Trump stellt Palästinensern eigenen Staat in Aussicht

28. Januar 2020, 21:36 Uhr · Quelle: dpa

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump stellt den Palästinensern in seinem Nahost-Plan einen eigenen Staat in Aussicht - allerdings unter erheblichen Zugeständnissen.

Der Plan solle zu einer «realistischen Zwei-Staaten-Lösung» für Israel und die Palästinenser führen, sagte Trump am Dienstag bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus. Netanjahu sagte an die Adresse Trumps: «Ihr Deal des Jahrhunderts ist die Gelegenheit des Jahrhunderts. Seien Sie versichert, dass Israel diese Gelegenheit nicht verpassen wird.» Der Plan wurde mit monatelanger Verzögerung veröffentlicht.

Netanjahu sagte, wenn die Palästinenser Frieden mit Israel schlössen und sich an die Vorgaben des Plans hielten, sei Israel «auf der Stelle» zu Verhandlungen bereit. Die Palästinenserführung hatte den Plan bereits vorab als Verstoß gegen UN-Resolutionen und geltendes Völkerrecht zurückgewiesen. Sie wirft Trump vor, in dem Konflikt einseitig Partei für Israel zu ergreifen, und boykottiert deshalb die Zusammenarbeit. Die Palästinenser haben zu einem «Tag des Zorns» nach der Veröffentlichung des Plans aufgerufen.

Die Punkte im Einzelnen:

SIEDLUNGEN: Trump betonte, dass «keine Israelis oder Palästinenser aus ihren Häusern vertrieben werden». Netanjahu sagte, der Plan erkenne die israelische Souveränität über alle israelischen Siedlungen im Westjordanland sowie das Jordantal an. In mehr als 200 Siedlungen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem leben heute mehr als 600.000 Israelis. Israels Channel 12 sagte, laut Trumps Plan sollten 70 Prozent des Westjordanlands Teil eines palästinensischen Staates werden. 30 Prozent werde Israel sich einverleiben. Nach Medienberichten will Israels Regierung schon am Sonntag über die Annektierung des Jordantals und der israelischen Siedlungen abstimmen.

JERUSALEM: Der US-Präsident betonte, Jerusalem werde die «ungeteilte Hauptstadt Israels» bleiben. Allerdings sagte er auch, dass die Palästinenser eine Hauptstadt in Ost-Jerusalem haben werden. Die USA würden dort «stolz» eine Botschaft eröffnen. Der Plan spricht davon, dass die palästinensische Hauptstadt «einige Teile von Ost-Jerusalem» beinhalten soll. Der Status quo bezüglich des Juden und Muslimen heiligen Tempelbergs (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) soll beibehalten werden. Jordanien, das bereits bisher mit den Palästinensern für die Verwaltung der heiligen Stätten zuständig ist, soll weiter die Verantwortung dafür tragen.

GRENZEN: Nach Aussage von Trump werde es erstmals eine «konzeptionelle Landkarte» geben, die aufzeigen werde, wo Israel zu Zugeständnissen bereit sei. Die USA würden sich dafür einsetzen, dass die Palästinenser ein zusammenhängendes Territorium bekommen. Das Gebiet der Palästinenser werde sich mehr als verdoppeln. Die für einen künftigen Palästinenserstaat ausgewiesenen Flächen sollten in den kommenden vier Jahren unberührt bleiben, damit die Palästinenser die Anforderungen für einen eigenen Staat erfüllen können.

PALÄSTINENSISCHE FLÜCHTLINGE: Netanjahu sagte, der Plan mache klar, das Problem der palästinensischen Flüchtlinge müsse außerhalb Israels gelöst werden. Der Plan spricht davon, dass die Flüchtlinge die Wahl erhalten sollen, sich in dem neu gegründeten Palästinenserstaat niederzulassen, in den Ländern zu bleiben, in denen sie leben, oder in Drittländer umzuziehen. Die Zahl der Palästinenser, die 1948 im ersten Nahostkrieg flüchteten, sowie ihrer Nachkommen beträgt nach UN-Angaben inzwischen 5,5 Millionen.

ISRAELS SICHERHEIT: Trump sagte, die USA strebten eine Zwei-Staaten-Lösung an, die Israels Sicherheit nicht gefährde. Der Plan spricht von einem «entmilitarisierten» Palästinenserstaat. Israel werde die Sicherheitskontrolle über das komplette Gebiet westlich des Jordans behalten - also das Westjordanland. Langfristig sollten die Palästinenser mehr Kontrolle erhalten. Netanjahu sagte, dem Plan nach müsse die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas entwaffnet werden und der Gazastreifen entmilitarisiert. Die Palästinenser müssten Israel als jüdischen Staat anerkennen.

Israel hatte 1967 während des Sechstagekriegs unter anderem das Westjordanland, Ost-Jerusalem und die Golanhöhen erobert. Die Vereinten Nationen stufen die Gebiete als besetzt ein. Aus dem damals ebenfalls eroberten Gazastreifen ist Israel abgezogen. Die Palästinenser wollen in Westjordanland und Gazastreifen einen unabhängigen Staat mit der Hauptstadt Ost-Jerusalem ausrufen.

Bereits vor der Präsentation des Plans demonstrierten am Dienstag Hunderte Palästinenser im Gazastreifen dagegen. Demonstranten liefen mit palästinensischen Flaggen durch die Straßen, wie auf Bildern zu sehen war. Reifen wurden verbrannt, Plakate zeigten US-Präsident Donald Trump mit Vampirzähnen und Hakenkreuz sowie Trump mit einem rot durchgestrichenen Nahost-Plan in den Händen. Israels Armee verstärkte die Truppen im Jordantal im besetzten Westjordanland. Diese Entscheidung sei aufgrund der aktuellen Lageeinschätzung erfolgt, teilte die Armee am Dienstag mit.

Der US-Präsident rief Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zur Zusammenarbeit bei der Umsetzung seines Nahost-Plans auf. An die Adresse Abbas' sagte Trump, sollte dieser «den Weg des Friedens» wählen, könne er auf die Hilfe der USA und anderer Staaten zählen. «Das heutige Abkommen ist eine historische Gelegenheit für die Palästinenser, endlich einen eigenen unabhängigen Staat zu erlangen. Nach 70 Jahren mit wenig Fortschritt könnte dies die letzte Gelegenheit sein, die sie je haben werden.»

Trump sagte den Palästinensern wirtschaftliche Entwicklung zu, sollten sie dem Plan zustimmen. Die USA würden in die Gebiete investieren mit dem Ziel, das Wirtschaftswachstum zu verdoppeln und die Arbeitslosigkeit zu halbieren. Er stellte internationale Investitionen in Höhe von 50 Milliarden Dollar in Aussicht.

Trump nannte den Plan einen «großen Schritt in Richtung Frieden». Es sei ein «langer und schwieriger Prozess» gewesen, den Plan auszuarbeiten. Israel erkläre sich darin erstmals zu konkreten territorialen Kompromissen bereit. Frieden erfordere Kompromisse. Einzig in Bezug auf Israels Sicherheit könne es keine Kompromiss geben. Die Palästinenser müssten Gewalt und Terrorismus entsagen.

Netanjahu sagte, Israel wolle ein besseres Leben für die Palästinenser. Der Plan zeige einen Weg zu einem künftigen Palästinenserstaat auf. «Es kann sehr lange dauern, bis sie das Ende dieses Weges erreichen. Aber wenn die Palästinenser bereit sind, diesen Weg zu gehen, Frieden mit dem jüdischen Staat zu schließen, wird Israel bereit sein, sofort über Frieden zu verhandeln.» Netanjahu sprach von einem «historischen Tag» und nannte Trump erneut den besten Freund, den Israel je im Weißen Haus gehabt habe.

Netanjahu steht wegen einer Korruptionsklage unter Druck. Einen Antrag auf Immunität vor Strafverfolgung, den er zu Jahresbeginn beim Parlament gestellt hatte, zog er am Dienstag wieder zurück. Daraufhin reichte die Generalstaatsanwaltschaft die Anklageschrift beim Gericht in Jerusalem ein. Der Korruptionsprozess gegen Netanjahu wird vermutlich erst nach der Wahl am 2. März beginnen.

Trump war am Montag mit dem rechtskonservativen israelischen Regierungschef und mit dessen Herausforderer Benny Gantz vom Mitte-Bündnis Blau-Weiß in separaten Treffen zusammengekommen, um seinen Plan zu erläutern. Gantz sagte danach, der Plan werde als «bedeutender Meilenstein» auf dem Weg zu einer regionalen Vereinbarung in die Geschichte eingehen. Netanjahu wollte am Mittwoch zu einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach Moskau reisen, um den Nahost-Plan zu besprechen.

Nahost-Plan: Für den «Mülleimer» - oder Weg zum Frieden?

Konflikte / International / Donald Trump / Benjamin Netanjahu / Palästinenser / Nahost-Plan / USA / Palästinensische Autonomiegebiete / Israel
28.01.2020 · 21:36 Uhr
[20 Kommentare]
Italiener Luca Parmitan fliegt 2027 bei «Artemis 3» mit
Houston (dpa) - Als erster Europäer fliegt nicht wie vorab angekündigt ein Deutscher bei einer «Artemis»-Mondmission der Nasa mit, sondern überraschend ein Italiener. Luca Parmitano sei als einer von vier Astronauten für die Mission «Artemis 3» ausgewählt worden, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Auch dass schon bei «Artemis 3» und nicht erst bei […] (03)
vor 39 Minuten
Anthony Guidera und Natasha Henstridge bei den MTV Movie Awards 1996
(BANG) - 'Species'-Star Anthony Guidera ist im Alter von 65 Jahren gestorben, nachdem er mehrere Wochen an lebenserhaltenden Maschinen gehangen hatte. Der amerikanische Schauspieler brach am 11. Mai in seinem Haus in Südkalifornien zusammen und wurde ins Krankenhaus gebracht, nachdem sein Herz plötzlich aufgehört hatte zu schlagen. Guidera verbrachte […] (01)
vor 5 Stunden
KI-Firma Anthropic
San Francisco (dpa) - Der OpenAI-Rivale Anthropic macht die Technologie hinter seinem aufsehenerregenden KI-Modell Mythos mit Einschränkungen breiter zugänglich. Bei der unter dem Namen Claude Fable 5 veröffentlichten Software wird unter anderem verhindert, dass sie sich mit Cybersicherheit und Biotechnologie beschäftigt. Vor einigen Monaten hatte das […] (01)
vor 2 Stunden
Grand Gourmet bringt Geschmack in die Grand Line – ONE PIECE‑Release im Oktober
Entwickler Kairosoft Inc. geben bekannt, dass ONE PIECE: Grand Gourmet Spielende ab dem 23. Oktober 2026 einlädt, zu einer kulinarischen Reise aufzubrechen. Das Management-Simulationsspiel wird für Nintendo Switch 2, Nintendo Switch, PC (via Steam), im App Store und bei Google Play verfügbar sein. Willkommen an Bord der Baratie Nummer 2, wo Spielende […] (00)
vor 24 Minuten
Hollywood-Star Tim Allen hat es genossen, zur 'Toy Story'-Reihe zurückzukehren.
(BANG) - Tim Allen dachte, nach dem dritten Film sei 'Toy Story' vorbei. Der 72-jährige Schauspieler spricht seit 1995 die Figur Buzz Lightyear in der Filmreihe, konnte sich jedoch nach 'Toy Story 3' aus dem Jahr 2010 nicht vorstellen, die Rolle jemals wieder zu übernehmen. Nun leiht Tim für 'Toy Story 5' erneut Buzz Lightyear seine Stimme. "Ich dachte, […] (00)
vor 5 Stunden
Alba Berlin - Bamberg Baskets
Berlin (dpa) - Alba Berlin steht dank eines deutlichen Sieges gegen die Bamberg Baskets im Finale um die deutsche Meisterschaft. Die Berliner gewannen unter den Augen der NBA-Stars Franz und Moritz Wagner am Dienstagabend vor 8861 Zuschauern in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle das entscheidende Halbfinalspiel gegen Bamberg Baskets mit 97: 66 (52: […] (00)
vor 31 Minuten
bitcoin, money, finance, cryptocurrency, coin, currency, blockchain, bank, banking, business
Die technische Analyse des Bitcoin-Kurses auf Tagesbasis zeigt, dass sich die Kryptowährung in einer Widerstandszone befindet, in der frühere Erholungsversuche gescheitert sind. Diese Zone stellt einen entscheidenden Punkt für die nächste Marktphase dar. Aktuell notiert Bitcoin bei etwa $62.950, wobei die Bullen versuchen, sich nach einem kürzlichen […] (00)
vor 42 Minuten
Textilverarbeitung auf ganzer Linie: Vollintegrierte Produktion steht zum Verkauf
Pöcking, 09.06.2026 (PresseBox) - Die europäische Textilindustrie durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Durch steigende Produktionskosten, globalen Wettbewerbsdruck und veränderte Marktanforderungen sind großflächige Fertigungsstandorte mittlerweile Exoten im europäischen Raum. Einige erfolgreiche Produktionsstätten haben lange die Stellung gehalten – so wie das Textilverarbeitungswerk von BTB […] (00)
vor 5 Stunden
 
Eurojackpot
Helsinki - In der Dienstags-Ausspielung des Eurojackpots wurden am Abend die […] (02)
Italiener fliegt bei nächster «Artemis»-Mission mit
Houston (dpa) - Früher als bisher vorgesehen wird Europa erstmals mit einem eigenen […] (03)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Am Dienstag hat der Dax nachgelassen. Zum Xetra-Handelsschluss wurde […] (00)
Beliebteste Vornamen
Wiesbaden (dpa) - Sophia und Noah führen die Rangliste der beliebtesten Vornamen für […] (03)
EXODUS beeindruckt mit neuem Gameplay‑Reveal – Future Games Show liefert frische Eindrücke
Archetype Entertainment, ein Hasbro-Studio, hat offiziell einen erweiterten Gameplay- […] (00)
Fußball-WM 2026 - Pressekonferenz Deutschland
Winston-Salem (dpa) - Rudi Völler spürt bei den Nationalspielern eine große Vorfreude […] (01)
Der Einfluss der Selbstbefriedigung auf die Gesundheit
Masturbation ist in der Gesellschaft immer noch ein Tabuthema, bei Frauen mehr als […] (03)
watchOS 27: Neues Workout- und Schlaftracking
Das kommende Betriebssystem watchOS 27 spendiert der Apple Watch vielseitige Upgrades […] (00)
 
 
Suchbegriff