US-Aktien feiern Comeback – Risiko bleibt unter der Oberfläche
Der S&P 500 hat in den vergangenen drei Wochen rund 12 % zugelegt, angeführt von den Schwergewichten der Tech-Branche. Vor allem Apple sorgte mit einem Kursplus von über 550 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung seit dem Tief am 8. April für Rückenwind. Auch Nvidia trieb die Erholung maßgeblich mit. Die beiden Unternehmen profitieren direkt von der Entscheidung der US-Regierung, Smartphones, Computer und andere Elektronikprodukte von den 145 %-Zöllen auf chinesische Importe auszunehmen.
Die Nervosität an den Märkten war zuvor deutlich spürbar: Nach Trumps ursprünglicher Ankündigung brachen Aktienkurse ein, Anleihen gewannen zunächst – nur um später selbst unter Druck zu geraten. Die Reaktion der Märkte zwang das Weiße Haus schließlich, einen Großteil der geplanten Handelsmaßnahmen vorübergehend auszusetzen.
Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert – zumindest oberflächlich. Der Nasdaq Composite liegt im Monatsverlauf im Plus, der S&P 500 nur noch rund 10 % unter seinem Allzeithoch. Doch unterhalb der großen Indizes zeigen sich Verschiebungen, die Anlegerstimmung besser abbilden: Defensive Sektoren wie Versorger und Basiskonsumgüter gehörten seit dem Tief zu den besten Performern. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten gelten sie als sichere Häfen.
Zyklische Branchen wie Energie, Finanz- und Rohstoffwerte blieben dagegen deutlich zurück. Investoren rechnen offenbar weiterhin mit einem konjunkturellen Dämpfer – ausgelöst durch höhere Preise infolge der Zölle und mögliche Gegenmaßnahmen der Handelspartner.
Auch der Anleihemarkt gibt keinen Anlass zur Entwarnung: Die Renditen sind nach anfänglichem Rückgang wieder gestiegen – ein Hinweis darauf, dass Investoren inflationsbedingte Risiken durch die Zollpolitik ernst nehmen. Parallel verlor der US-Dollar deutlich an Boden. Die sogenannte „Sell America“-Bewegung, bei der Anleger gleichzeitig Aktien, Anleihen und den Dollar abstoßen, war im April vorübergehend dominant.
Hinzu kommt Druck vom Rohstoffmarkt: Der Ölpreis fiel Anfang April auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Hauptursache sind Sorgen über eine globale Wachstumsabschwächung – verstärkt durch die Entscheidung der OPEC+, die Förderkürzungen schneller als geplant zurückzunehmen und ab Mai zusätzlich 411.000 Barrel pro Tag auf den Markt zu bringen.
Trotz aller Erholungssignale an der Börse bleibt der Ausblick fragil. Die Marktmechanik funktioniert – doch das Vertrauen in die wirtschaftspolitische Linie Washingtons steht weiter auf der Probe.

