Trump widerspricht Pentagon – US-Schläge auf Iran sorgen für Streit über Zerstörungskraft
Trotz gegenteiliger Einschätzung des Pentagon hält US-Präsident Donald Trump an seiner Darstellung fest, die amerikanischen Luftangriffe auf Irans Atomanlagen hätten diese „vollständig zerstört“. Laut einem geheimen Bericht der Defense Intelligence Agency (DIA) ist jedoch zweifelhaft, ob die Kernkomponenten des iranischen Nuklearprogramms – insbesondere unterirdisch installierte Zentrifugen – überhaupt getroffen wurden.
Die US-Streitkräfte hatten am 22. Juni erstmals sogenannte bunker-buster-Bomben vom Typ GBU-57 eingesetzt. Ziel waren die Nuklearstandorte Fordow, Natanz und Isfahan. Die Angriffe folgten auf eine Eskalation zwischen Israel und Iran, in die sich Washington direkt eingeschaltet hatte. Satelitendaten zeigen zwar massive Oberflächenschäden, liefern aber keinen eindeutigen Beweis für eine Zerstörung der tief gelegenen Atominfrastruktur.
Die DIA geht laut einem informierten Beamten davon aus, dass Irans Programm um mehrere Monate, möglicherweise bis zu einem Jahr zurückgeworfen wurde – von einer vollständigen „Obliteration“, wie Trump sie behauptet, ist nicht die Rede. Die Einschätzung wurde führenden Kongressmitgliedern bereits vorgelegt.
Auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigt eine „signifikante Beeinträchtigung“, lässt aber offen, ob diese dauerhaft ist. Direktor Rafael Grossi betonte, man müsse schnell wieder Zugang zu den Anlagen erhalten, um die Lage um Irans 60 % angereichertes Uran – nahe an Waffenfähigkeit – zu überprüfen. Seit dem 13. Juni fehlen belastbare Informationen über deren Verbleib.
Trump reagierte am Dienstag mit einem Frontalangriff auf die Berichterstattung: Die Einschätzung des Pentagons sei „völlig falsch“, schrieb er auf Truth Social. CNN und die New York Times, die zuerst über den DIA-Bericht berichteten, seien „Teil einer Kampagne zur Herabwürdigung eines der erfolgreichsten Militärschläge der Geschichte“.
Israelische Stellen wiederum sehen das Ziel erreicht: Militärchef Eyal Zamir erklärte, die Angriffe hätten Irans Nuklear- und Raketenprojekte „um Jahre zurückgeworfen“. Premierminister Netanyahu sagte, die akute Bedrohung sei „eliminiert“ – fügte aber hinzu, der Konflikt sei nicht vorbei.
Die Waffenruhe zwischen Iran und Israel, die Trump wenige Tage nach den Angriffen vermittelte, hält bislang – auch wenn sie mehrfach auf die Probe gestellt wurde. Trumps Sondergesandter Steve Witkoff betonte gegenüber Fox News, dass Gespräche mit iranischen Vertretern über eine Wiederaufnahme von Verhandlungen zur Atomfrage „bereits laufen“.
Vor dem Angriff hatte es fünf Gesprächsrunden zwischen Washington und Teheran gegeben, mit dem Ziel, ein Nachfolgeabkommen für das von Trump 2018 aufgekündigte Nukleardeal von 2015 zu erreichen. Eine sechste Runde war geplant, wurde jedoch durch die israelischen Luftschläge unterbrochen.

