Traurige Gewissheit: Mirco ist tot

27. Januar 2011, 21:39 Uhr · Quelle: dpa

Mönchengladbach (dpa) - Nun ist es traurige Gewissheit: Der zehnjährige Mirco aus Grefrath ist tot. Sein mutmaßlicher Peiniger sitzt schon in Untersuchungshaft. Die Polizei fand die Leiche des Jungen und verdächtigt einen mehrfachen Vater, das Kind umgebracht zu haben.

Das Schicksal des im September verschwundenen Jungen vom Niederrhein sei geklärt, teilte die Staatsanwaltschaft in Krefeld am Donnerstag mit. Ein Richter erließ Haftbefehl. Ein Polizeisprecher nannte den Fall Mirco am Abend im WDR-Fernsehen «abgeschlossen» und sprach davon, dass der «Fall geklärt» sei.

Der Vater aus dem Kreis Viersen war am Mittwoch festgenommen und am Donnerstag als dringend tatverdächtig eingestuft worden. Das Nachrichtenportal der Zeitung «Rheinische Post», «RP Online», berichtete, der 45-Jährige stamme aus Schwalmtal und habe die Tat bereits am Mittwoch gestanden. Sein Wagen habe ein Münsteraner Kennzeichen, er arbeite bei einem Bonner Konzern. Die Behörden wollten dies zunächst nicht bestätigen.

Die Ermittler waren seit langem von einem Sexualmord ausgegangen. Der VW Passat des Mannes sei die entscheidende Spur gewesen, gab die Polizei nun bekannt. Er habe am Mittwoch zur Festnahme geführt. «Wir haben von Anfang an gesagt: Wenn wir den richtigen VW Passat in der Kontrolle haben, dann wird uns das zum Täter führen», sagte Polizeisprecher Peter Spiertz. Die Polizei war in den vergangenen Monaten mit der Überprüfung von mehreren Tausend VW Passat beschäftigt, die ins Fahndungsraster passten.

Informationen, wonach der Verdächtige versucht haben soll, das Auto ins Ausland zu verkaufen, bestätigte die Polizei nicht. Die 65-köpfige Sonderkommission ermittle aber unter Hochdruck sämtliche Ansätze, die sich nach der Festnahme des Mannes am Mittwoch ergeben hätten. «Wir haben uns dem Verdächtigen aus vielen Richtungen genähert», sagte Spiertz.

Die Ermittler wollten ihre Ergebnisse am Freitag um 11 Uhr bei einer Pressekonferenz in Mönchengladbacher Polizeipräsidium bekannt geben. Am Mittwoch hatte die Polizei sich noch äußerst zurückhaltend gezeigt und lediglich von einer weiteren Festnahme gesprochen. Auch frühere Festnahmen in dem Fall habe man «sehr diskret abgearbeitet». «Das war sicher auch gut so, denn in diesen Fällen hatte sich schnell die Unschuld der Verdächtigen erwiesen», sagte ein Polizeisprecher.

Mirco war vor fast fünf Monaten, am 3. September 2010, im Alter von zehn Jahren auf dem Nachhauseweg entführt worden. Mit einer der größten Suchaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik hatten zeitweise 1000 Polizisten nach dem Kind gesucht. Auch Tornado-Aufklärungsjets der Bundeswehr und Drohnen kamen zum Einsatz.

Die Polizei hatte tausende Hinweise aus der Bevölkerung erhalten und sich immer wieder zuversichtlich gezeigt, den Täter doch noch ermitteln zu können. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Junge einem Sexualmord zum Opfer gefallen ist.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) dankte allen Ermittlern der «Soko Mirco» für ihr großes Engagement. Sie seien mehr als 9000 Spuren nachgegangen. «Unsere Gedanken sind aber auch bei Mircos Eltern, den Angehörigen und Freunden. Sie haben quälende Monate der Ungewissheit erleiden müssen, die jetzt vorüber sind.»

Nach der bisherigen Rekonstruktion des Verbrechens hatte der Täter Mirco auf dem Heimweg von einer Skater-Anlage an einer einsamen Stelle östlich von Grefrath abgepasst und mit seinem Auto entführt. Mircos Fahrrad blieb zurück, wurde von ahnungslosen Passanten entdeckt, mitgenommen, gesäubert und erst nach Bekanntwerden des Verbrechens der Polizei übergeben.

In einem Bogen soll der Entführer dann in einem VW Passat Kombi nördlich um Grefrath herumgefahren sein. Spezielle Spürhunde hatten Mircos Fährte noch kilometerweit verfolgt. In der Nähe eines Klosters bei Wachtendonk nördlich von Grefrath vernahmen Nonnen in der Tatnacht einen markerschütternden Schrei. Auf der anderen Seite von Grefrath fanden sich später Kleidungsstücke des Jungen und nach Wochen auch sein Handy. Fingerabdrücke des Täters fanden sich nicht.

Obwohl die Polizei-Hundertschaften ein mehr als 50 Quadratkilometer großes Gebiet zum Teil mehrfach durchkämmten, blieb der Junge verschwunden. Auch ein bewegender Aufruf von Mircos Eltern im Fernsehen konnte den Täter nicht dazu bewegen zu verraten, wo er den Jungen versteckt hat.

Kriminalität / Kinder
27.01.2011 · 21:39 Uhr
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