Unzureichende Vorsorgemaßnahmen im Bevölkerungsschutz: DRK Präsident Hermann Gröhe fordert mehr Investitionen
Der kürzliche Stromausfall in Berlin hat völlig unvorhersehbare Schwächen im deutschen Bevölkerungsschutz aufgedeckt – dies beklagt Hermann Gröhe, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Angesichts solcher Krisensituationen fordert Gröhe dringend Investitionen des Bundes. Mindestens zehn Mobile Betreuungsmodule wären deutschlandweit erforderlich, um in ausgedehnten Krisen bis zu 5.000 Personen effizient versorgen zu können. Aktuell ist jedoch nur der Bruchteil eines solchen Bedarfs finanziell gedeckt, da im gegenwärtigen Bundeshaushalt keine weiteren Mittel vorgesehen sind.
Gröhe, ehemaliger Bundesgesundheitsminister, hebt hervor, dass die jüngsten Herausforderungen zeigen, wie wichtig Notlösungen und die rechtzeitige Vorratshaltung von Materialien sind. Besonders der Fall Berlin demonstriere die Anfälligkeit der kritischen Infrastruktur und verdeutliche die Bedeutung eines effektiven Bevölkerungsschutzes. Er warnt davor, den Fokus einseitig auf militärische Aspekte zu legen; vielmehr sei der Zivil- und Katastrophenschutz essentiell für die gesellschaftliche Resilienz und gehöre zur grundlegenden staatlichen Daseinsvorsorge.
Parallel dazu erhebt auch Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), schwere Vorwürfe hinsichtlich der Anpassung des Gesundheitssystems an die angespannte Sicherheitslage. In einem Fall mit massenhaften Verletzten sei das System derzeit nicht vorbereitet, wie Gassen gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" feststellte. Er bemängelt das Fehlen eines Bundeskonzepts zur optimalen Nutzung aller medizinischen Kapazitäten und zur Lösung von Lagerungsproblemen, selbst vier Jahre nach den russischen Angriffen auf die Ukraine.

