Transatlantisches Zollpuzzle: Die Suche nach dem richtigen Ton
Die jüngsten Entwicklungen um das verspätete Inkrafttreten der neuen US-Zölle für europäische Importe werfen Fragen auf, bleiben jedoch seitens der EU-Kommission weitgehend unkommentiert. Offizielle Reaktionen auf Anfragen blieben aus, denn in Brüssel verweist man stattdessen auf soziale Medien. Hier hatte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic die positiven Effekte der neuen 15-Prozent-Zollobergrenze besprochen und betont, wie diese die Stabilität und das Vertrauen in die transatlantische Wirtschaft stärkt. Profitieren sollen vor allem die europäischen Exporteure, die sich dank der neuen Regelungen in einer vorteilhafteren Position wähnen.
Diese positive Einschätzung gerät jedoch ins Wanken, da am vergangenen Wochenende noch angenommen wurde, dass die Obergrenze pünktlich zum 1. August umgesetzt würde. Die hohe Erwartungshaltung betraf insbesondere die Hoffnung, die aktuellen Sonderzölle auf Autos und Autoteile in Höhe von 27,5 Prozent zu senken. Doch die vom US-Präsidenten Donald Trump unterzeichnete Verordnung spricht nur von sogenannten "reziproken" Zöllen, die nun erst eine Woche später in Kraft treten sollen. Die als "reziprok" bezeichneten Maßnahmen sollen Ungleichgewichte im internationalen Handel ausmerzen.
Die Unsicherheit über den weiteren Fortgang ist spürbar. Theoretisch könnte die EU ihrerseits zugesagte Handelserleichterungen, wie die vollständige Abschaffung der Einfuhrzölle auf US-Industriegüter, zurückhalten. Auch der Zugang zu EU-Märkten für begrenzte Mengen an Fischereierzeugnissen und bestimmten Agrarprodukten, wie Getreide und Nüsse, könnte auf der Verhandlungstafel bleiben. Gleichzeitig stehen auch der Abbau sogenannter nichttarifärer Handelshemmnisse, etwa über gemeinsame Normen im Automobilbereich, zur Debatte. Ein konkreter Zeitplan bleibt bislang aus, dennoch betont die EU-Kommission die dringende Notwendigkeit, zügig Fortschritte zu erzielen, um Zuverlässigkeit auf beiden Seiten des Atlantiks zu fördern.

