Die Lage im Überblick

US-Friedensplan sieht heikle Zugeständnisse der Ukraine vor

21. November 2025, 07:43 Uhr · Quelle: dpa
Ukraine-Krieg - Kiew
Foto: Uncredited/Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa
Eine Militärdelegation stellte den Friedensplan der US-Regierung in Kiew vor.
Der US-Friedensplan fordert heikle Zugeständnisse von der Ukraine, wie Gebietsabtretungen. Wie reagieren Kiew, Moskau und Europa auf diese Vorschläge?

Kiew/Moskau (dpa) - Kein Nato-Beitritt der Ukraine, ein kleineres Heer und dauerhafte Gebietsabtretungen - der neue Plan der US-Regierung für ein Ende des russischen Angriffskriegs enthält zahlreiche Vorschläge, die für Kiew nur schwer zu akzeptieren sein dürften. Mehrere Medien veröffentlichten den Entwurf des 28 Punkte umfassenden Abkommens, das einen dauerhaften Waffenstillstand nach mehr als dreieinhalb Jahren Krieg absichern soll. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte sich den Vorschlag der USA ausdrücklich nicht zu eigen, zeigte sich aber zumindest gesprächsbereit. 

Eine Delegation unter Leitung von Daniel Driscoll, einem Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, hatte die neuesten Vorstellungen der Regierung von Präsident Donald Trump bei Gesprächen in Kiew präsentiert. Selenskyj erklärte danach in einer Videobotschaft: «Die amerikanische Seite hat Punkte eines Plans vorgestellt, um den Krieg zu beenden - ihre Sichtweise. Ich habe unsere Grundsätze vorgestellt.»

Nun müsse an den einzelnen Punkten gearbeitet werden, sagte Selenskyj. «Wir sind bereit zu klarer und ehrlicher Arbeit - die Ukraine, die USA, unsere Partner in Europa und weltweit.» Nach Angaben seines Büros will Selenskyj bald mit Trump telefonieren.

«Es ist ein guter Plan für Russland und für die Ukraine», sagte US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. «Und wir glauben, dass er für beide Seiten akzeptabel sein sollte.»

Allerdings wurden die europäischen Unterstützer der Ukraine, die an Verhandlungen stets beteiligt werden wollen, von dem US-Vorstoß eher überrascht. Bundesaußenminister Johann Wadephul wertete das Konzept nicht als fertigen Plan, sondern als Beitrag, um die Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen. Und tatsächlich enthält der Kompromissvorschlag mehrere Punkte, die auch aus Sicht der Europäer wohl kaum hinzunehmen wären.

Das sieht der Vorschlag vor

Laut übereinstimmenden Berichten des US-Nachrichtenportals «Axios» und anderer Medien sieht der Entwurf aus Washington territoriale Zugeständnisse der Ukraine und noch vieles mehr vor: Die Krim und die ebenfalls besetzten ukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk werden als faktisch russisch anerkannt. Dazu muss die Ukraine qua Verfassung auf einen Beitritt zur Nato verzichten, die Größe ihres Heers auf 600.000 Mann beschränken und atomwaffenfrei bleiben. Zwar darf sie - zumindest theoretisch - der EU beitreten, angesichts der komplizierten Gemengelage dürfte es dazu in absehbarer Zukunft aber ohnehin kaum kommen.

Im Gegenzug werden der Ukraine «zuverlässige Sicherheitsgarantien» der USA in Aussicht gestellt, wobei völlig offen bleibt, was das in der Praxis bedeuten soll. Russland, das den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg im Februar 2022 begann, soll auf weitere Gebietsansprüche verzichten und sich per Gesetz dazu verpflichten, Aggressionen gegenüber Europa und der Ukraine abzuschwören. Beschlagnahmtes russisches Staatsvermögen in Milliardenhöhe soll dazu genutzt werden, Wiederaufbau und Investitionen in der Ukraine zu fördern - eine Bedingung, die für Moskau nicht leicht zu akzeptieren sein dürfte.

Eine amerikanisch-russische Arbeitsgruppe zu Sicherheitsfragen soll darüber wachen, dass die Abmachungen eingehalten werden - und ein «Friedensrat» unter Trumps Vorsitz die Einhaltung des Abkommens garantieren. Wenn alle Seiten dem Friedensplan zugestimmt haben und der militärische Rückzug auf vereinbarte Positionen abgeschlossen ist, beginnt - so das Ziel - der Waffenstillstand. Zudem sollen 100 Tage nach Abschluss des Abkommens Wahlen in der Ukraine abgehalten werden.

USA wollen entlohnt werden

Laut US-Regierungssprecherin Leavitt wurde der Plan von Außenminister Marco Rubio und Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff über Wochen hinweg ausgearbeitet. Beide hätten sich mit Vertretern Russlands und der Ukraine ausgetauscht, um zu verstehen, wozu die Länder jeweils bereit seien, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen. 

Für ihre nicht näher definierten Sicherheitsgarantien würden die USA gemäß dem Friedensplan entlohnt. So sollen sie von diversen Wirtschaftsprojekten profitieren, etwa im Energiesektor und bei der Ausbeutung seltener Erden. Russland wiederum würde nach all den Sanktionen der vergangenen Jahre wieder in die Weltwirtschaft integriert und eingeladen, der Gruppe führender Industrienationen nach seinem zeitweisen Ausschluss erneut beizutreten. Aus den G7 würden damit wieder die G8.

Die USA legten Wert darauf, dass die Vereinbarung möglichst schnell besiegelt werde, sagte die Geschäftsträgerin der US-Botschaft in Kiew, Julie Davis, dem Nachrichtenportal «Ukrajinska Prawda».

Wadephul betont: Alles ist im Fluss

Bundesaußenminister Wadephul hatte nach eigenen Angaben ausführlich mit dem US-Sondergesandten Witkoff telefoniert. Im ZDF-«heute journal» sagte der CDU-Politiker, jedes Engagement dafür, dass beide Seiten miteinander ins Gespräch kommen, sei richtig und unterstützenswert. Alles sei im Fluss, und auch US-Außenminister Rubio habe gesagt, dass es um eine Auflistung von Themen und Optionen gehe, die noch abzuwägen und zu besprechen seien. 

Putin hält an Kriegszielen fest

Eine offizielle Reaktion aus Moskau gab es nach Bekanntwerden der 28 Punkte zunächst nicht. Präsident Wladimir Putin besuchte indes demonstrativ einen Kommandoposten der russischen Armee und bekräftigte bei einem Auftritt in Tarnuniform das Festhalten an seinen Kriegszielen. «Wir haben unsere gemeinsamen Aufgaben, unsere Ziele. Das Wichtigste ist, unbedingt die Ziele der speziellen Militäroperation zu erreichen», wurde Putin vom Kreml zitiert. Der Staatschef ließ sich demnach von Generälen über den Vormarsch seiner Truppen in der Ukraine unterrichten.

Fünf Tote bei Luftangriff auf Saporischschja

In der südostukrainischen Großstadt Saporischschja wurden nachts mindestens fünf Menschen durch einen russischen Luftangriff getötet. Drei weitere seien verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebiets, Iwan Fedorow, bei Telegram mit. Zur eingesetzten Waffe machte er keine Angaben, allerdings gab es vorher Warnungen vor einem Gleitbombenangriff. Die Industriestadt liegt nur etwas mehr als 20 Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Dort steht auch das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja - eines der größten Europas. In Trumps Friedensplan ist vorgesehen, dass das AKW der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA unterstellt wird. Der dort produzierte Strom würde dann künftig zu gleichen Teilen zwischen der Ukraine und Russland aufgeteilt.

Konflikte / Krieg / Ukraine / Russland / USA / Deutschland
21.11.2025 · 07:43 Uhr
[6 Kommentare]
UN-Friedenstruppen im Libanon
Beirut (dpa) - Bei der Explosion eines Geschosses in einer Stellung der UN-Friedenstruppen im Libanon ist ein Blauhelmsoldat getötet worden. Ein weiterer wurde bei dem Vorfall im Süden des Landes schwer verletzt, wie die UN-Beobachtermission Unifil mitteilte. «Niemand, der dem Frieden dient, sollte sein Leben verlieren», mahnte die Mission der Vereinten […] (00)
vor 34 Minuten
Demi Lovato ist vor ihrer 'It's Not That Deep'-Tour nervös.
(BANG) - Demi Lovato fühlt sich vor dem Start ihrer 'It's Not That Deep'-Tour "ein bisschen überfordert und nervös". Die 33-jährige Sängerin freut sich jedoch darauf, ihre Fans bei der 18 Termine umfassenden Nordamerika-Tour zu sehen, die am 13. April im Kia Centre in Orlando, Florida, beginnt. Bei einer Veranstaltung zu ihrem Kochbuch 'One Plate at a […] (00)
vor 6 Stunden
Review: Dreame A3 AWD Pro 5000 Test – Der Mähroboter, der selbst schwierige Gärten meistert
Ich habe mir den Dreame Mähroboter A3 AWD Pro 5000 Anfang März 2026 zugelegt, nachdem ich monatelang verschiedene Modelle verglichen habe – von klassischen Draht-Mährobotern über RTK-Systeme bis hin zu anderen kabellosen High-End-Geräten. Nach knapp vier Wochen intensiver Nutzung auf meinem 4200 m² großen, teils stark geneigten Grundstück mit vielen […] (00)
vor 4 Stunden
Nach PS5-Preiserhöhung: Analyst warnt vor steigenden Xbox- und Switch 2-Preisen
Die Nachricht kam für viele wie ein Schlag: Sony erhöht die Preise der PS5 und plötzlich steht eine Frage im Raum, die kaum jemand hören wollte. Bleibt es dabei… oder ist das erst der Anfang? Ein Analyst bringt jetzt genau dieses Szenario ins Spiel. Und seine Einschätzung sorgt aktuell für Unruhe in der Gaming-Community. Laut Branchenexperte Piers […] (01)
vor 2 Stunden
Pretty Lethal-Star Uma Thurman
(BANG) - Uma Thurman betrachtet Figuren nicht als eindeutig gut oder böse. Die 55-jährige Schauspielerin versucht stattdessen, ihre Figuren als echte Menschen zu verstehen. Außerdem hat sie den größten Spaß an den Charakteren, die sie als komplex bezeichnen würde. "Ich versuche, die grundlegende Motivation einer Figur zu verstehen. Die meisten sind […] (00)
vor 6 Stunden
Julian Nagelsmann
Stuttgart (dpa) - Julian Nagelsmann würde am liebsten einfach die Repeat-Taste drücken. Noch einmal Fußball-Wirbel von Florian Wirtz. Noch einmal Power-Fußball wie beim Vier-Tore-Statement in der Schweiz. Aber für den letzten Härtetest vor der WM-Nominierung hat der Bundestrainer auch die langfristige Fitness seiner Turnierkandidaten genau im Blick. Im […] (02)
vor 9 Stunden
btc, bitcoin, cryptocurrency, crypto, money, currency, coin, finance, mining, payment
Ein US-Bezirksgericht hat entschieden, dass eine Sammelklage gegen Nvidia und CEO Jensen Huang fortgesetzt werden kann. Investoren werfen dem Unternehmen vor, über $1 Milliarde an Krypto-Einnahmen in seinem Gaming-Segment versteckt zu haben. Das Technologieunternehmen konnte zudem nicht nachweisen, dass seine Aussagen zu Einnahmen aus dem Krypto-Mining keinen […] (00)
vor 1 Stunde
In einem sich neu ordnenden Rohstoffmarkt setzt Green Bridge Metals auf heimische Zukunftsrohstoffe
Lüdenscheid, 29.03.2026 (PresseBox) - Green Bridge Metals Corp. (ISIN: CA3929211025; WKN: A3EW4S) , freut sich, ein Update zu seinem laufenden Phase-1-Diamantkernbohrprogramm dem Projekt “Titac” bereitzustellen, das sich im “South Contact District” des Unternehmens im Nordosten des US-Bundesstaates Minnesota befindet. Das Projekt “Titac” beherbergt […] (00)
vor 18 Stunden
 
Stürmisches Wetter in Leipzig
Offenbach (dpa) - Wolken, Regen und Schnee in höheren Lagen bestimmen den Beginn der […] (00)
Internationales Rotes Kreuz in Genf (Archiv)
Genf - Die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) Mirjana […] (04)
Bundeskanzleramt (Archiv)
Berlin - Vor dem Besuch des syrischen Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin […] (00)
«No Kings»-Demonstration in Washington
Washington/Berlin (dpa) - Kein Krieg gegen den Iran, keine Razzien in US-Städten und […] (04)
Steigende Dieselpreise setzen Speditionsbranche unter Druck ## Anstieg der […] (00)
AMC stellt «Talamasca: The Secret Order» nach nur einer Staffel ein
Erstmals trifft es damit eine Serie aus dem „Anne Rice Immortal Universe“. Der US-Sender AMC […] (00)
Pokémon Pokopia Guide: Kristall-Fragmente finden und effektiv farmen
In Pokémon Pokopia sammelst du ständig Materialien, um Gebäude zu reparieren, neue […] (01)
Turtle Beach – Neues Nintendo Switch 2 Zubehör im „Super Mario Galaxy“-Design
Der Gamingzubehör-Hersteller Turtle Beach kündigt rechtzeitig zum Kinostart des Films […] (00)
 
 
Suchbegriff