Vizechef der Taliban festgenommen

16. Februar 2010, 16:31 Uhr · Quelle: dpa
Islamabad/Kabul (dpa) - Schwerer Schlag für die Taliban: Mehr als acht Jahre nach dem Sturz ihres Regimes in Afghanistan ist nach Armeeangaben der Vizechef der Aufständischen in Pakistan gefasst worden.

«Mullah Baradar wurde in Karachi festgenommen», sagte am Dienstag ein hochrangiger pakistanischer Offizier, der nicht namentlich genannt werden wollte. «Im Moment ist er in unserem Gewahrsam, und wir verhören ihn.» Eine Bestätigung für die Festnahme gab es zunächst nicht. Unterdessen setzten afghanische und internationale Truppen ihre Großoffensive gegen die Taliban in Südafghanistan fort. Dabei steigt die Zahl ziviler Opfer weiter.

Nach Angaben der Armee sei Mullah Abdul Ghani Baradar bei einer Operation von pakistanischen und US-Geheimdiensten in der südpakistanischen Hafenstadt Karachi festgenommen worden. «In der Hierarchie der Führung der afghanischen Taliban ist er die Nummer zwei», also Stellvertreter von Taliban-Chef Mullah Omar. Die Taliban dementierten die Festnahme. «Mullah Baradar ist in Afghanistan», sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. «Es ist wohlauf und leitet die Operation in Afghanistan. Das ist ein Trick der Ausländer.» 

Der pakistanische Innenminister Rehman Malik dementierte am Dienstag gemeinsame Operationen des pakistanischen Geheimdienstes mit dem amerikanischen. Bei der Kooperation gehe es nur darum, Informationen auszutauschen, nicht aber um gemeinsame Operationen. Eine Festnahme Mullah Baradars wollte Malik weder bestätigten noch dementieren. Mehrere Verdächtige seien festgenommen worden, sagte er. Sollte sich darunter ein hochrangiger Aufständischer befinden, «werde ich es die Nation wissen lassen». Nach Schätzungen von Interpol ist Mullah Baradar ungefähr 42 Jahre alt. Wie Mullah Omar stammt er aus der südafghanischen Provinz Urusgan.

Die Internationale Schutztruppe ISAF teilte in der Nacht zum Dienstag mit, Soldaten hätten bei der Operation «Muschtarak» («Gemeinsam») in der Provinz Helmand versehentlich drei Zivilisten erschossen. Wenige Stunden zuvor hatte die ISAF gemeldet, in der Nachbarprovinz Kandahar seien fünf Unbeteiligte bei einem Luftschlag gestorben, der aber nicht Teil der Operation war. Bei der größten Offensive gegen die Taliban seit dem Sturz ihres Regimes Ende 2001 waren am Sonntag in Helmand nach ISAF-Angaben zwölf Zivilisten getötet worden, als eine Rakete der Truppen ihr Ziel verfehlte.

Die ISAF teilte am Dienstag weiter mit, bei der Verfolgung eines Taliban-Kommandeurs in Helmand sei es zu Kämpfen gekommen, bei denen mehr als zehn Aufständische getötet worden seien. Bei der Operation «Muschtarak», an der sich 15 000 afghanische und ausländische Soldaten beteiligen, komme es weiterhin zu sporadischen Feuergefechten mit den Taliban.

Mullah Baradar wäre der mit Abstand wichtigste Taliban, der seit dem Einmarsch in Afghanistan gefasst worden ist. Zunächst hatte die «New York Times» in ihrer Online-Ausgabe die Festnahme gemeldet. Die Zeitung berichtete, Mullah Baradar sei bereits vor einigen Tagen ergriffen worden und werde seitdem von amerikanischen und pakistanischen Geheimdienstbeamten verhört. Es sei unklar, ob er aussage. Die Geheimdienste hofften, dass er etwas über den Verbleib von Mullah Omar sagen könne. Der pakistanische Offizier wollte nicht bestätigen, dass US-Geheimdienstbeamte am Verhör teilnehmen.

Konflikte / Pakistan / Afghanistan / USA
16.02.2010 · 16:31 Uhr
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