Versorgungsnetz der Hausärzte vor personellen Herausforderungen
Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer Bewährungsprobe: Zahlreiche Hausärzte planen, ihre Tätigkeit in den kommenden Jahren aufzugeben. Eine repräsentative Umfrage, initiiert von der Bertelsmann Stiftung und der Universität Marburg, zeigt, dass ein Viertel der befragten Hausärzte beabsichtigt, innerhalb der nächsten fünf Jahre aus dem Beruf auszusteigen.
Darüber hinaus planen viele der Verbleibenden, ihre Wochenarbeitszeit um durchschnittlich zwei Stunden zu kürzen. Bereits jetzt sind über 5.000 Hausarztstellen unbesetzt, und die Lücke könnte sich laut Bertelsmann Stiftung in naher Zukunft verdoppeln. Diese Entwicklung wirft Fragen zur zukünftigen Versorgungssicherheit auf, doch Uwe Schwenk von der Bertelsmann Stiftung bleibt optimistisch. Er betont, dass es darauf ankomme, wie effektiv die verfügbare Zeit der Hausärzte für Patienten genutzt werde.
Aktuell verbringen Ärzte etwa 80 Prozent ihrer Zeit mit direkter Patientenarbeit, die restliche Zeit geht für Verwaltung und Fortbildung verloren. Eine stärkere Digitalisierung der Praxisabläufe wird als Lösung vorgeschlagen, um die Effizienz zu steigern. Dennoch berichten 25 Prozent der Ärzte über häufige Software-Probleme.
Des Weiteren sehen 70 Prozent der Befragten Potenzial in der Übertragung von Aufgaben an nichtärztliche Fachkräfte. Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz äußert Bedenken hinsichtlich der politischen Rahmenbedingungen. Seiner Meinung nach sind die Wünsche der Ärzte nach Bürokratieabbau und flexiblerer Arbeitszeit kaum mit den Forderungen nach einer Erst-Hausarzt-Pflicht vereinbar.

