Vor Jahrestag der Revolution: Sechs Tote bei Anschlägen in Kairo

24. Januar 2014, 19:15 Uhr · Quelle: dpa

Kairo (dpa) - Mehrere Bombenanschläge haben Ägyptens Hauptstadt Kairo vor dem Jahrestag der Revolte gegen Langzeitherrscher Husni Mubarak erschüttert. Dabei kamen am Freitag mindestens sechs Menschen ums Leben, nahezu 100 wurden verletzt.

Bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und Sicherheitskräften wurden mindestens weitere zwölf Menschen getötet. Der Beginn der Revolution gegen Mubarak jährt sich am Samstag zum dritten Mal.

Der schwerste Terrorakt richtete sich gegen das Sicherheitsdirektorat der Kairoer Polizei in der historischen Altstadt. Vier Menschen starben, 73 weitere wurden nach Angaben eines Polizeisprechers verletzt, als ein Selbstmordattentäter die Sperre zu dem stark gesicherten Gebäude durchbrach und sich mit seinem Fahrzeug in die Luft sprengte. Bei weiteren Anschlägen gab es insgesamt zwei Tote und 22 Verletzte.

Zu dem Anschlag auf die Sicherheitsdirektion bekannte sich die Al-Kaida-nahe Terrororganisation Ansar Beit al-Makdis. Vor dem Polizeigebäude war ein tiefer Krater zu sehen. Die Fassaden der Polizeizentrale und des gegenüberliegenden Museums für Islamische Kunst wurden durch die Detonation schwer beschädigt. Beim Auftauchen von Fernsehteams bildeten sich Menschenmengen, die Militärchef Abdel Fattah al-Sisi hochleben ließen und in Sprechchören die «Liquidierung» der Muslimbruderschaft verlangten.

Der Mob griff auch ein Fernsehteam der ARD an. Ein deutscher Kameramann, ein ägyptischer Produzent und ein ägyptischer Fahrer wurden durch Hiebe, Tritte und Rasierklingen verletzt. Die drei Männer konnten sich nur mit Not in Sicherheit bringen, wie der Kameramann gegenüber dem ARD-Portal tagesschau.de berichtete.

Bei dem zweiten Anschlag wenig später explodierte ein Sprengsatz in der Nähe einer U-Bahn-Station im Stadtteil Dokki. Die Bombe detonierte nach Augenzeugenberichten unter einem Polizeifahrzeug. Ein dritter Sprengsatz, der vor einer Polizeiwache in Giza explodierte, verursachte keine Opfer oder Schäden. Die vierte Explosion am Nachmittag tötete in Giza einen Menschen.

Der Angriff auf die Polizeizentrale in Kairo ist der zweite markante Anschlag auf ein hoch gesichertes Objekt der Staatsgewalt. Vor einem Monat waren bei einem Anschlag auf die Polizeizentrale in der Nildelta-Stadt Al-Mansura 16 Menschen getötet worden. Auch zu diesem Terrorakt hatte sich Ansar Beit al-Makdis bekannt.

Der Schaden am Museum für Islamische Kunst war beträchtlich. Nach Angaben der Altertümer-Verwaltung wurde nicht nur die Fassade des aus dem 19. Jahrhundert stammenden, osmanischen Gebäudes ruiniert, sondern es stürzten auch Decken im Inneren des Hauses ein. Über das Ausmaß der Schäden an den dort ausgestellten Kunstwerken lagen zunächst keine Angaben vor.

Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Islamisten wurden am Freitag landesweit mindestens zwölf Menschen getötet. Weitere 59 Menschen wurden bei den Unruhen unter anderen im Kairoer Stadtteil Giza, in Alexandria und Damietta verletzt, wie das Gesundheitsministerium in Kairo mitteilte. Die Behörden nahmen nach Angaben des Innenministeriums 111 Kundgebungsteilnehmer fest. Die verbotene Muslimbruderschaft hatte vor dem Jahrestag der Revolution von 2011 zu Massenkundgebungen ihrer Anhänger aufgerufen.

Aus Furcht vor Anschlägen hatte die Übergangsregierung die Sicherheitsvorkehrungen bereits erhöht. So stellten etwa die staatlichen Eisenbahnen am Donnerstag den Betrieb zwischen Oberägypten und Kairo ein. Am Freitagnachmittag kreisten über der Innenstadt von Kairo Kampfhubschrauber.

Die Regierung beschuldigt die Muslimbruderschaft, hinter den Terroranschlägen in Ägypten zu stecken. Diese bestreitet das entschieden. Die islamistische Organisation hatte die ersten freien Wahlen nach dem Sturz Mubaraks gewonnen, war aber im vorigen Juli nach Massenprotesten gegen ihre Herrschaft vom Militär entmachtet worden. Ihre Führer und Tausende Aktivisten sind seitdem inhaftiert.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und das Auswärtige Amt verurteilten die Bombenanschläge in Kairo. «Der Weg zur Demokratie wird ohne Zweifel schwierig bleiben, aber Gewalt wird Ägypten dem Wunsch des Volkes nach einem demokratischen Land (...) kein Stück näher bringen», erklärte Ashton. Das Auswärtige Amt teilte mit, Ägypten komme nur voran, wenn es gelinge, die Polarisierung in der Gesellschaft zu überwinden und alle gesellschaftlichen Gruppen an einem politischen Prozess teilhaben zu lassen.

Konflikte / Ägypten
24.01.2014 · 19:15 Uhr
[0 Kommentare]
Tankstelle (Archiv)
Amherst - Deutschland steht laut der Ökonomin Isabella Weber durch die Irankrise vor tiefgreifenden ökonomischen Einschnitten. "Wir können schnell bei vier bis fünf Prozent Inflation landen, es kann also noch deutlich schmerzhafter werden", sagte die Wirtschaftswissenschaftlerin, die an der University of Massachusetts Amherst lehrt, dem "Spiegel". […] (00)
vor 20 Minuten
Diese Entwicklung hängt mit mehreren Faktoren zusammen, darunter lange Wartezeiten, der Wunsch nach mehr Diskretion und die Möglichkeit, Therapieverlauf und Rahmenbedingungen individueller zu gestalten. Gerade im Jahr 2026 bleibt das Thema aktuell, weil psychische Gesundheit gesellschaftlich sichtbarer geworden ist, gleichzeitig aber nicht überall […] (00)
vor 1 Stunde
iPhone ausschalten
Berlin (dpa/tmn) - Trotz jahrelanger Nutzung dürfte es den meisten iPhone-Besitzern wohl nur äußerst selten passiert sein. Aber wenn sich das iPhone doch mal aufhängt und so gar nicht mehr reagiert, dann wissen viele User gar nicht weiter. Dabei ist die Lösung zum Glück oft recht einfach. Ein erzwungener Neustart. Und der geht so: Die Seitentaste […] (00)
vor 11 Stunden
Doch was steckt wirklich dahinter? Und vor allem: Wann ist dieser Begriff tatsächlich relevant – und wann eher ein nettes Extra, das im Alltag kaum eine Rolle spielt? Ein Versprechen, das überprüfbar sein soll „Provably fair“ bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „nachweislich fair“. Der zentrale Gedanke ist einfach: Du musst nicht blind darauf […] (00)
vor 1 Stunde
The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom
(BANG) - 'The Legend of Zelda' kommt auf die große Leinwand. Die mit Spannung erwartete Filmproduktion wird an einem Ort gedreht, der bereits fest in der Geschichte von Fantasy-Filmen verankert ist. Die Produktion hat offiziell in Otago, Neuseeland begonnen, genauer gesagt in der atemberaubenden Region Glenorchy, die Fans der 'Der Herr der Ringe'- […] (00)
vor 2 Stunden
Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln
Frankfurt/Main (dpa) - Ein Zuschauer ist nach einem medizinischen Notfall während des Bundesliga-Spiels zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln (2: 2) gestorben. Das teilte der Club zwei Tage nach der Partie mit. «Die Eintrachtfamilie ist tief betrübt» «Der 87-jährige Mann, der seit vielen Jahren Eintrachtmitglied und Dauerkartenbesitzer war, […] (00)
vor 1 Stunde
Milliardengeschäft Wasserstoff: Wie Europas Industrie die Energiewende vorantreibt
Die grüne Revolution startet in Europa Die europäische Industrie befindet sich an einem Wendepunkt. Wasserstoff gilt vielen Experten als der Schlüssel zur Dekarbonisierung und wird zunehmend als strategischer Rohstoff der Zukunft erkannt. Mit ehrgeizigen Regulierungsmaßnahmen und milliardenschweren Investitionen schafft die EU eine beispiellose […] (00)
vor 1 Stunde
Neue Bohrdaten von Silver King: Prismo Metals bestätigt Silberzone, Tiefenpotenzial aufgezeigt!
Hamburg, 07.04.2026 (PresseBox) - Prismo Metals (WKN A2QEGD / CSE PRIZ) hat mit dem ersten Bohrprogramm auf Silver King einen spannenden Schritt nach vorn gemacht: Die historische Silberzone wurde bestätigt – und in der Tiefe tauchen jetzt auch Hinweise auf ein mögliches Kupfer-Porphyrsystem auf. Genau das macht das Projekt in Arizona plötzlich noch interessanter. Denn aus einer […] (00)
vor 1 Stunde
 
Lawinenunglück in Südtirol
Bozen (dpa) - In Europa sind in diesem Winter so viele Menschen durch Lawinen ums Leben […] (00)
Partei- und Staatsführung in Vietnam
Hanoi (dpa) - Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Vietnams (KPV), To Lam, […] (00)
Autobahnbrücke bei Teheran
Teheran/Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit einer […] (00)
Buckelwal liegt weiter in Wismarbucht
Wismar (dpa) - Der in der Ostsee vor Wismar gestrandete Buckelwal liegt weitgehend […] (01)
Nach Colbert übernimmt Byron Allen den Sendeplatz
Mit dem Ende der «Late Show» stellt der US-Sender sein Nachtprogramm grundlegend um – und setzt […] (00)
Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Stunden ich allein in Charakter-Editoren […] (01)
Alexander Zverev
Monte-Carlo (dpa) - Auf dem Motorroller düste Alexander Zverev zum Mini-Tennis- […] (03)
Review: Reolink TrackFlex Floodlight WiFi – Der Alleskönner für Großraumüberwachung
Ich bin ehrlich: Sicherheitskameras gehören nicht unbedingt zu meinem Kernthema. Ich […] (00)
 
 
Suchbegriff