Tschechien verabschiedet sich vom Steinkohlebergbau
Der historische Abschied vom Steinkohlebergbau in Tschechien markiert das Ende einer Ära. Am Mittwoch wurde im Bergwerk CSM in Stonava im Osten Tschechiens die symbolische letzte Lore mit Kohle aus einer Tiefe von 1300 Metern an die Oberfläche gefördert, während zahlreiche Gäste der feierlichen Zeremonie beiwohnten und der Industrievergangenheit der Region gedachten.
OKD, das staatliche Bergbauunternehmen, führt die Schließung auf die hohen Kosten zurück, die den Betrieb des letzten Steinkohletiefsbaus wirtschaftlich unrentabel machen. Generaldirektor Roman Sikora unterstrich die Bedeutung dieses Moments, indem er die Bergleute der letzten fast 250 Jahre ehrte, deren lebensgefährlicher Einsatz das Rückgrat der Region bildete.
Das Bergwerk CSM, ein gelebter Teil tschechischer Industriegeschichte mit über einer Million Metern an Stollen und Gängen, war Schauplatz bedeutender Ereignisse. So fand 1992 in 900 Metern Tiefe eine Hochzeit statt, und bereits 1991 besuchte Vaclav Havel, der ehemalige Präsident und Dramatiker, das Bergwerk.
In der schwer vom Bergbau geprägten Region Mährisch-Schlesien endet mit der Schließung des Bergwerks eine Epoche. Während etwa 700 Angestellte noch an der Stillegung beteiligt sind, bietet der Staat den restlichen Beschäftigten Umschulungen an. 2018 hatte Deutschland sein letztes Steinkohlenbergwerk bereits geschlossen. Der Ausstieg aus dem Braunkohleabbau soll in Tschechien hingegen erst 2033 erfolgen.

