Nintendos neue Amiibo-Strategie setzt auf Luxus, doch Kirby Air Riders zeigt, wo die Grenze liegt
Amiibo sind ein merkwürdiges Phänomen: Zehn Jahre nach ihrer Einführung gibt es sie noch immer – in einer Branche, in der Toys-to-Life-Produkte normalerweise weit früher in der Versenkung verschwinden. Doch Nintendo hat die Weichen für seine Sammelfigürchen neu gestellt, und die Richtung ist eindeutig: höher, größer, teurer. Was das für Sammler und Spieler bedeutet, und warum ausgerechnet ein Kirby-Spiel die Gemüter spaltet, lohnt sich genauer zu betrachten.
Vom günstigen Beiwerk zum Premium-Sammlerstück
Als die ersten Amiibo-Figuren Ende 2014 auf den Markt kamen, kosteten sie rund 12 Euro pro Stück. Die Idee war schlicht: erschwingliche Figürchen mit kleinen, aber netten Spielboni. Dieses Versprechen hat Nintendo inzwischen still und leise aufgegeben. Neue Amiibo werden heute für 23 bis 32 Euro verkauft, und selbst ältere Modelle wurden auf rund 18 Euro angehoben – ohne nennenswerte Qualitätssteigerung. Die neuen Figuren sind dafür tatsächlich ein anderes Kaliber: deutlich massiver, aufwendiger gestaltet und mit beeindruckenden Sockelkonstruktionen versehen. Die Metroid-Prime-4-Amiibo etwa stehen auf kunstvoll gestalteten Steinreliefs. Die neuen Super-Mario-Galaxy-Figuren überragen klassische Mario-Amiibo um ein Vielfaches. Optisch ist der Sprung unverkennbar – preislich aber auch.
Kirby Air Riders treibt es auf die Spitze
Besonders ins Auge fällt die Amiibo-Umsetzung zu Kirby Air Riders. Hier werden Figur und Fahrzeug als Set verkauft: Der Charakter lässt sich auf das Fahrzeug aufstecken und in verschiedenen Kombinationen scannen, um im Spiel unterschiedliche Figurenspieler freizuschalten – ein kreativer Ansatz, der an die Tiefe der Super-Smash-Bros.-Amiibo erinnert, für die Masahiro Sakurai als Regisseur einst das Format mitgeprägt hat. Das Problem: Ein solches Set kostet bis zu rund 46 Euro – fast so viel wie das Spiel selbst. In Super Smash Bros. Ultimate entstand einst eine lebhafte Turnier-Szene rund um trainierte Amiibo, weil die Einstiegshürde niedrig war. Bei Kirby Air Riders dürfte das kaum passieren. Der Preis allein wird die meisten Interessierten davon abhalten, mehr als eine Handvoll Figuren zu kaufen – und damit entfällt ein wesentlicher Reiz des Konzepts.
Was sich verkauft – und was in den Regalen bleibt
Die Marktreaktion auf Nintendos neue Preisstrategie ist gespalten. Die Amiibo zu The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom sowie neue Street-Fighter-Figuren – für rund 28 beziehungsweise 37 Euro – bewegten sich kaum vom Fleck. Große Händler senkten die Preise zwischenzeitlich auf etwa 18 Euro, um überhaupt Umsatz zu generieren. Die Super-Mario-Galaxy-Amiibo hingegen waren bei mehreren Anbietern zeitweise ausverkauft. Das zeigt: Käufer sind durchaus bereit, für hochwertige Figuren tief in die Tasche zu greifen – aber nur dann, wenn Qualität und Charakterwahl stimmen. Nintendo setzt klar auf Amiibo als Sammlerobjekte statt als Spielzubehör. Ob diese Positionierung langfristig trägt, ist offen. Die wirtschaftliche Gesamtlage macht Preissenkungen unwahrscheinlich, und solange einzelne Serien reißenden Absatz finden, hat Nintendo wenig Anlass zur Korrektur. Für alle anderen bleiben Geduld und Ausschau nach Sonderangeboten die realistischste Option.


