Ultra-Verarbeitete Lebensmittel: Ein globales Gesundheitsdilemma
Ultra-verarbeitete Lebensmittel wie Tiefkühlpizzen oder gesüßte Joghurts sind nicht nur fester Bestandteil der modernen Ernährung, sondern auch ein wachsendes Problem für die globale Gesundheit. Eine umfassende Analyse von Wissenschaftlern unter der Leitung von Phillip Baker von der Universität Sydney zeigt, dass diese stark verarbeiteten Produkte einen signifikanten Beitrag zur weltweiten Zunahme ernährungsbedingter Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes und psychischen Störungen leisten. Baker fordert eine koordinierte internationale Antwort ähnlich den Anstrengungen gegen die Tabakindustrie.
Die sogenannte Nova-Klassifikation definiert Ultra-verarbeitete Lebensmittel als Produkte, die aus kostengünstigen Rohstoffen und zahlreichen Zusatzstoffen bestehen, schnell konsumierbar und oft attraktiv verpackt sind. Trotz mancher Stimmen, die die Kategorisierung hinterfragen, schauen die Forscher auf das generelle Ernährungsmuster, das durch den steigenden Konsum solcher Produkte geprägt wird. Mit einem Umsatz von 1,9 Billionen US-Dollar im Jahr 2023 ist dieser Sektor der rentabelste der globalen Nahrungsmittelindustrie.
In einkommensstarken Ländern wie den USA und Großbritannien machen hochverarbeitete Lebensmittel bereits bis zur Hälfte der täglichen Kalorienzufuhr aus. Auch in Deutschland schlägt sich der Trend nieder: Die Hälfte der dort angebotenen Supermarktprodukte gehört in diese Kategorie, erklärt der Experte Mathias Fasshauer. Der Gesundheitsökonom Peter von Philipsborn hebt hervor, dass der Verzehr weniger gesunder Produkte in Deutschland bereits jetzt über dem empfohlenen Wert liegt.
Ernährungsexperte Carlos Monteiro betont, dass mächtige Konzerne aggressive Verkaufsstrategien anwenden, um diese Produkte zu bewerben, während ihre niedrigen Preise sie für viele Menschen zur einzigen verfügbaren Option machen. Studien belegen den Zusammenhang zwischen einem hohen Konsum ultra-verarbeiteter Lebensmittel und der Zunahme chronischer Krankheiten, erinnert der Fachjournalist von Philipsborn, und sieht hier Parallelen zu den hohen Gesundheitskosten in Deutschland.
Um diese Entwicklung zu stoppen, fordern Experten wie Karen Hofman von der University of the Witwatersrand umfassende politische Maßnahmen, einschließlich Besteuerungen und Werbeverboten für ungesunde Lebensmittel. Dies könnte helfen, gesündere Alternativen verfügbarer zu machen und das Ungleichgewicht, das viele Menschen in wirtschaftlich schwachen Lagen trifft, zu bekämpfen. Doch die mächtige UPF-Industrie arbeitet gegen solche Regulierungsbemühungen und beeinflusst die öffentliche und politische Meinung durch weltweit vernetzte Lobbyarbeit.
Es zeichnen sich erste Schritte zu einer globalen Reaktion ab, doch es bleibt viel zu tun. Die Einschätzung lautet: Es wird ein langfristiger Prozess sein, der noch ganz am Anfang steht, ähnlich der Rauchfrei-Bewegung der vergangenen Jahrzehnte.

