Trump interveniert mit „Golden Share“: U.S. Steel unter politischem Einfluss
U.S. Steel hatte gerade eine zukunftsweisende Transaktion mit Japans Nippon Steel unter Dach und Fach gebracht, als die Trump-Administration mit einer überraschenden Richtungsänderung für Furore sorgte. Die Einführung einer "Golden Share" – eine Art Vetorecht bei bestimmten Unternehmensentscheidungen – war eine unumgängliche Bedingung für die Zustimmung des Weißen Hauses zur Übernahme von U.S. Steel durch Nippon Steel im Wert von 14,1 Milliarden Dollar im Juni. Diese Macht nutzte der Präsident prompt, um die geplante Schließung eines Stahlwerks in Granite City, Illinois, zu verhindern, wie das Wall Street Journal berichtete.
U.S. Steel hatte die Schließung des Werks und somit die Entlassung von 800 Beschäftigten für November angekündigt, obwohl das Unternehmen zugesichert hatte, die Angestellten weiter zu entlohnen. Dies jedoch stieß auf die Entschlossenheit des Handelsministers Howard Lutnick, der U.S. Steel-CEO Dave Burritt of the Plan in Kenntnis setzte und einen Betriebsstopp verhinderte. Lutnick bezeichnete die geplante Auszahlung der Gehälter ohne laufenden Betrieb in einem Interview als „Unsinn“.
In kürzester Zeit änderte U.S. Steel den Kurs und betonte, dass man eine Lösung gefunden habe, um den Betrieb in Granite City fortzusetzen. Die Trump-Administration kommentierte das Geschehen bislang nicht.
Gewerkschaftsführer hatten Bedenken gegen die Übernahme durch Nippon Steel geäußert und gewarnt, dass heimische Werke zugunsten von Stahlimporten aus dem Ausland schließen könnten. Jedoch konnte Trump durch sein Eingreifen eine solche Entwicklung verhindern. Mit dem nationalen Sicherheitsabkommen erhielt die Regierung weitreichende Befugnisse bei Unternehmensentscheidungen, die von Werksschließungen bis Gehaltsanpassungen reichen.
Neben diesem Fall ist die Regierung auch in der Chip-Branche aktiv. So stimmten Nvidia und AMD zu, 15% ihres Umsatzes aus China-Geschäften an die Regierung abzuführen. Des Weiteren akquirierte die Regierung Anteile an Intel und MP Materials, um Einfluss in den strategischen Industrien zu sichern. Solche Maßnahmen lenken nun verstärkt die Aufmerksamkeit auf potenzielle politische Risiken, die von regulatorischen Eingriffen bis zu präsidialen Weisungen reichen können.
Obwohl "Golden Share"-Konzepte in anderen Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Brasilien und China historisch etabliert sind, ist die interventionistische Haltung der USA bemerkenswert. Die temporäre Befreiung für die Belegschaft von Granite City verschafft der lokalen Wirtschaft zwar eine Atempause, doch die langfristige Wirkung bleibt abzuwarten.

