Verschiebung des EU-Mercosur-Abkommens stößt auf Unmut in der Industrie

Die Entscheidung des Gipfeltreffens der EU-Staats- und Regierungschefs, die Unterzeichnung des lang erwarteten Freihandelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten erneut zu verschieben, sorgt für erheblichen Unmut in der deutschen Industrie. Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), äußerte scharfe Kritik und sieht die Glaubwürdigkeit Europas als geostrategischen Akteur in Frage gestellt.
Als neues Datum für die Unterzeichnung wird die erste Januarhälfte anvisiert. Gönner ruft die Staats- und Regierungschefs dazu auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um das Abkommen im Januar zu finalisieren. Schlüsselakteure wie die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni hätten noch Vorbehalte, die ausgeräumt werden müssten, um den Prozess voranzubringen.
Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) zeigt sich enttäuscht über die Verzögerung. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sieht in der Verschiebung ein Signal der Schwäche, das die Glaubwürdigkeit der EU in Frage stellt. Sie betont die Wichtigkeit eines verbesserten Marktzugangs in Drittländern für die europäische Automobilindustrie, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten.
Laut EU-Kommission soll die neue Freihandelszone, die mehr als 700 Millionen Menschen umfassen würde, die größte ihrer Art weltweit werden. Sie zielt darauf ab, Zölle und Handelshemmnisse zwischen der EU und den Mercosur-Mitgliedern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay weitgehend abzubauen. Die Verhandlungen für das Abkommen, das auch ein klares Zeichen gegen die protektionistische Politik von US-Präsident Donald Trump setzen möchte, laufen bereits seit 1999.

