USA-Aktien: Trump-Sieg sorgt für positive Stimmung mit Vorbehalten
Die US-Börsen haben den Wahlsieg von Donald Trump in der Präsidentschaftswahl 2024 mit Erleichterung aufgenommen. Doch trotz des anfänglichen Jubels könnten raue Zeiten bevorstehen, sollte der designierte Präsident seine Drohungen, Zölle zu verhängen, wahr machen.
Einige Details zur Politik der neuen Administration sind noch unklar. Ob Trumps erneute Drohungen aus dem vergangenen Monat, Zölle gegen China, Kanada, Mexiko und andere Handelspartner der USA zu erheben, als Verhandlungstaktik für andere Themen wie Grenzsicherheit dienen, ist von Bedeutung.
Der Zeitpunkt und das Ausmaß neuer Zölle stehen noch nicht fest. Die Schwere der Auswirkungen auf die USA könnte davon abhängen, ob die betroffenen Länder mit eigenen Maßnahmen reagieren.
Ökonomen zeichnen in ihren pessimistischen Szenarien ein besorgniserregendes Bild. Ein extremes Langzeitszenario von Oxford Economics prognostiziert einen Rückgang des Welthandels um bis zu 10 % und ein US-Wachstum, das etwa ein Prozent unter den aktuellen Erwartungen liegt. Besonders Unternehmensgewinne in den Sektoren Einzelhandel, Industrie und Materialien könnten durch Zölle belastet werden, während die Inflation angeheizt wird.
"Zölle sind grundsätzlich schlecht für die Wirtschaft", betont David Kelly von JP Morgan Asset Management. "Sie können einen stagflationären Effekt mit steigenden Inflationsdruck und gleichzeitig sinkendem Wachstum auslösen."
Obwohl Trumps Drohungen in den Devisenmärkten für Unruhe sorgten, zeigten sich US-Aktien relativ unbeeindruckt. Der Markt setzte seine diesjährige Rallye von über 26 % fort, die den S&P 500 auf Rekordhöhen trieb.
Barclays-Strategen schätzen, dass die vorgeschlagenen Zölle auf Kanada, Mexiko und China – sowie mögliche Gegenzölle – die Gewinne des S&P 500 um 2,8 % drücken könnten. Besonders die Sektoren Materialen und zyklische Konsumgüter, die hohe Produktionspräsenz in Mexiko und Kanada haben, könnten zweistellige Gewinneinbußen verzeichnen.
Retorsionszölle der betroffenen Länder könnten die Gewinnverluste noch verschärfen. Laut BofA Global Research könnte eine Verdopplung der Zölle auf China auf 40 % und ein Anstieg auf 8 % für den Rest der Welt, ausgenommen Mexiko und Kanada, die Gewinne des S&P 500 um 1 % verringern. Mit Gegenzöllen, die den Auslandsverkauf erschweren, würde der Gewinnrückgang auf 5 % steigen.
Zudem könnten Zölle die Kernrate des Preisindex für persönliche Konsumausgaben, ein häufig genutzter Inflationsindikator, laut Deutsche Bank Ökonomen von 2,3 % auf rund 2,5 % erhöhen.
Die Trump-Kampagne reagierte nicht unmittelbar auf eine Bitte um Stellungnahme.

