Umstrittene Entscheidung

Todesstrafe für Terroristen: Gesetz in Israel vor Prüfung

31. März 2026, 13:04 Uhr · Quelle: dpa
Knesset billigt Einführung der Todesstrafe für Terroristen
Foto: Itay Cohen/AP/dpa
Das israelische Parlament hat die Todesstrafe für Terroristen gebilligt.
Israels neues Gesetz zur Todesstrafe für Terroristen sorgt international für scharfe Kritik. Kann die umstrittene Regelung vor dem höchsten Gericht Bestand haben?

Jerusalem (dpa) - Ein international heftig kritisiertes Gesetz in Israel über die Einführung der Todesstrafe für Terroristen steht nun vor einer Prüfung durch das höchste Gericht des Landes. Ein juristischer Experte geht davon aus, dieses könnte den kontroversen Vorstoß kippen. 

Das israelische Parlament hatte das Gesetz am Montag mit knapper Mehrheit gebilligt. Es sieht vor, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel die Todesstrafe oder lebenslange Haft verhängt werden kann. Vor israelischen Militärgerichten in den palästinensischen Gebieten ist die Todesstrafe in solchen Fällen sogar zwingend, sie muss bei Verurteilung binnen 90 Tagen durch Erhängen durch einen Gefängniswärter vollstreckt werden. 

Kritiker sehen das Gesetz als rassistisch an, weil es de facto nur Palästinenser betrifft. Der Vorstoß von der Partei des rechtsextremen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir wird auch vom rechtskonservativen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unterstützt. 

Ben-Gvir: «Wir haben Geschichte geschrieben»

Ben-Gvir und Gleichgesinnte feierten nach Verabschiedung des Gesetzes überschwänglich und schenkten Sekt in Plastikgläsern aus. «Wir haben Geschichte geschrieben», sagte er anschließend in einer Videobotschaft. «Ein Terrorist, der zum Töten geht, soll wissen: Er wird an den Galgen kommen», sagte der Polizeiminister. «Und ich sage den Vertretern der Europäischen Union, die Druck ausgeübt und Israel bedroht haben: Wir haben keine Angst, wir geben nicht nach. In unserem Land, mit unserer Souveränität, werden wir unsere Bürger schützen.»

Heftige internationale Kritik 

International gab es scharfe Kritik an dem Gesetz. Auch die Bundesregierung sieht die Verabschiedung mit «großer Sorge». Die Ablehnung der Todesstrafe sei ein grundsätzliches Merkmal der deutschen Politik, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin mit. Die Bundesregierung sei zusätzlich besorgt, dass ein solches Gesetz «wohl ausschließlich auf Palästinenser in den palästinensischen Gebieten Anwendung finden würde», fügte Kornelius hinzu. «Deshalb bedauert sie die Entscheidung der Knesset und kann sie nicht gutheißen.»

Die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, Petra Bayr, teilte mit, die Abstimmung gefährde Israels Beobachterstatus bei der Parlamentarischen Versammlung der Menschenrechtsorganisation «ernsthaft». Die Mitglieder würden voraussichtlich am 22. April bei ihrer Debatte über die Abschaffung der Todesstrafe auch über das neue Gesetz sprechen, kündigte Bayr an. Israel entferne sich von den Werten des Europarates, der sich entschieden gegen die Todesstrafe ausspreche.

Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien hatten bereits vor der Abstimmung «tiefe Besorgnis» über den Gesetzentwurf geäußert und die Todesstrafe als unmenschlich, erniedrigend und wirkungslos bezeichnet. Ihre Aufforderung, die Pläne aufzugeben, blieb jedoch erfolglos.

Amnesty: Gesetz festigt «System der Apartheid»

Amnesty International forderte die sofortige Aufhebung des Gesetzes und rief die internationale Gemeinschaft zu «maximalem Druck» auf Israel auf. Wenn sie gegen Palästinenser in den besetzten Gebieten verhängt würden, könnten Todesurteile auch Kriegsverbrechen gleichkommen, erklärte Amnesty-Regionaldirektorin Erika Guevara-Rosas.

Israel hatte die Todesstrafe für Mord im Jahr 1954 abgeschafft und nur in Ausnahmefälle, etwa gegen NS-Verbrecher oder bei Verrat in Kriegszeiten, beibehalten. Die Hinrichtung des deutschen NS-Verbrechers Adolf Eichmann im Jahre 1962 war die letzte Vollstreckung.

Amnesty sprach von einer «Zurschaustellung von Grausamkeit, Diskriminierung und absoluter Missachtung der Menschenrechte» und warf Israel vor, ein «System der Apartheid gegen Palästinenser» zu festigen.

Experte: Höchstes Gericht könnte Gesetz kippen

Aus dem Zwang zur Verhängung der Todesstrafe ergibt sich nach Ansicht von Experte Amir Fuchs vom israelischen Demokratie-Institut ein juristisches Problem. «So etwas gibt es in keiner demokratischen Rechtsordnung: Eine Todesstrafe, die zwingend ist», sagte Fuchs dem israelischen TV-Sender N12. «Es muss immer einen Ermessensspielraum für das Gericht oder die Staatsanwaltschaft bei der Strafbeantragung geben», sagte er. 

Das neue Gesetz gehöre daher für ihn zu «den Dingen, die Gerichte in der Regel aufheben». Selbst in demokratischen Staaten mit Todesstrafe, wie den USA, gebe es keine Todesstrafe als Zwang.

Das neue Gesetz richte sich ausschließlich gegen Terroristen, die Juden angreifen, erklärte Fuchs weiter. Seinen Worten zufolge würde diese Bestimmung einer gerichtlichen Überprüfung wegen Diskriminierung nicht standhalten. Eine Klage des israelischen Bürgerrechtsverbands liegt bereits beim höchsten Gericht.

Vertreter der Opposition hatten den Mitgliedern von Netanjahus rechtsreligiöser Regierung vorgeworfen, sie schadeten mit dem Gesetz wissentlich und ohne Not dem internationalen Ansehen Israels - obwohl es auch ihnen klar sei, dass das höchste Gericht es mit hoher Wahrscheinlichkeit kippen werde.

Konflikte / Krieg / Justiz / Nahost / Israel / Palästinensische Gebiete / Todesstrafe
31.03.2026 · 13:04 Uhr
[3 Kommentare]
Toter Wal vor dänischer Insel Anholt
Berlin (dpa) - Bei dem an der dänischen Küste liegenden toten Buckelwal besteht einem Experten zufolge inzwischen eine hohe Explosionsgefahr. «Der Druck im Innern baut sich immer weiter auf, und irgendwann könnte das Tier mit einem großen Knall in die Luft fliegen», sagt der Walforscher Fabian Ritter der Deutschen Presse-Agentur (dpa). «Eine solche […] (04)
vor 20 Minuten
Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden.
(BANG) - Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden. Das frühere Glamour-Model feierte seinen 48. Geburtstag am Freitag (22. Mai) allein und veröffentlichte in den sozialen Medien ein bewegendes Video mit Fotos von sich und Lee, der seit vergangener Woche nicht mehr gesehen wurde, als er […] (00)
vor 6 Stunden
Apple dominiert Smartphone-Weltmarkt im ersten Quartal 2026
Im ersten Quartal 2026 hat Apple mit dem iPhone die Führung auf dem weltweiten Smartphone-Markt übernommen. Dies berichtet das Marktforschungsunternehmen Counterpoint Research. Das Unternehmen zeichnete für 21 Prozent aller Auslieferungen verantwortlich und verbuchte im Vergleich zum Vorjahr ein […] (00)
vor 4 Stunden
Sony verschweigt die ganze Wahrheit: PS Plus wird plötzlich auf allen Tarifen teurer
Erst hieß es, nur Essential-Neukunden zahlen mehr. Jetzt ist klar: Sony hat bei der Ankündigung der PlayStation Plus Preiserhöhung geschickt getrickst. Denn auch die Luxus-Tarife Extra und Premium werden kräftig angehoben – allerdings nur bei kürzeren Laufzeiten. Ein cleverer Schachzug, der vor allem eines verrät: wohin die Reise mit der PS6 gehen […] (00)
vor 1 Stunde
Lifetime setzt neuen True-Crime-Thriller mit Tia Mowry an
Mit «Single Black Tenant» kehrt Tia Mowry Ende Juni für eine weitere Produktion zum US-Sender Lifetime zurück. Der amerikanische Fernsehsender Lifetime baut seine Reihe „Ripped from the Headlines“ weiter aus und setzt dabei erneut auf Tia Mowry. Die Schauspielerin übernimmt in dem neuen Thriller Single Black Tenant nicht nur die Hauptrolle, sondern fungiert auch als ausführende Produzentin. […] (00)
vor 4 Stunden
Uli Hoeneß
München (dpa) - Uli Hoeneß hat die Kommunikation um die Nominierung des deutschen WM-Torwarts durch Bundestrainer Julian Nagelsmann bemängelt. «Das war nicht in Ordnung, nicht fair», sagte der 74 Jahre alte Ehrenpräsident des FC Bayern München im «Spiegel»-Spitzengespräch. Es sei ein Fehler gewesen, bereits im Frühjahr die Entscheidung zu verkünden, […] (00)
vor 4 Stunden
bitcoin, currency, finance, coin, crypto, economy
Die Winklevoss-Zwillinge, Gründer der Krypto-Börse Gemini, haben kürzlich $21 Millionen in Bitcoin an ein politisches Aktionskomitee gespendet, das die Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump unterstützt. Dies unterstreicht ihr starkes Engagement für die Zukunft der Kryptowährung. Eine stetig wachsende Schuldenuhr Cameron Winklevoss äußerte sich am […] (00)
vor 49 Minuten
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 9 Stunden
 
Fleisch und Wurst im Supermarkt (Archiv)
München - Uli Hoeneß kümmert sich nach eigener Darstellung regelmäßig persönlich […] (03)
Alexander Dobrindt (Archiv)
Berlin - Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kritisiert Warnungen vor einer […] (07)
Minenunglück in Nordchina
Qinyuan (dpa) - Es ist Chinas verheerendstes Minenunglück seit über 16 Jahren: Nach einer […] (00)
Wolodymyr Selenskyj
Kiew/Berlin (dpa) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach dem […] (00)
Gothic Remake erscheint nicht vollständig auf Disc – Fans zeigen sich sauer
Am 5. Juni soll endlich das Gothic Remake erscheinen, das 2019 offiziell mit einem […] (00)
iPhone 19 Pro: Prototyp offenbar mit vierfach gebogenem Display im Test
Apple testet aktuellen Berichten zufolge einen Prototyp des iPhone 19 […] (00)
Netflix schließt Exklusivdeal mit den «Super Mario Bros.»-Machern
Michael Jelenic und Aaron Horvath entwickeln künftig Serien und Filme exklusiv für Netflix. […] (01)
Eishockey-WM: Ungarn-Deutschland
Zürich (dpa) - Der erste Sieg ist perfekt, die Chance auf das Viertelfinale intakt: […] (00)
 
 
Suchbegriff