Uncharted 4 Regisseur bricht das Schweigen: Warum Naughty Dog für ihn zur goldenen Sackgasse wurde
Jahrelang rätselte die Industrie über die wahren Hintergründe, warum Bruce Straley, der Co-Regisseur hinter dem monolithischen Erfolg von Uncharted 4: A Thief’s End, Naughty Dog im Jahr 2017 den Rücken kehrte. Jetzt, kurz nach der Enthüllung seines mysteriösen neuen Werkes Coven of the Chicken Foot, lüftet er den Schleier. In einem aufschlussreichen Gespräch offenbart Straley, dass sich nach 18 Jahren an der Spitze der Entwicklungskette ein Gefühl der Stagnation breitgemacht hatte. Er beschreibt einen zermürbenden Kreislauf, in dem er immer wieder dieselben kreativen Fragen beantworten musste. Obwohl er maßgeblich daran beteiligt war, den spezifischen Stil des Studios zu prägen, wurde genau dieses etablierte Paradigma zum goldenen Käfig. Sein Geist rebellierte gegen die Repetition; er hungerte nach ungelösten Problemen und frischen, unbetretenen Pfaden, statt lediglich Variationen bekannter Erfolgsformeln zu polieren.
Die Sehnsucht nach echter Eigentümerschaft
Doch die kreative Ermüdung war nur die Spitze des Eisbergs. Der wohl gravierendste Faktor für seinen radikalen Schnitt war eine tiefgreifende Erkenntnis über Besitzverhältnisse und schöpferischen Wert. Straley gesteht, dass er enorme Energie und Leidenschaft in Projekte investierte, die ihm letztlich nicht gehörten. Zwar wurde er fürstlich entlohnt und genoss hohe Anerkennung, doch nagte der Gedanke an ihn, dass er geistiges Eigentum, Charaktere und ganze Franchises für andere aufbaute. Der Drang, etwas Eigenes zu erschaffen – selbst auf die Gefahr hin, grandios zu scheitern – wog schwerer als die Sicherheit des Angestelltenverhältnisses. Er wollte, dass ein potenzieller Misserfolg zumindest sein eigener ist, geboren aus seinen Entscheidungen und nicht aus den Kompromissen einer Konzernstruktur.
Coven of the Chicken Foot: Eine Evolution der KI-Begleiter
Dieser Drang nach Autonomie manifestiert sich nun in Coven of the Chicken Foot, seinem ersten Projekt seit 2016, das während der The Game Awards 2025 für Aufsehen sorgte. Hier kanalisiert Straley seine Obsession, Begleiter-Charaktere reaktiver und lebendiger zu gestalten, als es in linearen Blockbustern möglich war. Das Spiel dreht sich um eine alte Hexe und ihr waldiges Begleitwesen, wobei der Fokus stark auf Erkundung und das Lösen komplexer Rätsel gelegt wird. Das Herzstück ist die Dynamik zwischen der Hexe und der Kreatur, die fähig scheint, aus Erfahrungen zu lernen und organisch zu wachsen. Es ist der Versuch, emotionale Bindungen durch Gameplay-Mechaniken neu zu definieren, fernab von Skripten und filmischen Schienenfahrten.
Aufbruch ins Ungewisse
Straleys Weggang markiert eine Zäsur, zeigt aber auch exemplarisch das Dilemma vieler Veteranen der Branche: Wann ist der Punkt erreicht, an dem Sicherheit zur Fessel wird? Mit seinem neuen Studio Wildflower Interactive und dem Fokus auf PC als Plattform wagt er den Sprung ins kalte Wasser der Indie-Entwicklung. Es ist der Versuch, Konzepte weiterzuentwickeln, die bei Naughty Dog vielleicht im Keim erstickt wären oder in der Maschinerie der Triple-A-Produktion untergegangen wären. Coven of the Chicken Foot wird somit zum Testlauf für seine These, dass wahre Innovation nur durch das Risiko des Scheiterns und den Mut zur vollständigen kreativen Kontrolle entstehen kann.


