Verhärtete Fronten in der Halbleiterkrise: Automobilindustrie und Politik in der Zwickmühle
Die Halbleiterkrise zwingt sowohl die Autohersteller als auch die Bundesregierung zum Handeln. Nach dem einflussreichen Verband der Automobilindustrie (VDA) schlägt nun auch der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) Alarm. Produktionsstopps in der Branche scheinen durchaus im Bereich des Möglichen. Deshalb bemühen sich Unternehmen intensiv um alternative Lieferquellen. Die Lage beim niederländischen Halbleiterhersteller Nexperia, der unter der Kontrolle der niederländischen Regierung steht, hat sich drastisch zugespitzt. Nachdem China die Exportlieferungen für die Autoindustrie gestoppt hatte, stehen die Bänder still.
Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, betont die laufenden Anstrengungen der Mitgliedsunternehmen zur Problemlösung, allerdings erschwert die Qualifizierung der Ersatzbauteile die Sache erheblich. Eine schnelle politische Lösung sei notwendig.
In Berlin zeigt sich die Bundesregierung besorgt und sucht den Dialog mit allen betroffenen Akteuren, einschließlich der chinesischen Regierung, um die Situation zu entschärfen. Gespräche und Austausch mit Verbänden und Unternehmen der betroffenen Branchen stehen auf der Agenda, um eine Verzögerung in der Produktion zu vermeiden.
Auf niederländischer Seite hat Wirtschaftsminister Vincent Karremans bereits das Gespräch mit seinem chinesischen Kollegen gesucht. Die Automobilhersteller reagieren besorgt. Volkswagen vermeldet derzeit keine Produktionsstörungen, bleibt jedoch wachsam, angesichts der dynamischen Entwicklungen. Mercedes-Benz sieht sich kurzfristig aufgrund früherer Lehren gut aufgestellt, betont jedoch die Unsicherheiten in der Prognose. Zulieferer wie ZF und Bosch haben bereits Maßnahmekataloge entwickelt, um auf mögliche Engpässe vorbereitet zu sein. Angesichts der komplizierten internationalen Lieferketten und der entscheidenden Rolle des niederländischen Nexperia für diskrete Halbleiter, die unzählige Anwendungen in der Automobilindustrie finden, wächst der Druck auf eine rasche und effektive Lösung.
Derweil beteuert der niederländische Minister Karremans, dass der Missklang zwischen den USA und China unabhängig von dieser spezifischen Halbleiterkrise sei. Doch aus jüngst veröffentlichten Gerichtsunterlagen wird deutlich, dass US-amerikanische Einflüsse auf den niederländischen Beschluss nicht unbeträchtlich waren.

