Russisch-amerikanischer Gipfel

Ukraine-Verhandlungen in Alaska? Trump will Putin empfangen

10. August 2025, 12:47 Uhr · Quelle: dpa
Es soll ein historisches Treffen werden: US-Präsident Trump lädt Kremlchef Putin ein - auf amerikanisches Staatsgebiet, das einst Russland gehörte. Es soll um die Ukraine gehen - ohne die Ukraine.

Washington/Moskau/Kiew (dpa) - US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin wollen sich am Freitag im US-Bundesstaat Alaska erstmals persönlich zu Verhandlungen über den Krieg in der Ukraine treffen. Bis zu diesem ersten Treffen eines US-Präsidenten mit einem russischen Staatschef seit mehr als vier Jahren gibt es noch viel vorzubereiten. Vor allem aber sorgt schon vorab für Kritik, dass die Ukraine, um die es vor allem geht, selbst nicht mit am Verhandlungstisch sitzt. Was das Treffen bringen kann - dazu einige Fragen und Antworten:

Worum geht es?

Der US-Präsident will den Krieg so schnell wie möglich beenden. Allerdings hat Russlands Armee, die auf Putins Befehl seit rund dreieinhalb Jahren einen zerstörerischen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, die Initiative und weitet ihre Eroberungen aus. Täglich werden Menschen getötet. Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer flohen aus ihrer Heimat. Deshalb geht es nun vor allem um eine Waffenruhe - oder gar einen Friedensschluss.

Trump stellt den Gipfel als Versuch dar, einem Ende der Kämpfe näherzukommen. Er warf in diesem Kontext einen möglichen Gebietstausch zwischen der Ukraine und Russland in den Raum, blieb dabei aber vage. 

Moskau forderte zuletzt für eine friedliche Lösung des Konflikts unter anderem einen Verzicht der Ukraine auf einen Nato-Beitritt sowie die Abtretung der von Russland annektierten Gebiete. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lehnt den Verzicht auf die von Russland schon 2014 annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim sowie auf die teils von Moskau kontrollierten Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson bisher aber kategorisch ab.

Internationale Grenzen dürften nicht gewaltsam verändert werden, hieß es vor dem Gipfel auch in einer gemeinsamen Erklärung von Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Großbritannien, Finnland und der EU-Kommission.

Wo bleibt bei dem Treffen Selenskyj?

In Kiew betont Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass es einen fairen Frieden nur mit Beteiligung der Ukraine an den Verhandlungen geben könne. Aber Putin lehnt Selenskyjs Teilnahme am Gipfel ab - zum jetzigen Zeitpunkt. Im Kreml in Moskau heißt es, das Hauptaugenmerk liege jetzt bei den bilateralen russisch-amerikanischen Verhandlungen.

Dagegen warnen Kiew und die Europäer, es dürfe bei dem Gipfel keine Geschenke an Russland geben. Jedes Zugeständnis berge die Gefahr, Russland nur zu neuen Aggressionen zu ermutigen. 

Russland ist allerdings auch an wirtschaftlichen Kontakten mit den USA interessiert und will mit Trump künftig über die strategische Sicherheit sprechen - gemeint sind damit vor allem atomare Rüstungsfragen. Auch deshalb brachte Moskau schon ein Anschlusstreffen zwischen Putin und Trump ins Spiel - dann auf russischem Gebiet.

Was kann bei dem Gipfel ohne Kiew überhaupt geklärt werden?

Russland will vor allem eine Wiederherstellung des Verhältnisses mit den USA. Mit Blick auf die Ukraine dürfte Putin nach zahlreichen Telefonaten mit Trump nun im direkten Gespräch einmal mehr seine Sicht auf die Ursprünge des Konflikts deutlich machen und eine Lösung - womögliche eine teilweise Waffenruhe - anbieten. Eine Umsetzung gilt aber ohne ukrainische Beteiligung und Zustimmung als ausgeschlossen.

Insbesondere territoriale Fragen würden eine umfangreiche Änderung der ukrainischen Verfassung erfordern, da in dieser alle Gebiete - einschließlich der Krim - aufgezählt sind. Verfassungsänderungen, die zudem in Kriegszeiten gar nicht zulässig sind, verlangen eine Zweidrittelmehrheit im Parlament, der Obersten Rada. Zudem muss das Verfassungsgericht zustimmen.

Präsident Selenskyj oder auch die Oberste Rada können also nicht einfach einen Gebietsverzicht beschließen. Auch eine internationale Anerkennung der Krim und anderer ukrainischer Gebiete als russisches Territorium, wie sie Moskau fordert, gilt als ausgeschlossen.

Allerdings hätte der US-Präsident natürlich einige Druckmittel gegen die Ukraine in der Hand, darunter vor allem ein kompletter Stopp der militärischen Unterstützung, wie bereits im März kurzzeitig geschehen. Zusätzlich könnten die USA auch die Bereitstellung von Aufklärungsdaten einstellen, was von den übrigen ukrainischen Verbündeten nur schwer zu ersetzen wäre. Die ukrainische Armee wäre auf einen Schlag praktisch blind, die Fortsetzung des Krieges würde für sie immer schwerer werden. Der Ukraine könnte der Verlust ihres Staatsgebiets drohen.

Die Ukraine und Europa werfen Putin vor, kein Interesse an einem Frieden zu haben - ist das so?

Tatsächlich wird auch in Moskau immer wieder betont, dass Russland noch genügend Ressourcen habe, den Krieg über Jahre fortzusetzen. Zugleich erklärt der Kreml, daran kein Interesse zu haben. Doch was Putin bisher verlangt für ein Ende der Kampfhandlungen, käme für die Ukraine einer Kapitulation gleich. Ein Aufgeben lehnen Kiew und die Europäer ab.

Aber klar ist auch, dass die Sanktionen des Westens die russische Wirtschaft belasten. Trotz einer hochgefahrenen Kriegswirtschaft droht eine Rezession, es gibt viele Probleme bei schnell schrumpfenden Rücklagen. Die Fortsetzung der Kampfhandlungen wird für Russland immer teurer - nicht zuletzt, weil durch die Hunderttausenden Freiwilligen, die wegen der hohen Gehälter in den Krieg ziehen, zunehmend Arbeitskräfte fehlen. 

Die unabhängige russische Politologin Tatjana Stanowaja sieht Chancen bei dem Gipfel. Trump habe selbst zu verstehen gegeben, dass Russland einen militärischen Vorteil habe und Sanktionen Putin wohl nicht beeindruckten. «Meiner Meinung nach ist dies nun der erste mehr oder weniger realistische Versuch, den Krieg zu beenden», sagt sie. «Gleichzeitig bin ich äußerst skeptisch, was die Umsetzung der Vereinbarungen angeht, selbst wenn es für eine gewisse Zeit zu einem Waffenstillstand kommen sollte.»

Wann war Putin zuletzt in den USA - und wie gut kennt er Trump?

Nach Angaben des US-Außenministeriums war Putin zuletzt im September 2015 in den Vereinigten Staaten, um in New York an der Generalversammlung der Vereinten Nationen teilzunehmen. Dort traf er auch den damaligen US-Präsidenten Barack Obama, der Putin auch in Moskau besuchte.

Trump hat Putin schon mehrfach getroffen - während seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021, unter anderem 2019 beim G20-Gipfel im japanischen Osaka. Unter Trumps Nachfolger Biden, den Putin zuletzt 2021 in Genf traf, herrschte nach Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 zwischen Washington und Moskau weitgehend Funkstille.

Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 präsentiert sich Trump als Vermittler für eine Friedenslösung, der einen guten Draht zu Putin pflegt. Er distanzierte sich dabei vom Unterstützerkurs Bidens für die Ukraine und stellte auch US-Waffenlieferungen an das angegriffene Land infrage. Er geht sogar regelmäßig so weit zu behaupten, es handele sich um «Bidens Krieg». 

Wollte Trump nicht eigentlich den Druck auf Putin erhöhen?

Im Wahlkampf hatte sich Trump noch damit gebrüstet, den Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden zu wollen. Seit Beginn seiner Amtszeit im Januar telefonierte er mehrfach mit Putin. Zuletzt äußerte er sich jedoch zunehmend kritisch über den Kremlchef. Dass Putin sich gerade jetzt zu einem raschen Wiedersehen mit dem US-Präsidenten bereiterklärte, kam deshalb relativ überraschend. 

Am 29. Juli hatte Trump eine Frist von zehn Tagen gesetzt und in diesem Zeitraum eine Waffenruhe zwischen Moskau und Kiew gefordert. Für den Fall, dass es dazu nicht kommen sollte, kündigte er Sanktionen gegen wichtige Handelspartner Russlands an - und belegte als erstes Land Indien wegen seiner Ölgeschäfte mit Moskau mit neuen Strafzöllen. Diese sollen allerdings erst am 27. August in Kraft treten. Das 10-Tage-Ultimatum von Ende Juli ist nun abgelaufen, ohne dass Trump weitere Staaten mit neuen Abgaben im Kontext des Ukraine-Kriegs belegt hat. 

Warum überhaupt Alaska?

Trump ist Hausherr, Putin kommt als Gast. Für Trump wird die Anreise fast so lange dauern wie für Putin: Alaska ist der nördlichste Bundesstaat der USA. Er liegt gar nicht so weit entfernt von Russland - an der engsten Stelle sind es nur wenige Kilometer. Die Meerenge Beringstraße trennt das Gebiet von russischem Territorium. 

Der genaue Ort des Treffens und die Zeit der Begegnung sind noch unklar. Alaska liegt aber auch im Sinne Putins weit weg von Europa, um zu zeigen, dass die Europäer im Grunde außen vor sind. Und aus Sicherheitsgründen ist es ideal für den Kremlchef, weil keine Drittstaaten beteiligt sind. Zudem muss er dort den Haftbefehl des internationalen Strafgerichtshofs nicht befürchten, weil die USA wie Russland die Instanz nicht anerkennen. 

Alaska zählte bis Mitte des 19. Jahrhunderts zum heutigen Russland, bis die Vereinigten Staaten dem damaligen Kaiserreich das Gebiet mit vielen Bodenschätzen abkauften.

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10.08.2025 · 12:47 Uhr
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