Verhandlungsauftakt in der Chemie-Branche: Ein Balanceakt zwischen Lohnforderungen und Wettbewerbsfähigkeit
Die Tarifverhandlungen der chemisch-pharmazeutischen Industrie, die bundesweit 585.000 Beschäftigten betrifft, sind in Hannover in die erste Runde gegangen. In einem Hotel, strategisch gelegen am Flughafen, fanden sich die Gewerkschaftsvertreter der IG BCE und des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) zu zweitägigen Gesprächen zusammen. Während die Arbeitgeber auf Lohnzurückhaltung drängen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, strebt die Gewerkschaft eine Stärkung der Kaufkraft durch höhere Löhne an.
IG-BCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich betonte die Ansicht der Gewerkschaft, dass viele solide wirtschaftende Unternehmen in der Branche existieren, trotz der generellen Herausforderungen. Im Mittelpunkt der Tarifrunde steht laut Heinrich die Abbildung der gesamten Branchenvielfalt. Besonders im Bereich der Einkommen bestehe Nachholbedarf, um die inflationsbedingten Verluste der letzten Jahre auszugleichen. Eine Pauschalforderung in Prozenten wurde jedoch bewusst nicht aufgestellt.
Ein weiterer zentraler Punkt für die IG BCE ist die Sicherung der Arbeitsplätze. Heinrich argumentierte, dass Lohnverzichte keine Arbeitsplätze retten oder sichern würden und die Verhandlungen eine Zukunftsvision ausstrahlen sollten, die der gesamten Branche zugutekommt.
Auf der Gegenseite plädiert BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk für eine tarifpolitische Atempause angesichts der strukturellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, unter denen die Branche leidet. Trotz 20 Prozent geringerer Produktion im Vergleich zu 2018 sind die Löhne gestiegen, was laut Bürk die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtige.
Trotz der unterschiedlichen Positionen zeigten sich beide Parteien kompromissbereit. Es sei wichtig, die Einschätzung der Lage in tarifliche Regelungen zu überführen, um zu einer Einigung zu kommen. Für Februar sind bereits weitere Gespräche in Wiesbaden angesetzt, sollte in Hannover kein Durchbruch erzielt werden. Der aktuelle Tarifvertrag endet zu diesem Zeitpunkt.

