US-Vorwahlen: «Der Kampf geht weiter» - nur für einen nicht

21. Februar 2016, 14:50 Uhr · Quelle: dpa

Washington (dpa) - Donald Trump marschiert. Der zweite Sieg in Folge, locker und mit weitem Abstand entscheidet er South Carolina für sich. Der Staat gilt als Königsmacher: Wer Präsidentschaftskandidat werden will, muss hier gewinnen.

Es wird nun schwerer werden, Trump aufzuhalten. Jeb Bush entschied sich noch am Abend seiner neuerlichen Niederlage, dass er das nicht mehr sein wird. Bei den Demokraten musste Hillary Clinton unbedingt Nevada gewinnen, und sie tat es.

Trump kann weiter machen, was er will - er gewinnt. In South Carolina siegte der Multimilliardär bei Moderaten, bei stramm und gemäßigt Konservativen, bei Evangelikalen, überall. Ist es noch möglich, den Kandidaten Trump zu verhindern? Das ist noch möglich, wird aber angesichts seines Durchmarschs und der breiten Unterstützung nicht einfacher. Hochpopulär, extrem populistisch und weiter ohne echtes Politikangebot schiebt er sich immer weiter Richtung Kandidatur.

Auf diesem Weg wird er es nach Lage der Dinge eher mit Marco Rubio als mit Ted Cruz zu tun bekommen. Rubio, Senator in Florida, hat sich mächtige Unterstützung aus der Partei gesichert, wirkt immer mehr wie der mögliche Kompromisskandidat - trotz Positionen, die politisch ungleich härter sind als aus Trumps Äußerungen zu schließen wäre.

In South Carolina, wo sich 75 Prozent der Republikaner als Evangelikale oder als wiedergeborene Christen bezeichnen, dürfte Cruz sich mehr erhofft haben, auch mit Blick auf die 14 Wahlen des Super Tuesday: Vor allem die südlichen Staaten ähneln strukturell South Carolina. Rubio und er lagen nur etwa 1000 Stimmen auseinander. Beide traten auf, als hätten sie gewonnen.

Ein ganz bitterer Abend war es für Jeb Bush. Dritter oder achtbarer Vierter - das wäre es gewesen. Bush aber wurde mit einem einstelligen Ergebnis bestraft. Er hatte gekämpft wie kein Zweiter, führte als letztes Mittel seine Familie ins Feld. In South Carolina stieg er aus dem Rennen aus, gezeichnet und gerührt, viele Tränen im Raum der Verkündung. Was für eine Geschichte: Der noch vor kurzem praktisch dynastisch ausgemachte Kandidat als einer der schwersten Verlierer.

2016 wird vermutlich auch nicht mehr das Jahr des eher gemäßigten Gouverneurs von Ohio werden, John Kasich. Das des oft etwas irrlichternden Ben Carson sowieso nicht. Von Bushs Aussteigen könnte nun Rubio profitieren, weil er sich mehr als Mann der Mitte gibt als Anti-Establishment-Kandidat und Rechtsausleger Cruz. Rubio fand freundliche Worte für seinen früheren Mentor Bush, Cruz tat das auch, nur einer nicht: Donald Trump.

Kurz zuvor in Las Vegas, Nevada: In ein würdevolles, schimmerndes Rot mit recht kaiserlichem Kragen gehüllt, war Hillary Clinton ganz offensichtlich durchströmt von reiner, großer, echter Erleichterung. Eine Niederlage hier, das wäre schwer zu erklären gewesen. Über Monate führte sie zweistellig, ihre Kampagne rief Nevada zur «Firewall» aus: Eine Brandmauer gegen den hitzigen Senator aus Vermont, gegen Bernie Sanders' zuletzt so erfolgreiche Kampagne.

Dieser Sieg wird ihr Schwung geben. Er zeigt, dass sie den hartnäckigen Widersacher auf Distanz halten kann. In den Umfragen für South Carolina (Wahl am nächsten Samstag) führt sie klar. Ihr Team wird Nevada PR-technisch auszuschlachten wissen: Sanders könne eben doch nur in ganz überwiegend weißen Staaten gewinnen, er habe Schwierigkeiten in großen Staaten, wo er nicht so viel vor Ort unterwegs sein könne wie in New Hampshire vor seinem großen Sieg.

Wählerbefragungen zeigen, dass die ehemalige First Lady dieses Mal auch bei den Frauen gewann. Fast noch wichtiger die überwiegende Zustimmung der Nicht-Weißen für sie, der Hispanics und Afro-Amerikaner. Allerdings setzte sich in Nevada ihr Problem bei den Jüngeren fort: 84 Prozent der unter 30-Jährigen stimmten für Sanders, 75 Prozent der Älteren für Clinton.

In Las Vegas strahlte Clinton nach dem Sieg, dankte, freute sich - und schaltete sofort wieder um. Kampagnenmodus: Stirnfalten, Ernst, Programmatik. Sehr viel «Wir» und kaum noch «Ich». Es naht der März der Vorentscheidungen: Mitte des Monats wird die Hälfte aller Delegierten der Demokraten vergeben sein. «Der Kampf geht weiter», rief sie. Lange, zehrend und hart. In Bush hat er sein bislang prominentestes Opfer gefunden.

Wahlen / Präsident / USA
21.02.2016 · 14:50 Uhr
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