Trockenheit im Winter: Ein stilles Risiko für den Wasserkreislauf in Deutschland
Aktuelle Analysen von Hydrologen zeichnen ein besorgniserregendes Bild von der Wasserlage in Deutschland. Trotz häufiger Schneefälle ist der Winter aus Sicht von Experten bisher zu trocken, was möglicherweise Konsequenzen für die Zukunft haben könnte. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung betont, dass Dürre im Winter oft unbemerkt bleibt, obwohl die Böden aktuell trockener als üblich sind. Er leitet den Deutschen Dürremonitor, welcher regelmäßig Einblick in den Feuchtigkeitsgehalt der Böden in Deutschland bietet.
Ein genauerer Blick auf das hydrologische Winterhalbjahr—von November bis April—offenbart beunruhigende Daten. Der November war in großen Teilen Deutschlands, und der folgende Dezember nahezu flächendeckend, zu trocken. In Mitteldeutschland fielen nur 40 Prozent des üblichen Niederschlags, während der Norden und Süden Deutschlands von dieser Trockenheit weitgehend verschont blieben. Diese klimatischen Anomalien haben zu einer Verzögerung des Anstiegs der Grundwasserstände geführt.
Trotz aktueller Schneefälle steht Deutschland vor einem hydrologischen Dilemma. Gefrorene Böden verhindern das Eindringen von Schmelzwasser, was zu ungenutztem Wasserabfluss und potenziell zu Überschwemmungen führen kann. Nach Marx wäre Regen bei milden Temperaturen weitaus förderlicher für die Grundwasserneubildung. Er sieht keine sofortigen Schäden durch die Trockenheit, äußert jedoch Bedenken hinsichtlich des weiteren Verlaufs des Jahres. Die kommenden Monate Februar bis April könnten eine entscheidende Rolle bei der Erholung des Wasservorrats spielen. Besonders sensibel reagiert der Wasserhaushalt auf einen weiteren trockenen und heißen Sommer, der vor allem die Wälder in arge Bedrängnis bringen könnte.

