwarten von der Bibel nichts mehr.“ Wenn es darum gehe, Gott zu hören, suche man vermeintlich direktere Wege „als das mühsame Hören auf die Schrift“. So setzten viele Christen auf das „hörende Gebet“. Dies sei eine geistliche Praxis, bei der Menschen für sich selbst und andere innere Eindrücke, Bilder und Gedanken aufnähmen, die als von Gott kommend weitergegeben würden. Kern ermutigte zu einem erwartungsvollen hörenden Beten, da Gebet „immer dialogisch“ und „nie nur ein Monolog“ sei. Dies könne aber nicht zur Methode und damit verfügbar gemacht werden. Zudem warnte er vor Gefährdungen: Wenn persönliche Eindrücke mit dem Anspruch auf Gültigkeit vermittelt würden, eröffne das „der Manipulation von Menschen - mithin geistlichem Machtmissbrauch - Tür und Tor“.

In Gemeinden einander besser zuhören

Weiter bedauerte Kern, dass Gemeinden oft Orte seien, „an denen Menschen nicht zugehört und sie nicht wahrgenommen werden“. Sie drohten „zu Orten des Weghörens zu werden“. Der Präses sieht darin die Furcht vor einer Überforderung: „Wenn wir wirklich erfahren, was die anderen bewegt, wie unaufgeräumt ihr Leben ist, wie groß die Fragen, wie tief die Zweifel sind und wie begründet – es würde uns zu sehr irritieren und unseren Glauben herausfordern.“ Um dieser Entwicklung zu begegnen, regte der Präses an, innerhalb des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes eine neue Kampagne unter dem Titel „Ganz Ohr für dich!“ zu starten. Vom Hören auf Einzelne hänge ab, wie fruchtbar und vital ein Werk oder eine Gemeinde ist, wie menschenfreundlich und wie wirksam, gibt er zu bedenken.

Konfessionelle Identitäten schwinden

Nach Ansicht Kerns gehe die Gesellschaft auf ein postkonfessionelles Zeitalter zu. Konfessionelle Identitäten – evangelisch, katholisch, freikirchlich – verlören an Bedeutung. Je säkularer die Gesellschaft werde, umso weniger Sinn habe man für konfessionelle Unterschiede. Andererseits aber entstünden neue „quasi-konfessionelle“ Identitäten. Man differenziere nun an Fragen zur Sexualethik, an Gender- und Identitätsfragen, an der Haltung zum Lebens- und Klimaschutz. Bisherige Glaubensüberzeugungen würden grundlegend infrage gestellt.

Kritik an „christlichem Nationalismus“ und der „neuen Rechten“

Scharfe Kritik übte Kern an einem „christlichen Nationalismus“, wie er aktuell in den USA zu beobachten sei. Man setze dabei auf eine „christliche“ Nation oder einen „christlichen“ Staat. Doch diese Ansicht stehe im Widerspruch zu Aussagen von Jesus Christus, der gesagt habe, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei. Doch nun würden politische Debatten spirituell aufgeladen. Politiker würden zu Heilsfiguren stilisiert, etwa wenn US-Präsident Donald Trump zum „Gesalbten Gottes“ verklärt werde. So werde der christliche Glaube für die eigenen politischen und persönlichen Zwecke instrumentalisiert. Doch damit werde der Glaube in seiner Substanz verändert und „ein anderes Evangelium“ verkündet. Diese falsche Lehre müsse verworfen werden, forderte Kern. Er betonte: „Jesus lässt sich politisch nicht vereinnahmen, auch wenn die Vereinnahmung des Christentums für parteipolitische Zwecke zu einem Massenphänomen geworden ist“. So propagiere der amerikanische Präsident etwa auf offener Bühne den Hass auf seine Feinde. Damit widerspreche Trump aber direkt dem Bergprediger Jesus Christus. Erschütternd sei dabei, dass sich viele der weißen US-Evangelikalen nicht daran störten.

Durch die Sozialen Medien, populistische bis extremistische Parteien sowie manche sogenannte „Christfluencer“ reichten diese Entwicklungen bis nach Deutschland, beklagte Kern. Religiöse Sprache, Symbole und ethische Debatten würden instrumentalisiert. Dafür seien auch Christen hierzulande anfällig. Kern dazu: „Die Bewegungen und Parteien der neuen Rechten sind überhaupt nicht an der Förderung des christlichen Glaubens interessiert, sondern an der Etablierung autoritärer Strukturen. Die neue Rechte ist im Kern eine zutiefst heidnische Bewegung.“ Im Pietismus verwurzelte Christen müssten entschieden dagegenhalten und für uneingeschränkte Religionsfreiheit und den freiheitlichen Rechtsstaat eintreten.

Der Präsesbericht von Steffen Kern steht im Internet als pdf-Datei zum Download zur Verfügung.

Der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband e.V.

Die Gemeinschaftsbewegung entstand durch einen geistlichen Aufbruch in der Evangelischen Kirche in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals suchten Menschen vermehrt Orientierung in der Bibel. Aus den dadurch entstehenden Gruppen bildeten sich örtliche Gemeinschaften und Gemeinschaftsverbände, darunter der Gnadauer Gemeinschaftsverband (Sitz: Kassel). Er umfasst 90 Mitgliedswerke und ist nach eigenen Angaben die größte freie Bewegung innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). In seinem Bereich engagieren sich 40.000 Ehrenamtliche und 7.000 Hauptamtliche an 2.400 Orten. Durch seine Gemeindeveranstaltungen erreicht er rund 250.000 Menschen. Der Verband versteht sich als eine Hoffnungsbewegung im Raum der Kirchen. Internet: www.gnadauer.de

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