Verkehrschaos im Berufsverkehr: Warnstreik legt deutschen Nahverkehr lahm
Infolge eines groß angelegten Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr brach in mehreren großen deutschen Städten der morgendliche Berufsverkehr weitgehend zusammen, was zu erheblichen Verkehrsproblemen führte. Der Verkehrsdatenspezialist TomTom bestätigte nach einer Blitzanalyse spürbare Staubelastungen, die besonders zwischen 8.00 und 9.00 Uhr ihren Höhepunkt erreichten.
Besonders dramatische Auswirkungen zeigte der Streik im Raum München, wo das Staulevel bereits um 8.00 Uhr sage und schreibe 146 Prozent erreichte — mehr als das Dreifache des gewohnten Durchschnittswertes. Auch Frankfurt verzeichnete um 9.00 Uhr einen deutlichen Anstieg auf 128 Prozent, verglichen mit einem Jahresschnitt von 35 Prozent zu diesem Zeitpunkt. In Hamburg lag der Spitzenwert bei 116 Prozent um 8.00 Uhr, während der gewohnte Normalwert bei 47 Prozent liegt. Köln und Stuttgart verzeichneten ähnliche Entwicklungen, mit 107 Prozent beziehungsweise 90 Prozent, im Gegensatz zu ihren üblichen Durchschnittswerten von 40 und 31 Prozent.
Das ansonsten oft stark belastete Berlin blieb im Vergleich zu den anderen großen Städten relativ unbeeindruckt: Um 9.00 Uhr wurde hier ein Staulevel von 52 Prozent gemessen, was nur leicht über dem Jahresschnitt von 40 Prozent liegt. Diese verhältnismäßig geringe Erhöhung zeigt, dass sich die Auswirkungen regional stark unterscheiden können.
Der ADAC konnte ebenfalls einen Anstieg bei der Länge und Dauer der Staus feststellen, zieht jedoch Daten hauptsächlich von Autobahnen heran, während TomTom umfassendere städtische Daten berücksichtigt. Parallel meldete der Fahrdienstvermittler Freenow, dass die Nachfrage nach Taxis in den Morgenstunden deutlich gestiegen sei, was ebenfalls auf die Verwerfungen im Nahverkehr hindeutet.
Die Gewerkschaft Verdi hatte nahezu alle Bundesländer, mit Ausnahme von Niedersachsen, zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Diese Maßnahmen verdeutlichen die weitreichenden Folgen von Arbeitskämpfen für den alltäglichen Pendelverkehr und werfen Fragen zur Belastbarkeit der städtischen Infrastruktur auf, wenn der öffentliche Nahverkehr ausfällt.

