US-Veto stoppt Nippon Steels Milliarden-Übernahme
Die Aktien des japanischen Stahlriesen Nippon Steel erlebten am Montag einen Rückgang, nachdem US-Präsident Joe Biden das geplante Übernahmevorhaben des Unternehmens für 14,1 Milliarden Dollar von United States Steel ausgebremst hatte. Auch wenn Bidens Ablehnung im Vorfeld bereits angedeutet wurde, erfolgte die offizielle Verkündigung der Entscheidung erst am Freitag, nachdem ein Ausschuss zur Sicherheitsüberprüfung des Vorhabens Rat bei ihm gesucht hatte.
Biden begründete die Entscheidung damit, dass die Übernahme eines bedeutenden Stahlproduzenten unter ausländische Kontrolle kritische Lieferketten gefährden könnte. In einer gemeinsamen Stellungnahme betonten US Steel und Nippon Steel, dass keine Beweise für eine Bedrohung der nationalen Sicherheit vorlagen und nannten die Entscheidung politisch motiviert. Trotz der schwierigen Aussichten planen die Unternehmen, gegen Bidens Beschluss vorzugehen.
Ein solcher Einspruch könnte jedoch den über Monate andauernden Streit um das US-amerikanische Industrieunternehmen weiter in die Länge ziehen und die Spannung zwischen den USA und ihrem engen Verbündeten Japan verstärken. Laut Shoji Hirakawa, Chefstratege bei Tokai Tokyo Intelligence Lab, war das endgültige Urteil aus Washington keine Überraschung. Der Markt hatte die Wahrscheinlichkeit eines Vetos durch den Präsidenten, der bereits seine Bedenken geäußert hatte, einkalkuliert.
Eine ähnliche Haltung wird von dem designierten Präsidenten Donald Trump erwartet, der später in diesem Monat sein Amt antreten wird. Mit einem Kursrückgang um 1,5 % auf 3.136 Yen lagen die Aktien von Nippon Steel unterhalb des Nikkei 225-Indexes, nachdem sie zeitweise sogar um 2,3 % gefallen waren. Ohne die Fusion muss US Steel andere Investitionsmöglichkeiten erkunden.
Nippon Steel hingegen, das in den letzten Monaten verschiedene Zugeständnisse gemacht hatte, um die Bedenken des Weißen Hauses auszuräumen, wird sich nach neuen Märkten umsehen müssen, um die Abhängigkeit vom stagnierenden japanischen Markt zu verringern und im Konkurrenzkampf mit China besser mitzuhalten. Tobias Harris, Gründer von Japan Foresight, erklärte in einem Interview auf Bloomberg TV, dass in Tokio seit einem Jahrzehnt das Verständnis gewachsen sei, dass sowohl demokratische als auch republikanische US-Systeme wirtschaftlicher Nationalismus und Protektionismus befördern.
Dies sei schlichtweg die Realität, wobei Unternehmen ihre Chancen dort suchen, wo sie vorhanden sind.

