US-Staatsanleihekurse im freien Fall trotz globaler Unsicherheiten
Der nächtliche Kursrutsch bei US-Staatsanleihen sorgt für Stirnrunzeln an den Finanzmärkten. Inmitten einer Phase globaler Unsicherheiten scheint die übliche Rolle der US-Anleihen als sicherer Hafen nicht zu greifen. Der Terminkontrakt für zehnjährige Papiere, bekannt als T-Note-Future, verlor bis zum Vormittag 0,62 Prozent und steht aktuell bei 110,78 Punkten. Zeitgleich stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf bis zu 4,50 Prozent, bevor sie sich bei 4,35 Prozent einpendelte. Noch dramatischer fiel der Anstieg bei dreißigjährigen Anleihen aus, deren Rendite kurzzeitig über 5 Prozent kletterte.
Die Einführung deutlich höherer Einfuhrzölle für eine Vielzahl von Ländern, insbesondere China, führte zu erhöhter Nervosität an den Aktienmärkten in Asien und Europa. Die Erhebungen, die China mit Zöllen von bis zu 104 Prozent belasten, trafen auch Medikamente. Obgleich ein solcher wirtschaftlicher Druck normalerweise die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie US-Anleihen antreiben würde, zeigt sich das Gegenteil.
Seit der Erklärung der neuen Zollpolitik durch den ehemaligen Präsidenten Trump am "Liberation Day" vergangenen Mittwoch haben die Erwartungen an Zinssenkungen durch die Fed zugenommen. Trotz der Spekulationen über bis zu fünf Zinssenkungen im Jahr, die eigentlich den Anleihemarkt stützen sollten, bleibt dessen Entwicklung überraschend negativ. Die Dekabank warnte, dass der Verlust an Vertrauen in die Etablierung von sicheren Hafen-Positionen problematisch sei und die Fed sowie andere Zentralbanken zu Eingriffen zwingen könne.
Ein weiteres Spannungsfeld ergibt sich aus Chinas Position als zweitgrößter ausländischer Gläubiger von US-Staatsanleihen nach Japan. Mit einer strategischen Verlagerung hin zu Goldkäufen könnte China versuchen, die energische Zollpolitik zu kontern, was Spielräume im Anleihekauf weiter einschränkt.
US-Finanzminister Scott Bessent wird entgegen seiner Hoffnung mit dem Problem konfrontiert, dass steigende Zinsen durch die eigene Zollpolitik die Kosten für die US-Regierung in die Höhe treiben. Der massive Schuldenstand gekoppelt mit kostspieligen politischen Versprechen zwingt die amerikanische Administration weiterhin zur Abhängigkeit von den Anleihemärkten. Stephen Innes von SPI Asset Management mahnt zudem vor einem möglichen 'Sell America'-Moment, der die Rolle des US-Dollars als Weltleitwährung gefährden könnte.

