Überraschende Führungskräfteänderung bei Gerresheimer: Hoffnung auf Neuanfang
Der im MDax gelistete Pharmaverpackungsspezialist Gerresheimer steht vor einem Wechsel an der Finanzspitze. Nach einer Phase der Stagnation im Unternehmen erhoffen sich Investoren neue Impulse und eine positive Entwicklung des zuletzt schwachen Aktienkurses. Die geplante Neuausrichtung lässt jedoch noch auf sich warten, da der Kapitalmarkttag, ursprünglich für den 15. Oktober angesetzt, erst einmal verschoben wurde.
Bernd Metzner, der seit sechs Jahren als Finanzchef tätig war, hat sich dazu entschieden, zum 31. August das Unternehmen zu verlassen, um neuen beruflichen Herausforderungen nachzugehen. Die Leitung der Finanzen wird künftig Wolf Lehmann übernehmen. Er bringt einschlägige Erfahrung als ehemaliger Operating Partner bei der Beteiligungsgesellschaft Triton mit, wo er unter anderem den Börsengang des Industrierecyclers Befesa begleitete.
Die Börse reagierte auf die Nachricht mit Optimismus: Zum Wochenschluss verzeichnete die Aktie von Gerresheimer einen Anstieg um eineinhalb Prozent, obwohl sie zuvor den tiefsten Stand seit 2014 erreicht hatte. Angesichts eines Minus von fast 40 Prozent im bisherigen Jahresverlauf zählen die Papiere zu den schwächsten im MDax.
Analyst Pallav Mittal von Barclays bemerkte, dass der Managementwechsel längst überfällig sei. Die bisherigen Führungsinitiativen wurden als zu optimistisch eingeschätzt und führten wiederholt zu revidierten Zielen ohne spürbaren Fortschritt. Vor diesem Hintergrund wird der neue Finanzchef von den Aktionären wohlwollend erwartet.
Zuletzt stagnierte das Wachstum bei Gerresheimer, insbesondere der Kosmetikbereich kämpfte mit einer schwächelnden Nachfrage. Auch die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr, das bis Ende November andauert, wurden zweimal nach unten korrigiert. Bereits im Juli wurden die mittelfristigen Wachstumsziele angepasst.
Der Konzern verzichtete zudem auf angestrebte Übernahmen, da diese nicht im besten Interesse des Unternehmens und seiner Stakeholder lagen. Dies führte zu Forderungen der Analysten nach neuen langfristigen Strategien. Eine entscheidende Maßnahme erfolgte Anfang August, als der Verkauf des Behälterglas-Geschäfts angekündigt wurde, um sich stärker auf die Pharma- und Biotechbrache zu fokussieren.

