Verantwortungsgeflecht im Dieselskandal: Braunschweiger Urteil hebt verborgene Rollen hervor
Im Rechtsstreit um den Dieselskandal bei Volkswagen ergibt sich ein zunehmend komplexes Bild. Das Landgericht Braunschweig hat kürzlich seine Urteile gegen vier frühere Führungskräfte des Automobilherstellers verkündet, die wegen Betrugs schuldig gesprochen wurden. Bemerkenswert sind jedoch die Anmerkungen des Vorsitzenden Richters Christian Schütz. Nach Ansicht der Wirtschaftsstrafkammer seien weit mehr Personen als bislang bekannt in die Manipulationen involviert gewesen, ohne dass sie zwingend vor Gericht angeklagt wurden.
Die verurteilten Manager und Ingenieure, die teils mehrjährige Haftstrafen, teils Bewährungsstrafen erhielten, waren nur ein Teil eines weitreichenden Netzwerkes, das an der Entwicklung der manipulierten Motoren beteiligt war. Insbesondere kritisiert der Richter die Verzerrungen in den Zeugenaussagen, die teils unzutreffende oder ungenaue Informationen lieferten und das Bild der Verantwortlichkeiten verzerrten.
Im Laufe des fast vierjährigen Prozesses sind die Strafen spezifisch auf die Rolle und Beteiligung der Angeklagten abgestimmt. Während zwei der Angeklagten mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen müssen, blieben zwei ihrer Kollegen aufgrund von Bewährung auf freiem Fuß. Dennoch sind weitere Verfahren in Braunschweig weiterhin anhängig und 31 weitere Angeklagte stehen noch vor der Richterbank.

