Überschüssiger Grünstrom hilft Großstädten: Power-to-Heat-Projekt heizt Berliner Wohnhäuser
Ein neuartiges Projekt zur Nutzung überschüssiger Solar- und Windenergie bringt frischen Wind in die Energieversorgung von Mehrfamilienhäusern in Großstädten. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) besuchte heute eine innovative Power-to-Heat-Anlage in Berlin, die vom Berliner Start-up Decarbon1ze entwickelt wurde. Im Rahmen dieses Projekts hat Decarbon1ze den Warmwasserspeicher eines Berliner Wohnhauses modernisiert.
Durch den Einbau eines elektrischen Tauchsieders über die Wartungsstutzen der Tanks wird überschüssiger, ansonsten nicht genutzter Grünstrom verwendet, um Heizstäbe zu betreiben, die das Wasser für die Heizungsanlage erwärmen. Dies führt zu einer deutlichen Kostenersparnis beim Gasverbrauch und entlastet gleichzeitig das Stromnetz durch die zusätzliche Nutzung des Grünstroms.
Habeck erklärte, dies sei eine "Win-Win-Situation" für alle Beteiligten: sowohl für die Verbraucher, die kostengünstigen Strom nutzen können, als auch für das Stromnetz, das durch die Zusatznutzung stabilisiert wird. Stefan Kapferer, Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, betonte das große Potenzial solcher Kleinanlagen. In seinem Netzgebiet könnten dadurch rund 350 Megawatt Strom genutzt werden.
Die Problematik überschüssiger erneuerbarer Energie ist bekannt: Bei starkem Sonnenschein oder Wind fällt oft mehr Strom an, als zu diesem Zeitpunkt verbraucht wird, was die Netzbetreiber dazu zwingt, Windräder abzuschalten, um eine Überlastung der Netze zu vermeiden. Dieser Vorgang wird als Abregeln bezeichnet.
Um den Anteil des abgeregelten Stroms zu verringern, hat der Bund einen Anreizmechanismus eingeführt. Ab dem 1. Oktober können die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber überschüssige Strommengen zu einem günstigeren Preis an Abnehmer zuteilen. Die Abnehmer, die diesen Strom nutzen und damit das Netz entlasten, profitieren von niedrigeren Kosten.
Die Förderung gilt jedoch nur für Abnehmer in Entlastungsgebieten, die sich näher an den Produktionsstätten und vor den Engpassstellen im Übertragungsnetz befinden. Während Berlin nicht zu diesen Gebieten gehört, ist Hamburg beispielsweise ein solches Entlastungsgebiet.

