VATM und DIALOG CONSULT stellen 26. TK-Marktanalyse für Deutschland vor
Köln, 29.04.2025 (PresseBox) -
- Digitaler Infrastrukturausbauwird maßgeblich von den Wettbewerbern vorangetrieben, die deutlich mehr investieren als die Telekom.
- Gigabitfähige Haushalte 2025:Über 86 % aller Privathaushalte/KMU werden von einem gigabitfähigen Anschlussnetz erreicht.
- Glasfaser-Erreichbarkeit 2025 (Homes Passed):24,8 Millionen Haushalte/KMU werden mit Glasfaser erreichbar sein.
- Glasfaser-Versorgung 2025 (Homes Connected): Die Versorgungsquote mit Glasfaseranschlüssen beträgt Ende des Jahres 21,7 % (9,9 Millionen Haushalte). Fast 62% davon werden von den Wettbewerbern angeboten.
- Glasfaser-Verträge 2025 (Homes Activated): Die Wettbewerber haben mehr als doppelt so viele Glasfaserkunden wie die Telekom. Die Take-up-Rate der Wettbewerber beträgt 33,6 % (Telekom: 15,9 %).
- Erstarken des Ex-Monopolistenim Festnetz- und Geschäftskundenmarkt.
- Glasfaser-Prognose 2030:Im optimistischen Szenario werden Ende 2030 knapp 15 Millionen FTTB/H-Anschlüsse (Homes Activated) genutzt. DSL bleibt die meistgenutzte Anschlusstechnologie.
- Starke mobile Netze:Das 5G-Angebot bedient nahezu alle Haushalte und den Großteil der Fläche Deutschlands.
- Datenhunger ungebrochen:Das über Festnetz und Mobilfunknetze transportierte Datenvolumen steigt weiterhin.
- Entwicklung der digitalen Dienste im KI-Zeitalter: Kundenkontakt über Service-Rufnummern essenziell.
Der Wettbewerb leistet fast 62 % der Glasfaserversorgung bis ins Haus und hat mehr als doppelt so viele Glasfaserkunden wie die Telekom. Die Unternehmen investieren nach wie vor am meisten in den Infrastrukturausbau im Festnetz wie in den Mobilfunknetzen. Im Mobilfunk ist die fast vollständige 5G-Abdeckung der Haushalte und der Fläche erreicht.
Die Studie zeigt aber auch deutliche wettbewerbliche Verzerrungen auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt auf. „Wir beobachten, dass die Marktdominanz der Deutschen Telekom von Jahr zu Jahr zunimmt“, erläutert StudienleiterAndreas Walter, geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsinstituts DIALOG CONSULT GmbH. „So baut die Telekom ihren Endkunden-Marktanteil bei den Breitbandanschlüssen aus. Sie erzielt mehr als 58% der Umsätze im Festnetzmarkt, knapp 70 % der Anschlüsse werden auf Telekom-Anschlussnetzen realisiert. Und sie gewinnt sogar DSL-Marktanteile hinzu. Gleichzeitig ist die FTTH-Plattform praktisch kaum reguliert, Nachfrager können bei den FTTH-Anschlüssen der Telekom keine nennenswerten Marktanteile erreichen“, so Walter. Die Telekom habe auf das Engagement der Wettbewerber beim Glasfaserausbau spät, aber dennoch deutlich reagiert, allerdings vorwiegend mit dem Ausbau von Homes Passed.
VATM-Vizepräsidentin Valentina Daiber: Digitalisierung muss zur politischen Kernaufgabe werden. Machen ist das Gebot der Stunde, politisch und im Netzausbau.
VATM-Vizepräsidentin Valentina Daiber betont, dass die Marktzahlen einen tiefen Einblick in eine Branche vermittelten, die Deutschland entscheidend bewegt und das Fundament für künftiges Wachstum und anhaltenden Wohlstand gelegt hätte. „Der Telekommunikationsmarkt steht allerdings heute mehr denn je vor einer Zäsur“, betont Daiber. „Die Prognosen und die aktuellen Voraussetzungen für die echte flächendeckende Glasfaser-Versorgung der Bürgerinnen und Bürger sind alles andere als optimal. Ohne Zweifel ist der Übergang von der alten Kupfer- in die Glasfaserwelt steinig.“
Zwar habe die Telekom angefangen, Glasfaser auszubauen, aber sie versorge oftmals die Bürgerinnen und Bürger, die an den Straßen wohnen, noch nicht, sondern baue lediglich Homes Passed. Das führt dazu, dass sich Wettbewerber in den Homes-Passed-Gebieten der Telekom nicht mehr engagieren können. Den Betroffenen bleibt meist auf unbestimmte Zeit weiter nur der Zugang zu den veralteten Kupfernetzen.
„Der neuen Bundesregierung und dem neuen Bundestag müssen klar sein: Homes Passed ist nicht der Weg in die digitale Gesellschaft“, so Daiber. „Entscheidend für die Versorgung der Menschen mit der Next-Level-Infrastruktur sind Homes-Connected- oder Homes-Activated-Anschlüsse. Dies sind die harten Währungen, mit denen alle Marktteilnehmer in die Digitalisierung einzahlen sollten.“
Priorität müsse dieVorbereitung einer wettbewerbsfreundlichen Kupfer-Glas-Migrationhaben. Von der Politik wie auch von der Bundesnetzagentur werde ein tragfähiges Konzept erwartet, das den weiteren Weg in enger Abstimmung mit der Branche schnell vorgebe.
Ein Bärendienst für die Digitalisierung Deutschlands wäre eineRemonopolisierungdes Telekommunikationsmarktes. Die Vizepräsidentin verweist auf das jüngste Gutachten des renommierten Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Achim Wambach PhD, Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, mit dem Titel „Wettbewerb im Festnetzmarkt – Leitbild 2030“. Wambach hat darin die Gefahr für fairen Wettbewerb durch das Erstarken des Ex-Monopolisten aufgezeigt. „Wenn einGroßteil des Glasfasernetzes in der Hand des marktmächtigen Unternehmens liegen würde, stehen wir vor einer Phase mit dem Risiko wieder steigender Endkundenpreise, weniger Servicequalität und sinkender Innovationsbereitschaft“, erläutert Daiber.„Das ZEW rät daher zu einemordnungspolitischen Wettbewerbsrahmen, der zu einer Beschleunigung beim Infrastrukturausbau ebenso führt wie zu einem Wettbewerbsniveau, das den Bürgerinnen und Bürgern Anbieterauswahl und günstige Preisstrukturen sichert.“
Von der neuen Bundesregierung erwarte der Verband, dass sieDigitalisierung zu einer ihrer politischen Kernaufgabenmache. „Der künftige Bundesdigitalminister Dr. Karsten
Wildberger steht vor großen Herausforderungen. Das neue Ministerium wird sich an derHandlungsfähigkeit und Umsetzungsgeschwindigkeitmessen lassen müssen,“ so Daiber. Dies gelte ganz besonders auch für einen schnellen Abbau von bürokratischen Hindernissen und einer raschen Digitalisierung aller behördlichen Strukturen.
Ein zentraler Punkt seien zudem die notwendigen politischen Weichenstellungen auf dem Mobilfunkmarkt. Deutschland sei bei derVersorgung mit 5G, sowohl bei den Haushalten wie auch auf die Fläche, bereits sehr gut aufgestellt. Der Hunger der Menschen nach überall verfügbarem und schnellem mobilen Datenaustausch werde aber weiter wachsen. „Starke mobile Netze basieren auf einer guten Versorgung mit ausreichenden Frequenzressourcen – auch darüber werden wir in der neuen Legislaturperiode sprechen müssen, mit Regulierung und Politik – und mit einer starken Stimme Deutschlands in internationalen Gremien.“
Von höchster Wichtigkeit sei es in den kommenden Wochen und Monaten, dass dieBeschleunigung von Genehmigungs- und Planungsverfahrenkein Lippenbekenntnis bliebe. Allem voran müsse der Anerkennung desüberragenden öffentlichen Interessesder TK-Netzinfrastruktur höchste Priorität eingeräumt werden. Jetzt müsse ein neuer Gesetzgebungsprozess so schnell wie möglich gestartet und parlamentarisch entschieden werden und das überragende öffentliche Interesse für Mobilfunk und Festnetz gleichermaßen anerkannt werden.
„Ein Teil der oft zitierten Zeitenwende in Deutschland muss die Stärkung digitaler Infrastrukturen sein“, appelliert die Vizepräsidentin. „Starke Infrastrukturen leben von Vielfalt – auf Seiten der eingesetzten Technologien, bei einer Vielzahl aktiver Anbieter, und innerhalb eines investitionsfreundlichen Rahmens. Wir setzen darauf, dass aus politischen Absichtserklärungen schnell Gesetze werden, und dass aus Gesetzen schnell gelebte Praxis wird.Machen ist das Gebot der Stunde,politisch und im Netzausbau. Die Digitalisierung verzeiht keinen Aufschub und muss endlich im Mittelpunkt der politischen Anstrengungen stehen.“
Der Telekommunikationsmarkt im Detail:
Der deutsche Telekommunikationsmarkt wächst 2024 leicht auf60,8 Milliarden Euro generiertem Umsatz.Im Festnetz steigert die Telekom ihre bereits hohen Marktanteile auf Kosten der Wettbewerber (Abb. 1). Besonders relevant für den Wirtschaftsstandort Deutschland istder hart umkämpfte Geschäftskundenmarkt, der ein Drittel des Gesamtmarktes ausmacht.Mit 14,2 Milliarden Euro Umsatz hat die Telekom 2024 ihre seit Jahren dominante Marktposition im Geschäftskundenmarkt weiter ausgebaut und wird Ende 2025 einen Marktanteil von fast 70 % erreichen.Bei den Wettbewerbern ist 2024 erneut ein deutlicher Rückgang um 0,9 Milliarden Euro, um 11 %, auf 7,3 Milliarden Euro zu verzeichnen. Für 2025 ist mit einem weiteren Rückgang um 6,8 % auf 6,8 Milliarden Euro zu rechnen (Abb. 2).
2024 wurdenknapp 70 % aller Breitbandanschlüsseüber das Netz der Deutschen Telekom realisiert (Abb. 8). Bei einem Endkunden-Marktanteil von 40,6 % verzeichnet die Deutsche Telekom bei insgesamt stabilem Markt einen Zugewinn von 200.000 Breitband-Neukunden (Abb. 8 und 9).
Im mittelfristig noch dominierendenAnschlussmarkt DSLbaut die Telekom ihren Marktanteilweiteraus– umso wichtiger sind wettbewerbsfördernde Festlegungen zur Kupfernetz-Abschaltung durch die Bundesnetzagentur (Abb. 12).
Die Anzahl der mitGigabit versorgbaren Anschlüsse klettert Ende 2025 auf 39,6 MillionenHaushalte. DieGigabit-Versorgungsquote steigt auf mehr als 86 %. 24,8 Millionen Haushalte sowie kleinere und mittlere Unternehmen sind mit Glasfaser erreichbar (Abb. 13).
Die Versorgungsquote mit Glasfaseranschlüssen (Homes Connected) wächst bis Ende 2025 auf 21,7 % was rund10 Millionen versorgten Haushalten entspricht.Fast62 % dieser Glasfaseranschlüsse werden von den Wettbewerbern angeboten(Abb.14).
Zum Ende des Jahres werden6,1 Millionen Haushalte FTTB/H-Anschlüsse gebuchthaben (Homes Activated), zum größten Teil bei den Wettbewerbern auf dem Telekommunikationsmarkt. Die Wettbewerber stellen den Großteil der aktiven Glasfaseranschlüsse. IhreTake-Up-Rate wird bei 33,6 %liegen und damit mehr als doppelt so hoch sein wie bei der Deutschen Telekom (15,9 %) (Abb. 15).
Der Blick auf die unzureichend regulierten FTTH- und DSL-Plattformen der Telekom zeigt, dass das marktmächtige Unternehmen seine Endkunden-Marktanteile weiter ausbaut. Von der FTTH-Plattform sind die Wettbewerber weitgehend ausgeschlossen (Abb. 16).
DiePrognosefür die Entwicklung der gebuchten Glasfaseranschlüsse(Homes Activated)zumEnde 2030zeigt, dass selbst in einem für die Glasfaser-Entwicklung optimistischen Szenario (Annahme: ein jährliches Plus von 1,5 bis 2,0 Millionen neuen FTTB/H-Anschlüssen, Homes Activated) nurknapp 15 Millionen Glasfaser-Anschlüssegenutzt werden.DSL wird bis Ende 2030 die meistgenutzte Anschlusstechnologie bleiben(Abb. 17).
Im Mobilfunkmarkt ist dieVersorgung mit 5G weit fortgeschritten. Das 5G-Angebot bedient Ende 2025 mehrals 99 % aller Haushalte und deckt 95 % der Fläche Deutschlandsab (Abb. 23). Die Mobilfunknetzbetreiber investieren kontinuierlich in die Anbindung der Antennenstandorte mit Glasfaser. Richtfunk bleibt weiterhin eine wichtige Anbindungs-Technologie (Abb. 24).
Mit einem erwarteten Plus von14,4 Millionen neuen SIM-KartenEnde 2025 auf insgesamt 215,6 Millionen wächst der Mobilfunkmarkt weiter (Abb. 19). Vor allem steigt der Einsatz von SIM-Karten zur Vernetzung von IT und Maschinen und erreicht Ende 2025 einen Anteil von 44%. Dies entspricht einem Anstieg um mehr als 21 % gegenüber 2024 (Abb. 20).
DerDatenhunger der Deutschenist ungebrochen. 2025 wird das genutzteDatenvolumen im Festnetzauf 154 Milliarden Gigabyte und mit einer Steigerung um rund 7 % auf monatlich durchschnittlich 343 Gigabyte pro Breitbandanschluss ansteigen. Eine ähnliche Entwicklungskurve sehen wir beimDatenverkehr im Mobilfunk. Mit einem Wachstum des Gesamtvolumens um fast 27 % auf mehr als 15 Milliarden Gigabyte wächst das durchschnittliche mobile Datenvolumen pro Nutzer bis Ende 2025 auf 11,7 Gigabyte pro Monat und pro aktiver persönlicher SIM-Karte (Abb. 27).
Die wichtigste Kommunikationsform für den persönlichen Datenaustausch sind Instant-Messaging-Nachrichten über Apps. 2025 werden es in Deutschland voraussichtlich insgesamt2830 Millionen Instant-Messaging-Nachrichten pro Tagsein (Abb. 28).
Bei dendigitalen Dienstenzeigt sich, dass auch im Zeitalter von KI und Chat-Bots derKundenkontaktüberService-Rufnummern und Service-SMS weiterhin essenziellbleibt. Der Umsatz ist bei erwarteten 230 Millionen Euro zum Ende 2025 stabil (Abb. 3).
Die 26. TK-Marktanalyse 2025 von DIALOG CONSULT und VATM finden Sie auf der VATM-Homepage unter diesem Link:TK-Marktanalyse.
Andreas Walterist geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsinstituts DIALOG CONSULT GmbH und begleitet und analysiert die Entwicklung des Telekommunikationsmarktes seit mehr als 25 Jahren.Walter besitzt einen Lehrauftrag von der Hochschule Rhein-Main.
Valentina Daiber, Vizepräsidentin des VATM e.V., Vorstand Recht & Corporate Affairs Telefónica Deutschland.

