US-Wirtschaft überrascht mit kräftigem Wachstum im zweiten Quartal
Die jüngsten Wirtschaftsindikatoren aus den USA bringen eine willkommene Überraschung: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Vereinigten Staaten ist im zweiten Quartal um annualisierte 3,0 Prozent gewachsen, übertraf damit die Erwartungen der Ökonomen und bot ein unerwartet positives Bild. Analysten hatten im Durchschnitt lediglich einen Anstieg von 2,6 Prozent prognostiziert, sodass die tatsächlichen Zahlen Anlass zu Optimismus geben. Dieses Wachstum ist besonders bemerkenswert, da es auf einen leichten Rückgang von 0,5 Prozent im ersten Quartal folgt.
Positiv auf das BIP wirkte sich vor allem ein Anstieg der Konsumausgaben aus, während ein deutlicher Rückgang der Importe zusätzliche Wachstumsimpulse lieferte. Die Einführung von Zöllen durch die Administration von Präsident Donald Trump hat hierbei eine zentrale Rolle gespielt. Während Unternehmen im ersten Quartal noch verstärkt importierten, um Zölle zu umgehen, verlieh der darauffolgende Import-Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal Auftrieb. Der private Konsum, der annualisiert um 1,4 Prozent zunahm, fungierte ebenfalls als Wachstumsstütze.
Christoph Balz von der Commerzbank weist jedoch darauf hin, dass diese Schwankungen zu großen Teilen im Zusammenhang mit den Änderungen der Handelspolitik stehen. Für eine umfassendere Bewertung empfiehlt er, das erste Halbjahr im Gesamten zu betrachten, welches ein durchschnittliches Quartalswachstum von 1,2 Prozent aufwies. Trotz des ausgewiesenen Wachstums bleibt er optimistisch, dass die USA eine Rezession vermeiden können.
Gleichzeitig weist Thomas Gitzel von der VP Bank darauf hin, dass die USA im weiteren Verlauf des Jahres wohl ein abgeschwächtes Wachstum erleben dürften. Die Auswirkungen der Zölle und die einhergehende Unsicherheit könnten sowohl die Privatkonsumausgaben als auch die Anlageinvestitionen belasten und die Wachstumsraten hinter jenen der Vorjahre zurückbleiben lassen.
Interessanterweise werden Wachstumsraten in den USA annualisiert, also auf das Jahr hochgerechnet, dargelegt. Diese Methode unterscheidet sich von der europäischen Praxis, was direkte Vergleiche der Zahlen etwas schwieriger macht. Der Euro verlor nach Veröffentlichung dieser Daten weiter an Boden und sank auf ein Tagestief von 1,1469 US-Dollar. Auch die Anleihemärkte standen unter Druck, wobei die Renditen der US-Staatsanleihen stiegen, während der Dax auf die Neuigkeiten kaum nachhaltig reagierte.

