Umweltbedenken bremsen Knaufs Gips-Bergwerk in Unterfranken
Umweltbedenken gegen Knaufs Gips-Bergwerk
Der Bund Naturschutz (BN) hat bei der Europäischen Kommission Beschwerde eingelegt, um die Pläne des Baustoffherstellers Knauf für ein Gips-Bergwerk in Unterfranken zu stoppen. Die Hauptsorge des BN ist die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung, die bei einem Projekt dieser Größenordnung unerlässlich sein sollte, insbesondere wenn der Abbau im sensiblen Trinkwasserschutzgebiet der Stadt Würzburg geplant ist.
Steffen Jodl, Referent des BN für Unterfranken, erläuterte, dass der geplante Abbau durch Bohrungen und Sprengungen erfolgen soll. Diese Sprengungen könnten potenziell zu Grundwassereinbrüchen in das Grubengebäude führen, was die Trinkwasserversorgung der Stadt Würzburg und angrenzender Gemeinden gefährden könnte. Solche Risiken müssen aus Sicht eines verantwortungsbewussten Investors ernst genommen werden, da sie nicht nur Umweltfragen, sondern auch die langfristige Versorgungsstabilität betreffen.
Fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Projekt sind ebenfalls problematisch. Laut Ursula Philipp-Gerlach, einer Rechtsanwältin, die den BN vertritt, ist die Umweltverträglichkeitsprüfung nur dann erforderlich, wenn der Flächenbedarf der Anlagen über Tage größer als zehn Hektar ist. Die untertägige Größe des Bergwerks, das sich über etwa 700 Hektar erstrecken soll, bleibt jedoch unberücksichtigt. Dies könnte ein Verstoß gegen die europäischen Richtlinien zur Umweltverträglichkeitsprüfung darstellen und wirft Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit und Standortattraktivität auf.
Das Bergamt Nordbayern steht nun vor der Herausforderung, über den Antrag von Knauf zur Errichtung des Gips-Bergwerks zu entscheiden. Das Unternehmen plant, etwa 2027 mit dem Abbau zu beginnen und rechnet mit einem Gipsvorkommen von rund 100 Millionen Tonnen, wovon etwa 48 Millionen Tonnen abbaufähig sind. Diese Zahlen könnten, sofern das Projekt genehmigt wird, das Wachstum und die Innovationskraft der Region fördern.
Langwieriger Genehmigungsprozess
Der Genehmigungsprozess zieht sich bereits seit Jahren hin. Knauf hatte im Dezember 2017 einen Antrag zur Errichtung des Bergwerks gestellt, gefolgt von umfangreichen Untersuchungen zu Themen wie Grundwassersicherheit, Naturschutz, Staub und Verkehr. Im November 2024 legte das Unternehmen einen überarbeiteten Antrag zur Zulassung vor.
In Anbetracht der Lage des Geländes, aus dem unter anderem Würzburg sein Trinkwasser bezieht, bleibt die Frage, ob die wirtschaftlichen Vorteile des Projekts die potenziellen Risiken für die Umwelt und die Trinkwasserversorgung rechtfertigen. Knauf beteuert zwar, dass der Abbau die Versorgung nicht gefährden werde, doch die anhaltenden Bedenken des BN und die regulatorischen Herausforderungen könnten den Shareholder Value und das Vertrauen in das Unternehmen beeinträchtigen, falls die Bedenken nicht ausgeräumt werden können.

