Naturkatastrophe

Vulkan verwandelt Tonga in «Mondlandschaft»

17. Januar 2022, 20:20 Uhr · Quelle: dpa
Seit Jahrzehnten gab es keinen so gewaltigen Vulkanausbruch mehr wie den am Wochenende im Pazifik. Noch immer sind die Folgen unklar, denn es gibt kaum Verbindungen ins schwer betroffene Tonga.

Wellington/Nuku'alofa (dpa) - Nach der gigantischen Eruption des Untersee-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai in der Südsee sind weite Teile des Inselreichs Tonga weiter von der Außenwelt abgeschnitten. Ob es Tote oder Verletzte gab ist ebenso unklar wie das Ausmaß der Schäden.

Nach Angaben des neuseeländischen Hochkommissars in dem Archipel, Peter Lund, lag die Hauptstadt Nuku'alofa unter einer Ascheschicht begraben und wirkte wie eine «Mondlandschaft». Schwer betroffen sei die Westküste der Hauptinsel Tongatapu, wo sich viele Urlaubshotels befinden.

Sorge gab es aber vor allem um abgelegenere Inseln, zu denen noch immer kein Kontakt hergestellt werden konnte. Da die Kommunikationsverbindungen weiter stark beeinträchtigt waren, erkundeten Militärflugzeuge aus Neuseeland und Australien die Lage am Montag aus der Luft. «Die heute durchgeführten Flüge werden uns dabei helfen festzustellen, wo Bedarf besteht», sagte die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern.

Eine Maschine des Typs Hercules solle Hilfsgüter in das Gebiet bringen und diese notfalls abwerfen, falls die Landebahn des Flughafens zu beschädigt sei. «Wir wissen, dass dringend Wasser benötigt wird», sagte Ardern.

Aber es hätte noch viel schlimmer kommen können. Wenn der Vulkan seine zerstörerische Kraft an Land entfaltet hätte, dann wären die Auswirkungen geradezu «apokalyptisch» gewesen, sagte der Vulkanologe Shane Cronin von der University of Auckland dem Sender Radio New Zealand. Dem Experten zufolge handelte es sich um den weltweit stärksten Ausbruch seit der Eruption des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991. Unklar sei, ob der jüngste Ausbruch den Höhepunkt der Aktivität darstelle - möglicherweise bleibe der Vulkan Wochen oder sogar Jahre unruhig.

Tongaer, die in Neuseeland als Saisonarbeiter tätig sind, waren derweil in Sorge um ihre Angehörigen in dem Archipel. Langi Fatanitavake, dessen Frau und Sohn auf einer Insel nahe des Vulkans leben, konnte die beiden seit dem Ausbruch nicht mehr erreichen. «Letzte Nacht und heute habe ich versucht anzurufen, aber es gibt keine Antwort», sagte er im neuseeländischen Radio. «Ich habe kein gutes Gefühl, was meine Familie betrifft.» Auch von seiner Schwester, die auf einer anderen Insel wohne, habe er keine Nachricht.

Britin ums Leben gekommen

Nach Angaben ihrer Familie kam eine Britin auf Tonga ums Leben. Das britische Außenministerium in London teilte zunächst mit, die 50-Jährige werde vermisst. Die Familie ließ unterdessen wissen, die Frau sei gestorben. Ihr Mann habe die Leiche gefunden, sagte der Bruder der Vermissten dem Sender Sky News. Die Frau sei von einer Flutwelle erfasst worden, als sie ihre Hunde retten wollte. Demnach lebte das Paar bereits seit mehreren Jahren in dem Inselstaat.

Timaru's Sina Latu, deren Familie auf der Insel 'Eua lebt, sagte: «Es tut einfach weh, man fühlt sich so hilflos und voller Angst.» Sie hoffe auf irgendein Lebenszeichen ihrer Lieben. Die Schwester habe noch live via Facebook die Flucht der Familie vor dem Tsunami und dem Ascheregen übertragen, dann sei die Leitung abgebrochen. «Es war angsteinflößend, wir sahen, wie die Wellen kamen», so Latu. Zu Tonga gehören etwa 170 Inseln.

Aber was ist das für ein Feuerberg, der am Samstag eine Aschewolke wie einen Atompilz kilometerweit in die Höhe geschleudert und Tsunami-Wellen selbst in weit entfernten Ländern entfacht hat? Der Hunga Tonga-Hunga Ha'apai liegt nur 65 Kilometer nördlich der Hauptstadt des polynesischen Königreichs im Ozean. In Nuku'alofa lebt fast ein Viertel der 107.000 Einwohner. Der Vulkan ist ein wahrer Unterwasser-Koloss: 1800 Meter hoch und 20 Kilometer breit erhebt er sich unter der Wasseroberfläche.

Erstmals hatte der Vulkan 2009 bei einer Eruption die Meeresoberfläche durchbrochen. Zum Jahreswechsel 2014-2015 begann er wieder zu brodeln und spuckte wochenlang Schlamm- und Aschefontänen aus dem Pazifik. Die Eruption förderte damals monatelang Material an die Oberfläche, bis schließlich eine neue, zwei Kilometer lange Insel entstand - die sich zum Erstaunen von Experten über die Jahre stabilisierte, statt wieder zu verschwinden.

Druckwelle auch in Deutschland erfasst

Die Druckwelle des Vulkanausbruches wurde sogar von Messgeräten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) über Deutschland erfasst. Demnach konnte nach der Hauptexplosion am Samstag die Druckwelle zuerst im Norden auf Helgoland, später im Süden im Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg verzeichnet werden.

Nach DWD-Angaben lässt sich mit Hilfe der Luftlinie die Geschwindigkeit der Druckwelle abschätzen. Sie habe etwa 1050 Kilometer pro Stunde betragen, hieß es. Zum Vergleich: Ein Interkontinental-Verkehrsflugzeug fliegt mit einer Geschwindigkeit von 900 bis 1000 Kilometern in der Stunde.

Die von der Eruption ausgelösten Ascheschwaden erreichten nach Angaben des Wetterdienstes Weather Watch New Zealand sogar Queensland an Australiens Ostküste. Der Ausbruch am Samstag war Tausende Kilometer weit bis nach Neuseeland und Fidschi zu hören. Die Eruption löste Flutwellen aus und versetzte viele Pazifik-Staaten in Alarmbereitschaft. Tsunami-Wellen wurden nicht nur in Tonga, sondern auch in Neuseeland, Japan, Alaska und Südamerika registriert.

Hilfsorganisationen warnten vor Gesundheitsschäden durch die Asche und rieten den Bewohnern Tongas dazu, Masken zu tragen und nur Wasser aus Flaschen zu trinken. Als Folge des Seebebens wurde auch ein wichtiges Unterseekabel gekappt, daher fiel das Internet auf Tonga aus. Auch die sonstigen Kommunikationsverbindungen waren gestört, Mobiltelefone schienen aber zumindest teilweise zu funktionieren, wenn auch nur lokal und nicht international.

«Es ist eine schreckliche Zeit, aber Nuku'alofa steht noch, die Elektrizität wurde in vielen Häusern wiederhergestellt», schrieb Neuseelands Hochkommissar Peter Lund auf Facebook. Säuberungsaktionen sollten in dieser Woche beginnen.

Vulkane / Notfälle / Natur / Vulkanausbruch / Tsunami / Tonga / Australien / Neuseeland / Fidschi / Samoa / Vanuatu / USA / Japan
17.01.2022 · 20:20 Uhr
[1 Kommentar]
Ermittlungen im Fall Fabian
Klein Upahl (dpa) - Die erneute Suche von Ermittlern nach möglichen Beweisstücken im Fall des getöteten achtjährigen Fabian ist ergebnislos geblieben. Am Donnerstag sei eine Wiese nahe dem Fundort bei Klein Upahl in Mecklenburg-Vorpommern abgesucht worden, allerdings ohne neue Erkenntnisse, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitagmorgen mit. Rund 25 Kräfte der Kriminalpolizei Rostock, der […] (00)
vor 5 Minuten
Sabrina Carpenter
(BANG) - Sabrina Carpenter sagt, dass das Cover ihres Albums 'Man's Best Friend' dazu gedacht war zu zeigen, wie sie in Beziehungen "emotional herumgezerrt" wurde. Die Popsängerin sorgte Anfang dieses Jahres mit ihrem Albumcover für Aufsehen. Darauf ist Sabrina auf allen Vieren zu sehen, während sie von einer gesichtslosen Figur an einer Leine gezogen wird. Doch die 26-Jährige betonte, dass es nie […] (00)
vor 1 Stunde
Netflix
Los Angeles (dpa) - Der Streaming-Riese Netflix liegt Medienberichten zufolge vorn im Bieter-Wettstreit um das Hollywood-Urgestein Warner Brothers. Netflix habe das höchste Gebot eingereicht, berichtete der Nachrichtensender CNN, der selbst zum Medienkonzern Warner Bros. Discovery gehört. Warner verhandele nun exklusiv mit Netflix, schrieben der Finanzdienst Bloomberg und das «Wall Street Journal» […] (00)
vor 3 Stunden
Total War: Medieval 3 angekündigt! Jubiläumsshowcase gibt Ausblick auf die Zukunft von Total War
Creative Assembly, die britischen Meister der Massenschlachten, luden zur großen Feier ihres fünfundzwanzigsten Geburtstags und enttäuschten ihre treue Gefolgschaft nicht. Was als bloße Retrospektive hätte enden können, entpuppte sich als fulminanter Blick in eine goldene Zukunft, in der Ritterrüstungen glänzen und dunkle Magie den Himmel verdunkelt. Das Studio aus London nutzte die Gunst der […] (00)
vor 30 Minuten
Rosin akzeptabel - Geissens lachhaft
Die beiden Sender Kabel Eins und RTLZWEI waren mittelmäßig bis desolat unterwegs. Der österreichische Sternekoch Alexander Kumptner und der Ruhrpott-Koch Frank Rosin sind seit letzter Woche in ihrer Doku-Serie Rosin & Kumptner: Mission Mittendrin! zu sehen. Jede Ausgabe steht dabei unter dem Motto jeweils einer Lebenswelt - beispielsweise Wacken-Festival, Reeperbahn oder Militärschiff. Zum Auftakt kamen keine berauschenden aber noch […] (00)
vor 1 Stunde
Das Team der Vancouver Whitecaps
Miami (dpa) - Ein Finale bringt Thomas Müller längst nicht mehr aus der Ruhe. Für einen Scherz ist der 36 Jahre alte Weltmeister von 2014 auch dann zu haben, wenn es 11 Jahre nach dem WM-Finale erneut in einem Endspiel gegen Lionel Messi geht. Wo der MLS Cup stehe auf seiner Rangliste, wurde Müller also gefragt vor dem Duell seiner Vancouver Whitecaps mit Inter Miami um die Meisterschaft in der […] (00)
vor 1 Stunde
Aurubis hebt Dividende trotz Gewinnrückgangs an
Ergebnis sinkt, bleibt aber im Rahmen der Erwartungen Das Ergebnis vor Steuern verringerte sich im Jahresvergleich von 413 auf 355 Millionen Euro. Aurubis erfüllte damit die eigene Prognose, die einen deutlichen Rückgang bereits eingeplant hatte. Das Unternehmen konnte von einem höheren Metallergebnis profitieren – vor allem aufgrund gestiegener Preise und günstigerer Marktbedingungen im Bereich […] (00)
vor 28 Minuten
Inventur im Einzelhandel: Warum Österreichs Retailer jetzt auf COSYS setzen
Graz, 05.12.2025 (PresseBox) - In vielen österreichischen Einzelhandelsfilialen ist die Inventurnacht ein Szenario zwischen Routine und Nervenprobe. Wenn die letzten Kund: innen den Laden verlassen und die Regale endlich stillstehen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Ware ist mengenstark, das Sortiment breit, die Personalkosten hoch – und jede Stunde, in der der Store geschlossen bleibt, […] (00)
vor 1 Stunde
 
schnee-felberich, lysimachia, inflorescence, entenschnabel-felberich, flower panicles, white flowers, beautiful flowers
Deutschland erlebt einen typischen Wintertag, geprägt von dichten Wolken und niedrigen […] (00)
Tourismus in Afghanistan
Kabul (dpa) - Eine Gruppe bärtiger und bewaffneter Männer steht hinter drei Menschen, denen ein […] (00)
US-Sondergesandter Witkoff trifft Putin
Moskau (dpa) - Russland reagiert mit Spott auf das laut Medien in einer vertraulichen […] (16)
Unwetter in Griechenland
Athen (dpa) - Heftige Regenfälle und Sturmböen haben rund um die Ägäis in Griechenland zu […] (00)
Turtle Beach – Rematch Wireless Controller & weiteres Zubehör für die Nintendo Switch 2
Der Gaming-Zubehörhersteller Turtle Beach gibt bekannt, dass sein Katalog 2025 mit offiziell […] (00)
Bitcoin springt zurück über 90.000 Dollar – doch der Markt bleibt nervös
Starke Gegenbewegung nach Milliarden-Liquidationen Bitcoin hat sich am Dienstag eindrucksvoll […] (00)
Release: Raw Fury entfesselt Sci-Fi-Horror ROUTINE
Heute haben der schwedische Indie-Spielepublisher Raw Fury und der britische Entwickler Lunar […] (00)
HR startet «Home is where the mic is » Anfang Januar
Die dreiteilige Serie zeigt Frankfurts junge Urban-Comedy-Szene zwischen Bühne, Biografie und Stadtteil. […] (00)
 
 
Suchbegriff