Troy Baker will eigenes Entwicklerstudio gründen – und hat gelernt, wie man es richtig macht
Troy Baker gehört zu den bekanntesten Stimmen der Spielebranche – Higgs Monaghan in Death Stranding 2: On the Beach, Indiana Jones in Indiana Jones and the Great Circle, Joel in The Last of Us. Jetzt verrät der Ausnahmesprecher, dass er nicht mehr nur fremde Visionen verkörpern will. Baker plant ein eigenes Studio – und nennt Namen, die in der Branche echtes Gewicht haben.
Baker sammelt bei Kojima, Druckmann und Howard – und will das Gelernte selbst einsetzen
In einem Interview mit Kinda Funny Games macht Baker klar, was ihn antreibt: Er hat mit den besten Köpfen der Industrie zusammengearbeitet – Ken Levine, Hideo Kojima, Neil Druckmann, Todd Howard, Vince Zampella – und will diese Erfahrungen nicht einfach im Archiv verschwinden lassen. „Ich will meine eigenen Geschichten erzählen“, sagt Baker direkt. Er beschreibt den Plan explizit: ein Team aufbauen, Menschen, denen er vertraut, seine Ideen vorlegen – mit dem klaren Ziel, dass sie diese besser machen. Das klingt weniger nach einem Hobby-Projekt und mehr nach einem echten Gründer-Mindset.
Wer Bakers Karriere kennt, versteht, warum das kein leeres Gerede ist. Der Mann hat Jahrzehnte in Projekten verbracht, die den Standard für narratives Game-Design gesetzt haben. The Last of Us, BioShock Infinite, Uncharted – Baker war nie nur Stimme, sondern immer auch Teil eines kreativen Prozesses, der weit über Sprachaufnahmen hinausgeht. Motion-Capture-Arbeit, enge Zusammenarbeit mit Regisseuren, Charakterentwicklung auf Augenhöhe mit den Autoren: Das ist sein Fundament.
Abubakar Salim zeigt den Weg vom Synchronsprecher zum Spieleentwickler
Als konkretes Vorbild nennt Baker Abubakar Salim – der Sprecher hinter Assassin’s Creed Origins-Protagonist Bayek gründete Surgent Studios und veröffentlichte Tales of Kenzera: Zau, ein handwerklich solides Action-Platformer-Debüt. „Ich habe sein Spiel ausgiebig gespielt“, sagt Baker. „Er hat eine tiefe Leidenschaft für Spiele und hat daraus ein großartiges Geschäftsmodell gemacht.“ Das ist der Weg, den Baker vor Augen hat: kein Ego-Projekt, das nach drei Jahren in der Early-Access-Hölle stirbt, sondern ein Studio mit Struktur, Vision und dem nötigen Respekt für die Menschen, die darin arbeiten.
Kein Schnellschuss – Baker baut lieber richtig als früh
Was Baker von den üblichen Ankündigungen à la „Ich gründe jetzt ein Studio“ abhebt: Er bremst sich bewusst selbst. Gegenüber Eurogamer betont er, dass er es richtig machen will, nicht schnell. „Wenn ich ein Studio aufbaue, in dem andere Menschen für meine Entscheidungen verantwortlich sind, muss ich die richtigen treffen.“ Das ist eine Reife, die man in der Branche selten hört – erst recht nicht von jemandem, der den Hype um seinen Namen locker für schnelle Kapitalrunden nutzen könnte.
Zuletzt lieh Baker Jack Pepper in Mouse: P.I. for Hire seine Stimme – und trat als Mr. A in Screamer, Timmy Timtim in Rick and Morty und David in der Realverfilmung des Horrorspiels Iron Lung auf. Die Bandbreite zeigt: Baker sucht schon lange keine sicheren Rollen mehr, sondern Grenzfälle – genau die Mentalität, die ein Studio braucht, das wirklich Neuland betreten will.


