Trumps Einwanderungskurs verschärft Arbeitskräftemangel in US-Fleischindustrie
Die US-Fleischverarbeiter kämpfen mit akuten Personallücken, seit Präsident Donald Trump im Juni das sogenannte CHNV-Programm beendet hat. Über dieses konnten Migranten aus Kuba, Haiti, Nicaragua und Venezuela für zwei Jahre legal im Land arbeiten. Laut Branchenverband Meat Institute entfielen bis zu 20 Prozent der rund 510.000 Beschäftigten in der Fleischverarbeitung auf diese Regelung.
In der Folge mussten mehrere Produzenten hunderte Mitarbeiter entlassen: JBS, der weltgrößte Fleischkonzern, trennte sich von über 200 Beschäftigten in seinem Werk in Ottumwa, Iowa, während American Foods Group rund 80 Haitianer in Minnesota abbaute. Auch Tyson Foods, das in Wisconsin massiv auf haitianische Arbeitskräfte setzte, verlor auf einen Schlag rund 100 Mitarbeiter.
Die Lücken lassen sich trotz vergleichsweise hoher Löhne von im Schnitt 17 Dollar pro Stunde, ergänzt um Gesundheitsleistungen und Studienzuschüsse, kaum schließen. „Jedes Werk ist betroffen“, sagte Mark Lauritsen von der Gewerkschaft UFCW. Branchenvertreter warnen, dass fehlende Arbeitskräfte Produktionslinien verlangsamen und das ohnehin knappe Angebot weiter reduzieren könnten.
Ökonomen rechnen deshalb mit steigenden Preisen im Supermarkt. Schon jetzt sind die Rindfleischpreise auf Rekordniveau, während der US-Rinderbestand auf den niedrigsten Stand seit 1973 gefallen ist. „Es entsteht ein Flaschenhals für das Wachstum“, erklärte Steven Deller von der University of Wisconsin. „Hätten wir die Arbeitskräfte, würde die Wirtschaft deutlich schneller expandieren.“
Die Fleischindustrie drängt auf die Ausweitung bestehender Gastarbeiterprogramme, bislang ohne Erfolg. Für betroffene Migranten bedeutet das Auslaufen der Programme existenzielle Einschnitte. „Wo immer ich gearbeitet habe, ist meine Stelle bis heute unbesetzt“, sagte ein Haitianer aus Wisconsin, dem nach dem Entzug seiner Arbeitserlaubnis die Abschiebung droht.

