Thyssen-Krupp plant Umbau zur Führungsholding – Stahlgeschäft soll in Joint Venture ausgegliedert werden
Thyssen-Krupp stellt die Konzernstruktur grundlegend neu auf. Der Essener Industriekonzern kündigte am Montag an, sich mittelfristig in eine strategische Führungsholding umzuwandeln. Dabei will das Unternehmen operative Einheiten organisatorisch stärker eigenständig machen, gleichzeitig jedoch Mehrheitsbeteiligungen behalten. Die Maßnahmen sollen noch in diesem Jahr dem Aufsichtsrat zur Entscheidung vorgelegt werden.
Zentrale Komponente des Umbaus ist die Neuausrichtung des traditionsreichen Stahlgeschäfts. Dieses soll in ein 50/50-Joint-Venture mit dem Energieunternehmen EPG eingebracht werden. Die Stahlsparte beschäftigt rund 16.000 Mitarbeitende und erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 12,1 Milliarden Euro. Auch die Segmente Werkstoffhandel, Autozulieferung und Decarbon Technologies sollen perspektivisch eigenständige Einheiten werden – „sobald die nötigen Voraussetzungen geschaffen sind“, wie es in der Mitteilung heißt.
Die Börse reagierte umgehend: Die Aktie legte am Montag im MDax zwischenzeitlich um über acht Prozent auf 9,35 Euro zu – ihr höchster Stand seit Monaten. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits rund 135 Prozent zugelegt. Analysten zeigen sich gespalten: Von zwölf durch LSEG erfassten Experten raten sechs zum Halten, vier zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 8,10 Euro unter dem aktuellen Niveau.
Unverändert hält Thyssen-Krupp am Plan fest, einen Minderheitsanteil der Marinesparte TKMS an die Börse zu bringen. Vorstandschef Miguel López hatte dies bereits Ende Februar angekündigt. Ein Termin für die außerordentliche Hauptversammlung steht noch aus; laut einem Bericht der Bild könnte diese am 8. August stattfinden.
Mit der Neuaufstellung will Thyssen-Krupp seine Wettbewerbsfähigkeit steigern, das operative Geschäft flexibler steuern – und Investoren eine klarere Struktur bieten. Der Umbau markiert den nächsten Schritt im langjährigen Transformationsprozess eines Konzerns, der sich zunehmend von seiner Konglomeratsstruktur verabschiedet.

